zur Navigation springen

Preisentwicklung abwasser : Lübzer zahlen mehr für Abwasser

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Preis zum Jahreswechsel leicht angehoben / Im Vergleich zum Umland trotzdem noch erheblich günstiger / Unvernunft verursacht Mehrkosten

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 09:00 Uhr

Im Zuständigkeitsgebiet des Eigenbetriebes Abwasser der Stadt Lübz ist die Gebühr für die Entsorung von einem Kubikmeter Abwasser zum Jahreswechsel von bis dahin 2,20 auf 2,39 Euro gestiegen. Dieser Änderung haben die Stadtvertreter zugestimmt. Betriebs-Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin zum Hintergrund: „Von 2009 auf 2010 wurde der Preis pro Kubikmeter um zehn Cent gesenkt – in der Erwartung, dass die Abwassermenge weiterhin bei jährlich etwa 630 000 Kubikmeter bleibt. Bis Ende 2012 sank sie jedoch überraschend  insgesamt um rund 180 000 Kubikmeter, sodass wir einen Verlust von etwa 400 000 Euro einfuhren. Um ihn wieder auszugleichen, mussten wir reagieren.“ Der Eigenbetrieb arbeite zwar nicht gewinnorientiert, müsse aber kostendeckend wirtschaften.  Die geringeren Wassermengen seien unter anderem sowohl durch den Rückgang der Bevölkerung als auch vor allem durch Änderungen in industrieller Produktion zu erklären. Die so genannten „Sonderkunden“ (unter anderem die Brauerei, Dölling-Hareico und die Großwäscherei Martens) nahmen in allen Jahren jeweils rund zwei Drittel des verkauften Wassers ab.

Der Preis in Lübz sei trotz der Erhöhung noch einer der geringsten in der Region.  Der alle Gemeinden des Altkreises Parchim versorgende Wasser- und Abwasserzweckverband etwa verlange 3,32 Euro pro Kubikmeter und zusätzlich eine Grundgebühr von neun Euro pro Monat. Der Mehrpreis liege unter anderem darin begründet, dass durch ein sehr großes Netz im Vergleich zur Stadt wenig Menschen versorgt werden, was hohe Betriebskosten mit sich bringe. Teurer als eine eigene Kleinkläranlage, die die neuen, verschärften  Vorschriften erfüllt und ständig überprüft werden muss, seien jedoch auch solche Mehrkosten nicht.

Der Preis in Lübz gelte immer für vier Jahre. Sollte die Abwassermenge wieder steigen, gebe es  Potential, die Kosten auch wieder zu senken: „Die Sache lebt, ist keine Einbahnstraße nach oben. Klar ist jedoch, dass auch bei uns bestimmt ein Wert wie beim Zweckverband gelten würde, wenn es die Großkunden nicht gäbe, die den Betrieb des Klärwerkes für alle günstiger werden lässt – was keine Aufforderung sein soll, Wasser zu verschwenden.“

Weil die alte Lübzer Kläranlage bei der Brauerei den heutigen technischen Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde 1993 eine neue  in der Gischower Chaussee mit zwei Belebungs- und zwei Nachklärbecken in Betrieb genommen. Sie fassen jeweils 6400 beziehungsweise 1800 Kubikmeter Wasser. In erstgenannten wird es biologisch gereinigt, wobei so genannter Belebtschlamm entsteht. Dieser wird ständig belüftet, um die Mikroorganismen ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, die die gelösten Schmutzstoffe abbauen. Außerdem wird Stickstoff eliminiert.  In den Nachklärbecken setzt sich dann der im Wasser enthaltene Schlamm ab,  wird im unteren Bereich gesammelt und eingedickt. In Lübz entstehen davon jährlich rund 2000 Tonnen, die zum Beispiel als Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden.

 Die ehemalige Anlage nahm zwischen 30 und 40 Prozent des kommunalen Abwassers auf. „Der Rest wurde in häuslichen Klärgruben aufgefangen oder verschwand teilweise auch einfach irgendwo“, berichtet Dobbertin.  Dass die Elde wieder erheblich gesünder geworden ist, könne jeder sehen, der ihren Zustand mit früher vergleicht.  Ein besonders großer Wasserverbraucher sei die in den 1990er-Jahren geschlossene Zuckerfabrik gewesen. „Kein Wunder, denn aus dreckigen, weil im Boden gewachsenen Rüben – heutzutage oft schon vor der Auslieferung gewaschen – wird nicht so einfach weißer Zucker“, sagt der Geschäftsführer. Zudem habe die gleich nach der Wende liquidierte Molkerei mit viel Fett angereichertes Wasser abgegeben. Und wenn etwas nichts koste wie auch die Abwasserentsorgung zu DDR-Zeiten – politisch gewollt – werde  niemand von sich aus den Anstoß geben, dies zu ändern. So entwickele sich zügig eine „Egal-Haltung“, die korrekte Wertschätzung verhindere und somit gefährlich sei. Auch die Abwasserreinigung müsse „verursachergerecht bezahlt werden“.

Der eindeutigen Spurenlage zufolge nicht  gebessert habe sich die Unsitte, aus Bequemlichkeit Abfall in die Toilette zu kippen. „Aus dem Augen, aus dem Sinn“ gilt zwar zunächst für den Verursacher, jedoch nicht lange, denn über Rechen werden in der Kläranlage zunächst alle festen Stoffe aus dem dort ankommenden Schmutzwasser entfernt. „Neben normalen Dingen wie etwa Toilettenpapier sind dies auch tonnenweise Essensreste, Stoffteile und Windeln, die wir entsorgen müssen und die somit extra Geld kosten“, sagt Holger Brandt, Meister auf der Kläranlage. Solche unnötigen, zusätzlichen Ausgaben können ebenfalls dazu führen, dass Preise steigen. Oft kommt der Müll gar nicht bis in die Gischower Chaussee, weil er vorher eines der 50 Pumpwerke in der Stadt verstopft und der Notdienst ausrücken muss, um den Schaden zu beheben. „Extra-Kosten ergeben sich auch durch verstärkte Rattenbekämpfung – je mehr Essensreste im Wasser, desto mehr Schädlinge – und durch das Faulgas Methan entstehen in Verbindung mit Wasser aggressive Säuren, die die Rohrleitungen zerfressen“, so Dobbertin.

Wie stark und wodurch das heute die Kläranlage erreichende Abwasser verunreinigt ist und in welchem Zustand es sie wieder verlässt (rund 2000 Kubikmeter am Tag), untersuche heute täglich mehrfach das eigene und außerdem ein externes Labor. Einige Werte werden sogar ins Internet gestellt. Wenn das Wasser wieder in die Elde fließt, sei es chemisch, aber nicht hygienisch rein. Dobbertin: „Was für die Natur nicht schlecht ist, weil Bakterien so dazu angeregt werden, noch einmal tätig zu werden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen