„Angebadet“ : Lichtbringer in Neopren-Anzügen

Sogar ein Papposterhase – montiert auf einer Styroporplatte – ging beim Fackleschwimmen auf der Elde mit an den Start.
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Sogar ein Papposterhase – montiert auf einer Styroporplatte – ging beim Fackleschwimmen auf der Elde mit an den Start.

Am Ostersonnabend fand in Plau am See das Osterfackelschwimmen statt / Zahlreiche Zuschauer verfolgten das Spektakel vom Eldeufer aus und feuerten die Schwimmer an.

svz.de von
06. April 2015, 22:00 Uhr

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“. Flüsse auch. Und einige Übermütige können es nicht abwarten, ignorieren die Aprilkälte und springen jetzt schon fröhlich in die Elde. Die Rede ist von Frauen, Männern, Kindern und Jugendlichen in Neopren, die Fackeln auf Schwimmhilfen montieren, anzünden und - platsch – Richtung „Fischerhaus“ auf dem Fluss verschwinden. Es ist Osterfackelschwimmen in Plau.

Wer ist so mutig, abgehärtet, schwimmtüchtig – und verrückt? Verrückt ist heuer (auch) die Aufmachung einiger der Schwimmstars oberhalb des Neoprenkragens: Ein papageienbunter Irokese, eine Osterhäsin, ein Haifisch watscheln auf großen Flossen über die Metow. Dazu rennt ein Hund, ein echter, wie aufgedreht durch die dicht gedrängten Zuschauergruppen. Er gehört zu Andreas und Roman Karsten und kann seine Flussfahrt kaum erwarten. Immer abends nach Feierabend, und zwar zu jeder Jahreszeit, nehmen Vater und Sohn Karsten ihren Vierbeiner auf einem Brett mit auf Schwimmtour. Am Ostersonnabend natürlich auch.

Die Teilnehmergruppe, erläutert Remo Block, Inhaber des Restaurants „Fischerhaus“, sei sehr gemischt. „Es sind Touristen darunter, die zu diesem Termin immer wiederkehren, ehemalige Kunden der Plauer Tauchschule, gegenwärtige Tauchschüler und sehr viele Plauer Kinder und Jugendliche.“ Unter ihnen ist auch Reza Baumann (14), Tochter des Leiters der Tauchschule Baumann und Fabian (12), ein Freund von Rezas Bruder. Fabian schwimmt heute zum ersten Mal mit, Reza taucht seit fünf Jahren, beim Osterfackelschwimmen ist sie zum vierten Mal dabei. Grund: Es macht Spaß. Aber irgendwie scheint die Teilnahme auch selbstverständlich zu sein. Und keine Sorge: „Die Anzüge halten schon sehr schön warm“, sagt Reza.

Bei der Einstiegsstelle der Fackelschwimmer ein Stück weit hinter der Schleuse Richtung Zentrum haben sich schon seit geraumer Zeit immer mehr Zuschauer eingefunden. „Das Ganze ist eine Gaudi“, sagt eine Frau und lacht. Ein Mann hält vorsichtig eine Styroporplatte hoch, darauf sind zwei Fackeln, eine Glocke und vor allem ein possierlicher Papposterhase montiert. Dieses Wahrzeichen des Festes und des Saisonbeginns 2015 überreicht er der Osterhäsin, sie wird es schwimmend ans Ziel befördern. Dort, am Fischerhaus, ist schon seit geraumer Zeit ein wärmendes Räucherfeuer entzündet. Bratwurst und Glühwein warten ebenfalls. Aber noch sind die Helden nicht dort. „Guten Abend Plau“, begrüßt der als Haifisch verkleidete Tauchschulenchef Ralf Baumann die Zuschauer. Das Wasser habe fünf Grad, aber gefühlt fünfundzwanzig. Dann spricht er ein wohlverdientes Lob für die vielen kleinen und größeren Nachwuchsschwimmer aus, die sich der Schwimmprozession anschließen wollen.

Die Zuschauer amüsieren sich über den Auftritt der heroischen und zugleich komischen Schwimmer. Die Neoprenhelden zögern auch nicht lange und tauchen ins Wasser ein. Das gurgelt und gluckert und ruft Erinnerungen an den Sommer wach. Sie empfinde auch Melancholie angesichts dieses österlichen Rituals, sagt eine Zuschauerin, die mit ihrer Familie extra aus Hamburg angereist ist. Aber ist die Zeit der Melancholie mit der dunklen Jahreszeit denn nicht eher vorbei? „Nein“, sagt sie, „zurzeit geht mir vieles durch den Kopf.“ Die Schwimmer entfernen sich derweil zügig von der Eldemauer. Bald haben sie die Mitte des Flusses erreicht, der Hase, der Haifisch, der Irokese, ein glücklicher Hund auf einem Brett und alle anderen. Die Fackellichter werden immer schwächer.


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