Regionale Kunst : Lübzer Kunstspeicher, Runde Zwei

Packen gemeinsam für die neue Saison an: Kunstspeicher-Gründerin Julia Theek und Fotograf Andre van Uehm.
Packen gemeinsam für die neue Saison an: Kunstspeicher-Gründerin Julia Theek und Fotograf Andre van Uehm.

Julia Theek ist zufrieden mit der ersten Saison des Lübzer Kunstspeichers / Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Sommerkurse 2015

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15. April 2015, 20:30 Uhr

„Kunstspeicher“ fiel ihr ein, als sie Ende 2012 den halb verfallenen Lebensmittelspeicher hinter dem Haus Jeve am Ziegenmarkt zum ersten Mal sah. Wie so viele nicht mehr genutzte Zweckbauten böte er Raum, um Kunst zu erschaffen und Kunst auszustellen. Inzwischen wurde der denkmalgerecht restaurierte Speicher zum Wahrzeichen, unter dem bereits Ausstellungen in Hamburg, Berlin und Caprino Bergamasco (Italien) stattfanden. Im Kunstspeicher selbst stellten die 2014 in Lübz tätigen Dozenten aus.

Träume können sich überschlagen. „Aber wer nicht groß denkt, der endet schließlich ganz klein“, sagt Julia Theek, die ihre konkrete Utopie nun in die zweite Saison führt. Wer mit der dunkelhaarigen „Herzensmecklenburgerin“ aus Potsdam spricht, erlebt eine energiesprühende Mitvierzigerin. Sprudelnde Ideen und maßvolle Reflexionen, wirtschaftliches Kalkül und menschliche Offenheit, ja, Großmut, wenn es um ihre Familie, Künstlerkollegen und um ihre Lübzer Kontakte geht, korrespondieren miteinander, stacheln sich an und gleichen sich gegenseitig aus. Die vergangene erste Saison des Unternehmens Kunstspeicher betrachtet die Künstlerin als eine Art Laborsituation; Investor und Eigentümer der insgesamt drei Gebäude des Unternehmens „Kunstspeicher“ ist Theeks Ehemann Guido Koch. „Es war ein Testlauf, ein Anfang“, sagt sie. Und sie hat Recht. Ein künstlerisches Unternehmen kann nicht sofort brummen wie eine neue Discounter-Filiale. Dennoch ist Julia Theek mit dem Beginnjahr zufrieden.

Dreizehn Kurse, drei Ausstellungen und sieben Abendveranstaltungen fanden im Gründungsjahr statt. „Wir und alle Dozenten freuen uns über die unerwartet schöne Resonanz“, sagt sie mit gehobener Stimme und es klingt wie eine Anrede an alle, die mitgemacht haben, die Kursteilnehmer, „die herzliche Gemeinschaft der Nachbarn“, die Stadt mit ihrer Unterstützung. Alles aber steht und fällt mit dem Kursangebot und in dieser Hinsicht liefert der Kunstspeicher echte Qualität. Parallel zu den Bauarbeiten am Speicher, berichtet die Künstlerin, habe auch eine ideelle Gründung im Kollegenkreis stattgefunden. Umtriebig und kontaktfreudig wie Theek ist, hat sie sich seit den frühen neunziger Jahren vielfältig in der Kunstszene vernetzt. Davon profitiert sie nun. Ihre Dozenten, oft also Bekannte, sind echte Profis, gut ausgebildet und haben Lust, gemeinsam mit Kursteilnehmern etwas zu entwickeln. Eine Prise pädagogischer Eros gehört dazu.

Gerade Künstler müssen sich organisieren, um finanziell zu überleben. „Kaum einer“, sagt Julia Theek, „kann ein ganzes Künstlerleben lang vom Bilderverkauf leben.“ Die Arbeit als Dozent oder Dozentin ist in dieser Hinsicht beliebt. Sie ergänzt das Budget, wird aber auch, laut Theek, sehr gerne wahrgenommen, um aus der Einsamkeit der Ateliers herauszukommen. „Die meisten Künstler haben, wenn das Frühjahr kommt, eine so lange, harte Zeit hinter sich, dass sie hinausgehen wollen.“ Und so erscheinen im Frühjahr auf der Liste der Wochenkurse im Kunstspeicher etwa Angebote wie „Schreibwerkstatt“, „Vergolden“ mit Angela Kaiser „Fotografie mit André van Uehm“ – so drei Themen des Vorjahrs, die in diesem Jahr wieder aufgenommen werden. „Großes Kino“, erinnert sich Julia, „war der Kurs des Spiegel- und Sternjournalisten Bernd Lammel zum Thema „Bücher selbst publizieren“. Der Kurs wird in diesem Jahr erneut stattfinden, ebenso ein Holzschnittkurs, an dem die Hausherrin im vergangenen Jahr selbst teilnahm – der Kunstspeicher verfügt über eine geräumige Druckwerkstatt – um „eine andere Form der Abstraktion und Komposition“ kennen zu lernen. Die praktische Seite der Druckmethode sieht ein Mensch wie Julia Theek natürlich auch sofort: Mit dem Druckstock können ein Dutzend Reproduktionen hergestellt werden, sinnvolle Geschenke, sagt sie.

Sich selbst im kreativen Prozess zu entdecken oder auch weiterzuentwickeln, Kontakte, sogar Freundschaften zu schließen, das ist der besondere Reiz von Kunstkursen. Sie sind echte Ferien vom Alltag, substanziell und nachhaltig. Die Lübzer Kurse sind mit 230 bis 380 Euro Gebühr zudem wesentlich preiswerter als vergleichbare in Süddeutschland etwa. Wer in Lübz oder Umgebung lebt, kann auch Tageskurse buchen oder die donnerstags stattfindenden Abendveranstaltungen des Speichers besuchen, bei denen der jeweils an den Start gehende Dozent sich vorstellt. Hierfür oder auch für Führungen durch die Werkstätten und die liebevoll und originell gestalteten Gästehäuser (an Donnerstagen in der Nebensaison) wird nur ein geringer Eintrittspreis erhoben. In der Nebensaison stehen alle Gästezimmer ab Buchung von zwei Nächten auch allgemein zur Verfügung. Für die vollständige Kursübersicht bitte unter anderem den Aushang des Kunstspeichers beachten oder www. luebzerkunst.de aufrufen. Kontakt: post@kunstspeicher.de

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