Lokalpolitik : Licht-Einigung in Lübz weit weg

In Lübz sorgt die Straßenbeleuchtung für Diskussion.
In Lübz sorgt die Straßenbeleuchtung für Diskussion.

Der Bauausschussvorsitzende ärgert sich über den Stadtwerke-Geschäftsführer. Ein von seiner Fraktion und der SPD 2010 gestellte Antrag hätte der Stadt ihm zufolge ein großes Plus gebracht, das man jetzt schon über mehrere Jahre vergeben habe.

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10. April 2017, 21:00 Uhr

Um für die Stadt weiter Geld zu sparen, hatte die Wählergemeinschaft Broock/Wessentin (WGBW) für die jüngste Stadtvertretersitzung wie seit 2010 schon mehrfach wiederum den Antrag zur Abstimmung gestellt, die nächtliche Straßenbeleuchtung zu reduzieren. Auch er wurde abgelehnt, nachdem Bürgermeisterin Gudrun Stein erläutert hatte, dass das genannte Ziel nicht zu erreichen sei, ohne zu investieren, wozu die Stadt nicht in der Lage sei (wir berichteten).

Gerd Vorhauer vertritt nicht nur die WBBW, sondern ist auch Bauausschussvorsitzender und weiter von der Richtigkeit seiner Überlegungen überzeugt. Er sei an Zusammenarbeit interessiert und nicht auf Konfrontation aus, habe sich jedoch so über mehrere in einem Gespräch mit unserer Redaktion geäußerte Sätze von Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin geärgert, dass er sie nicht unwidersprochen lassen wolle. Dobbertin hatte unter anderem zu Vernunft gemahnt und gesagt, dass Einsparungen „nicht verbohrt“ sein dürften. „Ich bin nicht verbohrt, sondern weiß, dass es auch in Wessentin, wo ich wohne, trotz umfangreicherer Abschaltung keine ,dunklen Ecken’ gibt. Zwischen 23 und 4 Uhr brennt nur jede vierte Lampe und das Licht reicht trotzdem aus, was in der weitaus höheren Leuchtkraft der neuen Technik liegt“, sagt Vorhauer. Jede Straßenausfahrt, Kreuzung und jeder Gefahrenpunkt bleibe eh weiter erhellt.

„Zurückgehende Sicherheit als Argument anzuführen ist Angstmacherei. Und auch in Wessentin gibt es zum Beispiel Schichtarbeiter, die nachts wegfahren müssen“, meint der Stadtvertreter.


Durch neue Technik keine Kriminalitätsexplosion


„Herr Dobbertin müsste es doch selbst am besten wissen! Mit Springe im Einzugsbereich von Hannover hat er sich vor ein paar Jahren offensichtlich begeistert eine Stadt mit rund 30 000 Einwohnern angeschaut, in der die Straßenbeleuchtung durch ein elektronisches System geregelt wird. Neben der Abschaltung ermöglicht es jedem, die Lampen auf seinem Weg per Funksignal anzuschalten, damit keiner im Dunklen durch die Stadt gehen muss – wie zu Hause, wo auch nur in den Räumen das Licht angeschaltet ist, in denen man es benötigt.“ Mehr Kriminalität habe es dadurch nicht gegeben.

Das 2010 von WGBW und SPD gestartete Vorhaben hieß „Lübz clever beleuchten“, für das schon ein von vier Stadtvertretern unterschriebenes Flugblatt erarbeitet war. Verteilt wurde es letztlich nicht, weil der Bauausschuss die Initiative vorher ablehnte. Die Umrüstungskosten für alle Sraßenlampen in Lübz wurden damals mit rund 35 000 Euro angegeben. Dagegen stand eine mögliche Einsparung in Höhe von gut 23 000 Euro im zweiten Jahr und dann jährlich knapp 29 000 Euro (Zahlen von 2010). „Dagegen steht zum Beispiel, dass in diesem Jahr deutlich weniger als 10 000 Euro in Neuanschaffungen für die Stadtbibliothek investiert werden sollen“, so der Stadtvertreter. „Wir geben in derselben Zeit über 100 000 Euro nur für die Beleuchtung aus – sehr viel Geld.“ Die Stadt wolle möglichst schnell aus der Haushaltskontrolle durch den Landkreis heraus, um sich nicht jedes Jahr rechtfertigen zu müssen. Bei der Sicherung ihres Etats spiele die Beleuchtung eine wichtige Rolle. Auch die WGBW wolle jedoch nicht einfach festlegen, sondern auch immer die Meinung der Bevölkerung hören.


In Wessentin gestarteter Versuch nicht fortgeführt


Wessentin sei vor mehreren Jahren als Versuch gestartet, der jedoch nicht fortgeführt wurde und deshalb leider nicht mehr auf der Tagesordnung stehe. „Ich habe kein Verständnis für den Widerstand, mit der Beleuchtung in Größenordnungen dringend benötigtes Geld zu sparen, nicht“, so Vorhauer. „Sicherlich finden es viele ärgerlich, wenn ich das Thema immer wieder zur Sprache bringe, aber die Stadtvertretung beschließt über Gelder der Stadt und das muss sie gerade in Zeiten wie diesen besonders vorsichtig tun.“ Absurd sei deshalb, wie ebenfalls von Dobbertin geäußert, andere Stellen anzuführen, auf die ein ungleich höherer Verbrauch entfalle: „Auch Privatleute und Industrie können Strom sparen, aber das ist deren Sache. Wir müssen uns um die Stadt kümmern!“

Unterlagen des Ausschussvorsitzenden zufolge ist der Energieverbrauch für die Straßenbeleuchtung im Versorgungsgebiet der Lübzer Stadtwerke (1302 Leuchten am 1. November 2016) zwischen 2010 und 2015 von gut 434 000 auf knapp 322 000 Kilowattstunden gesunken. Daraus könne man ersehen, dass die erzielte Ersparnis deutlich unter der im Antrag der Fraktionsgemeinschaft von 2010 errechneten liege.


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