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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 10:51 Uhr

Streik : Lübzer Brauerei im Arbeitskampf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Angst um Arbeitsplätze: Rund 60 Mitarbeiter streikten gestern für drei Stunden und fordern sofortige Tarifbindung

von
erstellt am 14.Okt.2014 | 20:15 Uhr

„Wir fordern Tarifbindung“ steht auf dem Schild, das Thomas Streich hochhält. Seit 31 Jahren arbeitet er in der Mecklenburgischen Brauerei Lübz GmbH als Maschinist. Gemeinsam mit rund 60 anderen Kollegen und Angehörigen hat er am Dienstag für drei Stunden die Arbeit niedergelegt und gestreikt.

Carlsberg Deutschland hat zum 1. September dieses Jahres die Holsten Brauerei AG aufgelöst. Die Mitarbeiter sind in die Carlsberg Deutschland Markengesellschaft (CDM) gewechselt, neben den 133 Holsten-Brauerei-Mitarbeitern sind auch 90 Mitarbeiter aus der Mecklenburgischen Brauerei Lübz GmbH gewechselt. „Die CDM ist nicht in einem Arbeitgeberverband vertreten, somit ist sie nicht an Tarife gebunden“, erklärt Annett Rossa, Gewerkschaftssekretärin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit Arno Fischer, dem Landesbezirkssekretär der NGG, führt sie die Streikenden an und ruft zum gemeinsamen Kampf auf. „Wir wollen die Tarifbindung jetzt, wir wollen bei Verhandlungen mit am Tisch sitzen. Für die Zukunft wollen wir Gewissheit über die Tariflohnsteigerungen“, ruft Annett Rossa auf einem Parkplatz gegenüber dem Brauerei-Gebäude in der Lübzer Eisenbeissstraße.

„Wir wollen nicht, dass das Unternehmen in tausend kleine Stücke zerrissen wird“, sagt Thomas Streich. Auch darum geht es den Streikenden. Reinhard Marschall ist auch unter den ihnen. Seit 36 Jahren arbeitet er für die Lübzer Brauerei als Gabelstaplerfahrer. Er streikt, weil er nicht nur Rückhalt geben möchte, sondern vor allem aus einem Grund: „Ich habe Angst, meine Arbeitsstelle zu verlieren.“

Mit dem Übergang in die CDM verlieren die Brauer aber auch ihre Bindung an die Fläche. „Carlsberg steigt aus der Fläche aus, was bedeutet das für die Mitarbeiter, wenn es keinen Flächentarif mehr gibt“, fragt Annett Rossa am Streiktag. Die Streikenden in Lübz wollen Antworten und damit stehen sie nicht allein. Denn parallel wurde gestern auch die Holsten-Brauerei in Hamburg bestreikt. „Wir haben Verbündete“, erzählt auch Arno Fischer. „In Braunschweig wird ebenfalls gestreikt und auch in Flensburg stehen die Kollegen zu unseren Forderungen“, sagt der Landesbezirkssekretär der NGG.

Auch Betriebsratsvorsitzender Rico Krey steht gemeinsam mit seinen Kollegen vor der Lübzer Brauerei. „Es ist richtig und wichtig, dass wir streiken. Bislang hat es kein Ergebnis gegeben, deshalb haben wir jetzt mit der Gewerkschaft zum Warnstreik aufgerufen“, erklärt Rico Krey.

Seitens des Arbeitsgebers soll alles so bleiben, wie bislang – der Status Quo soll erhalten bleiben. „Das ist aber nicht sicher. Der Flächentarifvertrag ist in Gefahr, die Mitarbeiter, die jetzt in der CDM sind, haben keine Garantie auf einen Tarif. Das geht nicht und dagegen kämpfen wir“, so Rico Krey.

Die stellvertretende Pressesprecherin der Carlsberg Group, Claudia Zügler-Hingst, entgegnet: „Die CDM ist eine Übergangslösung. Alle Brauerei-Standorte bleiben bestehen – sowohl in Hamburg als auch in Lübz.“ Zum 1. April 2015 sollen alle Mitarbeiter in die Carlsberg Supply Company übergehen, diese sei auch Mitglied im Arbeitergeberverband. „Das Kind hat jetzt für ein halbes Jahr nur einen anderen Namen bekommen. Seitens der Geschäftsführung habe es ein Angebot gegeben, das einen Haustarif beinhaltet“, so Claudia Zügler-Hingst auf SVZ-Nachfrage. Doch mit dem Angebot sind Betriebsrat und Gewerkschaft nicht einverstanden, deshalb wurde gestern gestreikt.

 

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