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Schule macht Angebote : Lübzer Minis entdecken das Spiel der Könige

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Nach längerer Pause steht Schülern Schach-AG wieder offen. Vietlübber Coach ließ sich erneut engagieren.

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erstellt am 10.Jan.2017 | 12:00 Uhr

„Hi, ich bin der Ricardo.“ Der kecke Bube aus der 4a hat seinen Ranzen noch geschultert. Dann sucht er sich einen Platz im Klassenraum. Ihm folgen – nicht minder keck – Patrick, Lydia, Bianca, Linda, Maja, Tim, Johann, Yannick, Mathea und Adina. Es ist Montagmittag kurz vor eins. Das Gros der anderen Schüler der Lübzer Grundschule machen sich gerade auf den Heimweg oder warten an der Haltestelle vor der Schule auf ihren Bus. Nicht die elf. Sie hängen noch eine Schicht dran. Sie sind die Schach-AG. „Herr Arning, wir bauen schon unsere Figuren auf“, verliert Yannick keine Zeit. „Wir auch…“, „Unsere steh’n schon“… Schachcoach Norbert Arning, der seit einigen Monaten auch am Lübzer Gymnasium einen Schachkurs leitet, ist bei soviel unbekümmertem Enthusiasmus jedes Mal aufs Neue begeistert. „Es macht wirklich viel Spaß mit den Lütten, die setzen sich an ihr Brett und spielen ihre Partien“, sagt er. Die Züge sind (noch) nicht immer richtig. Und Taktik zumeist noch ein Fremdwort. „Doch das ist egal. Sie sollen spielen und Spaß haben“, findet Arning.

Seit einigen Monaten kommt der 65-Jährige regelmäßig montags in die Lübzer Grundschule, um die Kinder im Schach zu unterweisen. Unter „AG“ läuft das in der Einrichtung, wie übrigens auch Experimentieren, Darstellendes Spiel, Schülerzeitung, Streitschlichter, Deutsch-Literatur und Sport. Die Schul-AGs sind Zusatz. Kein Zwang. Hier gibt’s auch keine Zensuren. Nur Hilfestellung von den Coaches. Und Lob, wenn’s läuft.

So kommen auch die elf Schüler der 4a freiwillig zum Schach. Ob sie wissen, dass sie einen ausgemachten Schach-Experten zum Coach haben? Eher nicht, aber vielleicht ahnen sie es. Immerhin spielt Norbert Arning seit seinem 14. Lebensjahr leidenschaftlich gern und sitzt heute für die Schachgemeinschaft Malchow/Waren an Brett 3 in der mecklenburgischen Landesklasse Ost.

Sein Unterricht sei eher unorthodox. „Ich setze mit der AG ganz bewusst einen Kontrastpunkt zum sonstigen Unterricht.“ Ohne Höflichkeit geht auch hier nichts. Doch stillsitzen und melden hat Arning aus seinen vier Wänden verbannt. Vielmehr ist seine AG ein fordernder Zirkel, in dem er geduldig Fragen beantwortet (auch solche, die mit Schach gar nichts zu tun haben) und die Spielzüge Kinder strikt aber behutsam korrigiert. „Ich möchte, dass die Kinder auch andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung erfahren“, sagt der Vietlübber und räumt jede Woche aufs Neue mit dem Klischee der Generation Handy auf. „Es ist toll, wie sich die Lütten begeistern können. Einige von ihnen hatten sich zu Weihnachten sogar ein Schachspiel gewünscht. „Ja und ich durfte mir sogar eins aussuchen“, strahlt Adina.

Norbert Arning ist an der Grundschule kein Unbekannter. Vor Jahren leitete er schon einmal eine Schach-AG. „Schach ist einfach ein tolles Angebot für unsere Schüler“, sagt Schulleiterin Doris Kaltenstein, die den Vietlübber damals ungern gehen ließ und das Schachequipment „einmottete“. „Als wir von seinem Kurs am EGL hörten, haben wir ihn gefragt, ob zu uns auch wieder kommen mag.“ Klar hätte der 65-Jährige „Nein“ sagen können. Hat er aber nicht. „Als Rentner habe ich die Zeit und freue mich, wenn die Lütten Spaß an dem Spiel finden, das mich schon ein halbes Jahrhundert fasziniert.“

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