Engagement für Infrastruktur : Lokalpolitik steht fest zur Schiene

Holger Klukas, Bürgermeister Gallin Kuppentin
Holger Klukas, Bürgermeister Gallin Kuppentin

Bürgermeister der Region klatschen Beifall für den Einsatz des Fahrgastverbandes „Pro Bahn MV“, im Sommer touristischen Verkehr auf stillgelegten Teilen der Südbahn stattfinden zu lassen.

von
04. Mai 2017, 19:00 Uhr

Wie unlängst berichtet, wird der gemeinnützige Fahrgastverband „Pro Bahn MV“ in der diesjährigen Sommersaison an ausgewählten Sonnabenden beziehungsweise Sonntagen einen touristischen Bahnverkehr auf den Gleisen der stillgelegten Südbahnabschnitte zwischen Parchim und Malchow sowie Plau am See/Malchow – Karow – Krakow am See und Güstrow erproben. Er soll sich an den Terminen attraktiver Veranstaltungen und Ausflugsziele in der Region orientieren. Ziel sei, eine neue Perspektive für die Südbahn wieder über den Gelegenheitsverkehr hinaus zu schaffen. Mittlerweile sind bereits knapp 18 000 Euro an Spenden zusammengekommen – rund 1000 mehr als noch vor ein paar Wochen.

Die Initiatoren sind jetzt verstärkt auf der Suche nach finanzieller Hilfe, um so viele Fahrten wie möglich anbieten zu können. Ziel ist Bahnverkehr an vier Tagen mit jeweils zwei Zugpaaren. Je mehr Spenden zusammen kommen, umso mehr könne die Bahn fahren. Jeder Euro zähle.

Durch die Politik vor Ort erhalten die unermütlichen Kämpfer überparteilich breite Unterstützung, wie eine Umfrage unter Bürgermeistern der Region zeigt. Schon auf dem „Südbahngipfel“ hatte zum Beispiel Dirk Flörke (CDU), Chef im Parchimer Rathaus, die Angst geäußert, auch seine Stadt könne eines Tages völlig ohne Bahnhof dastehen. „Dass die Bahnlinie in Parchim gen Osten gekappt wurde und dadurch die durchgängige Verbindung auch in Metropolen wie Hamburg und Berlin verloren gegangen ist, hat sich äußerst ungünstig ausgewirkt“, sagt er.

„Und die meisten Touristen fahren nicht mehr in beide Richtungen – dabei bleibe ich.“

Der touristische Bahnverkehr sei ein guter Ansatz. „Die Frage ist nur, was sich daraus ergibt“, so Flörke. Ihm fehle gegenwärtig die Vorstellung, dass das Land die Angelegenheit noch einmal neu begutachte: „Das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es gibt hier eine streitbare Bürgerinitiative und die ist eindeutig zu unterstützen.“

Auch Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein (CDU) hat den Erhalt des Verkehrs auf der direkt durch ihre Stadt fahrenden Südbahn von Anfang an unterstützt – unter anderem durch die Teilnahme an den aus diesem Anlass veranstalteten Demonstrationen, „Rote Laterne“ genannt. „Drei oder vier Fahrten im Sommer sind noch keine Vorstufe zum Vollbetrieb, aber ich finde es sehr gut, dass wenigstens dies erreicht wurde“, meint sie. Auch die Enttäuschung Gudrun Steins über die Teilstilllegung sei bekannt und die Auswirkungen werde man in vollem Umfang erst nach längerer Zeit zu spüren bekommen. „Ohne die Fahrten im Sommer wäre die wertvolle Infrastruktur allerdings komplett ungenutzt geblieben. Sie sind ein Garant dafür, dass die Technik in Ordnung ist.“ Das Thema Südbahn sei alles andere als erledigt: „Den Bedarf gibt es immer wieder.“

Auf den noch liegenden Gleisen zwischen Plau am See und Güstrow fahren schon seit 1996 keine Züge mehr, was Plaus Bürgermeister Norbert Reier (Die Linke) bedauert. Er wünscht sich bessere Verbindungen zu den Metropolen, die nicht dazu zwingen, wie jetzt viermal umzusteigen und fünf Stunden lang unterwegs zu sein. Dies bringe jeden eindeutig dazu, mit dem eigenen Auto zu fahren. Für Änderungen seien aufeinander abgestimmte Fahrpläne und einheitliche Fahrkarten nötig. „Egal, ob für Bus oder Bahn“, sagt der Verwaltungs-Chef. Ein Vorbild sei der Kreis Mecklenburgische Seenplatte, in dem die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs über die Kurtaxe finanziert werde. „Ich bin begeistert, was der Fahrgastverband mit Hilfe so vieler engagierter Menschen auf die Bühne hebt“, so Reier. „Was sie tun, findet meine volle Unterstützung. Jeder muss sich darüber im klaren sein: Wenn die Bahn weg ist, ist sie weg – für immer.“

Auch der Plauer Bürgermeister beurteilt die Lage so, dass man „den Hebel nicht durch eine Aktion umlegt“. In der Saison könne er sich gut vorstellen, die Kosten über zusätzliche Fahrten mit allgemein sehr beliebten historischen Eisenbahnen zu senken.

Dazu brauche man sich einbringende Enthusiasten, die allerdings auch die Berechtigung haben müssen, Dampfzüge fahren zu dürfen – eine immer kleiner werdende Gruppe. Reier ist unabhängig davon überzeugt: „Mit der Anbindung von Meyenburg, Malchow, Pritzwalk und des Berliner Raums ließe sich der Erfolg vergrößern.“

Dass zum Beispiel weniger Radfahrer in die Region kommen, liege seiner Meinung nach jedoch nicht nur an dem teilweise eingestellten Verkehr auf der Eisenbahn. „Es sind zum Beispiel auch die teilweise grottenschlechten Radwege, die viele davon abhalten, zu uns zu kommen“, sagt der Bürgermeister. „Sie sind nach unten von Platz drei auf acht abgesunken. Jetzt diskutieren wir mit unserem und dem Landkreis Müritz, wie die Angebote zu verbessern sind. Am 18. Mai habe ich deshalb eine Einladung nach Malchow bekommen.“

Fürsprecher gibt es auch aus kleineren Kommunen. Holger Klukas etwa, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin, beurteilt die Lage so, dass „die überwiegend ältere Generation vor den Kopf gestoßen“ sei und sich sich nicht mehr zurechtfinde: „Mit dem ,Rufbusbetrieb’ sind die meisten Bürger wegen der vielen Ausnahmen und verschiedenen Voraussetzungen überfordert und empfinden ihn als keinen Ersatz.“ Bis heute gebe es in der Gemeinde zudem nicht überall gesicherte Fahrpläne, da man in Gallin-Kuppentin Informationen über die falsche Rufbuszone verteilt habe.

„Der Zug muss wieder in Gallin halten“, sagt Klukas. „Alles andere wird als komplizierte ,Lückenstopferei’ empfunden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen