SVZ fragt : Löcher im Schienennetz – auch er hält dagegen

Mit dem  Rad von Benzin bis Lübz, rein in den Zug  der ODEG und  ab nach Parchim zur Musikschule – ja, neben der Arbeit gönnt sich Clemens Russell  gern auch  ein bisschen Zeit für die Muse.
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Mit dem Rad von Benzin bis Lübz, rein in den Zug der ODEG und ab nach Parchim zur Musikschule – ja, neben der Arbeit gönnt sich Clemens Russell gern auch ein bisschen Zeit für die Muse.

Clemens Russell ist Wanderer zwischen den Welten und Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Schiene“. Treffen würde er gern jenen Menschen, der den Erhalt der Südbahn verkündet

svz.de von
14. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Mit Clemens Russell wird es wahrscheinlich nie langweilig, der Mann mit Berliner Wurzen, den es vor Jahren nach Benzin verschlug, ist ein Wanderer zwischen den Welten. Wenn er sich nicht gerade eine Auszeit am Cello nimmt, um in der Parchimer Musikschule die Muse zu streicheln, dann leitet er zwei Netzwerke. In Schwerin das vom Landesverband der Lebenshilfe, in Brandenburg für das dortige Justizministerium die Resozialisierung von Straffälligen. In der Region fällt der Soziologe mit Bergbaustudium aktuell durch sein Engagement in der Bürgerinitiative „Pro Schiene“ auf, die seit Monaten für den Erhalt der ODEG zwischen Parchim und Waren kämpft. „Wir setzen uns für die Vitalisierung der Region, für ökologische Mobilität ein. Und dabei ist die Schiene für uns ganz wichtiger Baustein.“ Auch wenn Clemens Russell Sprecher der BI ist, das Engagement ist keine Ein-Mann-Show. „Nein, unsere BI ist Teamwork, und die Bevölkerung steht hinter uns!“

Redakteurin Simone Herbst stellte Clemens Russell die 20 Fragen zum Samstag.
Herr Russell, wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Unter unserem Apfelbaum, ein Boskop, am Eingang zum Wald des Neuen Teichs von Benzin kommend.
Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?
Einen Jugendclub mit mobilen Angeboten in der Gemeinde Kritzow gründen, die finanziellen Möglichkeiten sicherstellen und für eine gute Qualität der Jugendarbeit sorgen.
Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?
Auf dem Rad oder in der Bahn.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Kohlen holen für ältere Menschen und Wohnungen renovieren.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Wir waren sehr gesellig: vermutlich in der Kneipe.
Was würden Sie gerne können?
Wirklich gut Cello spielen, außerdem bewundere ich die zupackende Art von begabten Handwerkern.
Was stört Sie an anderen?
Wenn ich sie nicht verstehe und sie mich nicht verstehen.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Am meisten lache ich über kleine absurde Abweichungen vom Normalen und die damit verbundenen Verstrickungen. Aber auch Missverständnisse können manchmal sehr komisch sein.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich arbeite manchmal zu viel und das ist auf Dauer sehr unvernünftig. Das Gegenteil wäre in meinem Fall aber auch sehr unvernünftig.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Besonders beeindrucken mich mutige Menschen, die einen guten Riecher haben für das, was kommt und Menschen, die trotz schwerer Schicksalsschläge am Ball bleiben und das Leben bejahen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Schuld und Sühne von Dostojewski, ein packendes Psycho- und Soziogram der damaligen Zeit in Sankt Petersburg.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Wir haben einen Fernseher, der ausschließlich für DVD’s benutzt wird. Ich bin froh, dass wir nicht fernsehen, denn ich könnte schlecht abschalten.

Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Weder noch, Fußball spiele ich schon lange nicht mehr, die Kreuzbänder, wissen sie. Ich war ein gefürchteter Verteidiger, allerdings ohne technische Raffinessen. Und Fußball haben wir nicht auf DVD.
Wen würden Sie gerne mal treffen?

Ich hätte gerne Loriot getroffen und mit ihm über meinen Farbgeschmack diskutiert. Aber dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Außerdem: Den Überbringer der Nachricht, dass die Südbahn erhalten bleibt und der Jugendclub bald öffnet.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Meine Frau Claudia Ammann kocht phantastisch und kreativ und es ist immer auch ein Schmaus für das Auge.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Mit Nathalie, von Gilbert Bécaud. Ich hatte das Glück, ihn live im Konzert in Frankreich zu erleben. Das war 1668 und der Wahnsinn. Zu Nathalie tanzte ich später mit meiner Frau den Eröffnungstanz auf einer Geburtstagsfeier.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Unfassbar war das Weihnachtsgeschenk vor sehr vielen Jahren: die elektrische Eisenbahn. Viel später dann: Ein sehr schönes selbstgenähtes Hemd von meiner Frau und tolle Basteleien unserer Kinder, die es heute noch gibt.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Eine gute Oper komponieren.
Was werden Sie als Rentner machen?
Arbeiten, beobachten, Musik machen, Kinder und Jugendliche begleiten, wenn sie es wünschen. Segeln, was ich noch lernen muss.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Monika Drews oder Arno Göwe aus Benzin

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