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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 05:33 Uhr

Stadtwerke : Lübzer zahlen mehr Geld für Strom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Stadtwerke-Geschäftsführer zweifelt, dass erneuerbare Energien für Versorgung vollständig ausreichen. Der Steueranteil liegt bei fast 50 Prozent

von
erstellt am 21.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Kunden der Lübzer Stadtwerke müssen in diesem Jahr für Gas, Wasser und Abwasser nicht mehr Geld bezahlen. Anders sieht es beim Strom aus, wie viele auf den ihnen dieser Tage zugeschickten Rechnungen sehen können: Der Preis steigt um rund 0,8 Cent pro Kilowattstunde.

Die Stadtwerke kaufen die von ihr an den Endverbraucher verteilte Energie an der dafür etliche Jahre nach der Wende für ganz Deutschland geschaffenen Börse in Leipzig ein. „Gas wie auch Strom an sich konnten wir sogar etwas günstiger als früher erwerben“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin. Ein Problem: Dem lokalen Netz seines Unternehmens ist ein überregionales vorgelagert und für dessen Nutzung haben die Eigentümer (die Wemag zum Beispiel) die Preise angehoben. Beim Gas sei es im Gegensatz zum Strom gelungen, diesen Anstieg durch günstigeren Einkauf zu kompensieren.

„Der Staat hat außerdem ein Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien erlassen“, so Dobbertin. „Damit verbunden sind unter anderem hohe Einspeisevergütungen etwa für die Eigentümer von Windenergieanlegen.“ Für Ostdeutschland sammle das Unternehmen „50 Hertz“ die Einspeisedaten und lege sie auf die Gesamtmenge aller verbrauchten Kilowattstunden Strom (egal, ob mit Atomkraft oder durch eine Biogasanlage produziert) um, woraus sich die um knapp sieben Cent erhöhte „EEG-Umlage“ ergebe. „Der eigentliche Strompreis macht nur noch rund ein Viertel der Kosten aus, die Netzentgelte sind mit etwa 30 Prozent anzusetzen“, sagt Dobbertin. Fast die Hälfte entfallen mittlerweile auf Steuern und Entgelte.

Auf die Frage, ob er die beschriebene Entwicklung wie auch viele andere kritisch betrachte, antwortet der Geschäftsführer, dass die Politik den jetzt eingeschlagenen Weg vorgegeben habe und man ihn aus seiner Sicht beibehält. Die Bundesregierung keinen Rückzieher machen werde: „Alles wird so weiterlaufen. Fraglich ist aus meiner Sicht allerdings, ob die Energieversorgung mit diesen Mitteln dauerhaft gelöst werden kann. Noch lässt sich die in großen Mengen produzierte Windenergie etwa nicht speichern, so dass wir nach wie vor bis auf weiteres auch konventionelle Kraftwerke brauchen werden.“ Eine völlig unbefriedigende Lösung sei, einen Acker herzurichten, darauf mit Mais ein hochwertiges Nahrungsmittel auszusäen, ihn zu ernten und dann vergären zu lassen, um Biogas zu erhalten.

Dobbertin hält alle neuen, genannten Produktionsverfahren für Übergangstechnologien. Die Entwicklung schreite sehr schnell voran. Noch sei zum Beispiel die Ausnutzung von Wasserstoff weitestgehend unbekannt. „In der Schule, was ja nun schon lange her ist, habe ich noch gelernt, dass es 2000 kein Öl mehr geben wird“, so Dobbertin. „Natürlich sind die Vorkommen endlich, aber wir sind schon 17 Jahre weiter und jetzt wurden schon wieder neue entdeckt.“

Gegenwärtig liefen schwierige Verhandlungen über einen auf Bundesebene eingebrachten Gesetzesentwurf, demzufolge überall in Deutschland gleichhohe Netzentgelte gezahlt werden sollen. Im Norden sind sie viel höher, weil hier am meisten etwa Windenergie produziert wird – vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen – die großen Industriebereiche jedoch im Süden zu finden sind. Dobbertin: „Die Produzenten werden vom Staat gezwungen, die langen Versorgungsleitungen zu bauen. Über die Netzentgelte holen sie sich die Investitionskosten zurück.“

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