Die Enten sind zurück : Lomax-Invasion in Barkow

Die Ausfahrt nach Mirow beginnt: Lomax um Lomax reihen sich in die Startformation ein.  Fotos: Monika marie degner
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Die Ausfahrt nach Mirow beginnt: Lomax um Lomax reihen sich in die Startformation ein. Fotos: Monika marie degner

Erben des 2CV: Zum vierten Mal trafen sich Lomax-Freunde im Gutshaus zu gemeinsamen Ausfahrten durch die Region

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13. Juni 2016, 12:00 Uhr

Immer im Sommer erblüht auch die Fantasie männlicher Führerscheinbesitzer und der Autotrieb entwickelt sich in eine geradezu anarchische Richtung. PS-Stärke weicht verspieltem Design, hohe Kubikzahlen zählen nicht, dafür übergroße Maskottchen auf dem Heck. Aller Autoernst ist unter der Sonne geschmolzen. Den Lomax-Fahrern, von denen hier die Rede ist, geht es einzig und allein um eines: Spaß. Zum vierten Mal nun fand ein Treffen der unkonventionellen Auto-Freaks in Barkow statt. Im Gutshaus wohnen sie, hinter dem Hotel parken ihre bunten, flachen Gefährte, bewehrt mit zwei putzig kleinen Windschutzscheiben, eine für den Piloten, eine für seinen Mitfahrer oder seine Mitfahrerin.

In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, sprach Goethe. Und das Spiel mit der Beschränkung, das die Fantasie anstachelt, ist vermutlich für die Fahrer – und „Schrauber“ – der Ulk-Gefährte ebenso reizvoll wie das offene Fahren und die lachenden und winkenden Menschen am Straßenrand. Ja, die Lomaxe fallen auf. Aber im Ernst: Was ist ein Lomax? Wenn Edgar Wolter aus Güstrow, der einzige Mecklenburger und Organisator der bunten Reisegruppe, diese Technik-Dummies erklärt, dann klingt das so: Spenderfahrzeug ist der 2CV, die sogenannte „Ente“. Sie liefert Rahmen, zwei Achsen und den Motor. Dazu wird ein Bausatz gekauft. Wolter beispielsweise baute sein Auto 2003 auf und konnte den Lomax-Umbausatz noch beim sogenannten „Franzosen“ in Fechta erstehen. „Lomax“, erläutert Edgar Wolter, „gibt es seit 1982, die Buchstaben bedeuten low costs and maximal fun.“ Dieses Fahrzeug hat immer zwei Zylinder, zwei Sitze und drei oder vier Räder, wobei die Dreirädrigen mit einem Moto-Guzzi-Motor für Motorräder ausgestattet sind und einer Extra-Zulassung bedürfen. Kostenpunkt jeweils so um die Zehntausend Euro.

Wissenswert, dass man mit den verrückten Kisten, die alle etwas nostalgisch aussehen, aber wie frisch gewienert spiegeln und blitzen, richtige Entfernungen zurücklegen kann. Die meisten Lomax-Fans saßen so manches Stündchen links oder auch mal rechts hinter dem Steuer, bis sie, aus Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland kommend, Barkow ereichten. Manfred Bräunig aus Monheim bei Düsseldorf, mit 77 Jahren der Senior des Lomax-Clubs, berichtet zufrieden: „Sieben Stunden habe ich für 587 Kilometer gebraucht.“ Also nicht mehr, wo der Lomax doch nur 29 PS und 600 Kubik hat? Schon, sagt Bräunig, aber er mache auf der Autobahn seine 95 bis 100 Kilometer pro Stunde, beim Überholen schaffe er auch 110.

Claus Gärtner aus Kempten im Allgäu lädt die Autorin dieses Beitrags schließlich zur Probefahrt ein. Klar ist, er möchte vom Lomax überzeugen. Seiner fährt Spitze sogar 170, wahrscheinlich dank Moto Guzzi. Das Steuer ist rechts. „Wir fahren nur 40“, sagt Gärtner beruhigend. Affiziert bin ich am Ende der kleinen Ausfahrt nicht, aber der Wagen, der nah am Boden liegt und viel frische Luft garantiert, brummt nett und läuft ruhiger als gedacht. Später berichtet Andras Hülße, Inhaber des Gutshauses Barkow, dass die Mannschaft einmal sogar bei strömendem Regen eintraf. Aber das nehmen sie sportlich.

Dann beginnt die heutige Ausfahrt. Gestern haben sie noch die Brauerei und den Krakower See besucht, heute geht’s nach Mirow. Lomax um Lomax fährt vor der Freitreppe des Gutshauses vor und weiter auf die B191. Ein gewisser feierlicher Ernst liegt über diesem Zug. Auch Spaß muss man ernsthaft wollen.

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