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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Oktober 2017 | 13:20 Uhr

Aus alt wird neu : Lübz-Entdecker auf Upcyclingtour

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gegen die Müllberge: Im Kunstspeicher übten Hortkinder, wie man Abgelegtes wieder aufwerten und durchaus schick machen kann

Wenn Mama und Papa in den Ferien arbeiten müssen - dann sind immer noch die Türen des Horts geöffnet. Und insoweit Ferien machen auch bedeutet, dass mal was anderes passiert als üblich, macht auch der Hort Ferien. Für die Kinder, die Erzieherin Sylvia Klein betreut, heißt das dieser Tage: Ausschwärmen und die nächste Umgebung erkunden, einmal hinter die vertrauten Fassaden blicken.

Heute besichtigen sechs Lübz-Entdecker zwischen sieben und acht Jahren den Kunstspeicher. Bei der Besichtigung aber soll es nicht bleiben, nicht, wenn Leiterin Julia Theek das Sagen hat. Dann nämlich wird auch etwas Kreatives aufgestellt. Julia Theek, Mutter erwachsener Kinder, hat sich ein kleines, aber feines Programm für die Kleinen ausgedacht. An pädagogischer Fantasie nämlich fehlt es ihr nicht, wenn es darum geht, Kinder mit dem „Hand-Werk“ der Kunst vertraut zu machen, sie erleben zu lassen, was sie auf diesem Gebiet erreichen können.

Es geht um Upcycling. Da wir viel zu viel wegwerfen, Falsches oder Überflüssiges kaufen – oft „kaufen“ wir den günstigen Preis, nicht die Sache – sind Methoden der Wiederverwendung durch Verwandlung in etwas Individuelles, eventuell auch funktionell anderes, ein heißer Tipp. Upcycling sei zur Zeit absolut „in“, sagt Julia Theek. Und es bietet sich hier im Garten vor dem schönen Speichergebäude eben auch als tolle Übung für die Kleinen an, in der sich Malen und die Neugestaltung eines angestaubten Alltagsgegenstandes verbinden.

Auch Bilder, die zur Seite gelegt wurden, weil ihre erwachsenen Schöpfer sie missbilligt haben, können im Sinne von Upcycling wiederverwertet und umgestaltet werden. Julia Theek hat den Kindern einige der verworfenen – quasi also weggeworfenen – Versuche vorgelegt. Zum Turmfest sollen die weitergemalten Bilder dann gezeigt werden. Pepe malt mit Filzstift ein Gebäude nach, so wie er es sieht. Es ist schmal und mehrstöckig. Diese Eigenschaften hat er mit seiner Zeichnung genau getroffen. Andere Kinder sollen Frau Klein oder „die Journalistin“ malen. Die letzte Gruppe schließlich schleift den zu verschönernden, schlichten Hocker mit Feuereifer so lange ab, bis nur noch Spuren blauen Lacks zu sehen sind. Der Shabby-Look ist perfekt. Dann geht es ans Hauptwerk. Pepe überträgt sein Haus auf die Sitzfläche des Hockers, Margareta malt ihre Figur daneben und Marcel schmückt das Hockerbein mit Ornamenten.

„Marcel malt Ornamente ohne Ende“, kommentiert Julia Theek lachend. Das aber muss sie nicht wundern, denn sie selbst hat das Motto ausgegeben, Ornamente seien die Geheimwaffe des Upcycling. Und am Ende sind alle zufrieden. Sylvia Klein ist es, weil sie nach Besuchen in der Tischlerei Schröder und dem Sanitätshaus Köhler mit ihren Kindern hinter eine weitere Lübzer Kulisse hat schauen dürfen. Malerin Julia Theek, weil sie ihre künstlerische und politische Mission einmal mehr hat verwirklichen können: „Nach Jahren noch werden die Kinder sich erinnern, dass alte Sachen nicht weggeworfen werden müssen, dass man daraus etwas Persönliches erschaffen kann. So entwickelt sich eine Beziehung zu den Dingen. Konsum ist doch nicht alles.“ Und die Kinder? Sie haben volle anderthalb Stunden lang konzentriert gewerkelt. Dann erst büchsen sie ein bisschen aus ihrer Arbeitshaltung aus. Das aber ist in diesem Alter ja wohl normal.

 





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