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Gesundheitliche Bedrohung durch Energiesparlampen : Letzte Glühbirnen werden bestellt

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Auch in Lübz sorgte die unlängst im ZDF gezeigte Reportage "Giftiges Licht - Die dunkle Seite der Energiesparlampe" für Diskussion. Sabine Rosenfeldt etwa tauschte danach sofort die gesamte Beleuchtung in ihrer Wohnung.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2012 | 06:53 Uhr

lübz | Auch in Lübz sorgte die unlängst im ZDF gezeigte Reportage "Giftiges Licht - Die dunkle Seite der Energiesparlampe" für Diskussion. Sabine Rosenfeldt aus Zarchlin etwa war besonders konsequent und tauschte danach sofort die gesamte Beleuchtung in ihrer Wohnung. Die erst kürzlich für viel Geld angeschafften Lampen werde sie aus Wut "nach Brüssel schicken" und den leichtfertigen Umgang mit der Gesundheit von Menschen beklagen.

Nach Brüssel deshalb, weil die Europäische Kommission beschlossen hat, die bisher übliche Glühbirne ab September endgültig aus den Ladenregalen verschwinden zu lassen. Gründe: Die neue "Öko-Lampe" wandele mehr Energie in Licht um, schone damit die Umwelt und sei im Verhältnis günstiger, weil sie länger leuchtet. Die Reportage offenbarte allerdings, dass die meisten Lampen zwar länger, aber bei weitem nicht so lange wie versprochen halten. Als noch schlimmer empfinden Verbraucher jedoch, dass Energiesparlampen ausgewiesenen Experten zufolge mit Ökologie so viel zu tun haben wie ungefilterte Kohlekraftwerke. Begründung: Sie enthalten hochgiftiges, schwere Krankheiten verursachendes Quecksilber, das nicht nur freigesetzt wird, wenn die Hülle zerbricht, sondern auch im normalen Betrieb, bei dem es zwischen Metallgewinde und Glas entweicht.

Der hagebaumarkt gehört zu den größten Anbietern von Elektroartikeln im Raum Lübz. 25- und 40-Watt-Glühbirnen dürfen nur noch bis zum 31. August bestellt werden, Restbestände von einst palettenweise eingekauften 60 Watt starken Lampen sind aber auch noch zu haben. "Hamsterkäufe mit zum Beispiel 20 oder 30 Stück auf einmal gab und gibt es auch bei uns", sagt Manuel Ziems, Fachberater für Elektroartikel. "Gerade ältere Kunden verweigern sich öfter der neuen Technik."

Auf die Frage, ob der Giftgehalt bei der Kaufentscheidung letztlich überhaupt eine Rolle spielt, antwortet der Mitarbeiter, dass durchaus danach gefragt werde, der Markt Energiesparlampen aber unverändert stark verkaufe. Dies liege vor allem in ihrem weitaus niedrigeren Preis gegenüber dem für LED-Produkte begründet. Die Abkürzung LED steht für Light Emitting Diode. Fließt Strom durch sie, wird ohne Verzögerung Licht abgegeben. Diese Technik gilt als Nachfolger der Energiesparlampen, die - so Ziems - nach seiner Einschätzung in den nächsten Jahren verdrängt werden: "In diesem Bereich passiert rasant viel. Nur ein großer Vorteil von LED ist, dass in den Produkten kein Gift vorhanden ist und die Haltbarkeit bei einer angenommenen Brenndauer von drei Stunden am Tag bis zu 25 Jahre beträgt." Die Schaltfestigkeit ist mit bis zu 500 000 Mal angegeben. Solche Vorteile haben ihren Preis, doch auch in dieser Hinsicht bewege sich viel. "Noch vor drei oder vier Jahren kostete eine LED-Lampe zwischen 30 und 40 Euro. Schon heute liegt der Preis für das gleiche Produkt bei einem Drittel bis der Hälfte. Die günstigsten Varianten sind mittlerweile bereits für unter zehn Euro zu haben", so der Fachmann.

Zerbreche eine Energiesparlampe in der Wohnung, reiche es, die Räume für rund eine Viertelstunde zu lüften. Mittlerweile seien die Hersteller auch dazu verpflichtet, die Menge des jeweils enthaltenen Quecksilbers auf der Verpackung anzugeben. Die in einem bis vor kurzem überall gebräuchlichen Fieberthermometer etwa sei durchschnittlich 100-fach so hoch gewesen. Übrigens: Auch in jeder schon seit mehreren Jahrzehnten gebräuchlichen Leuchtstoffröhre ist Quecksilber enthalten.

Bereits vor längerer Zeit äußerte sich Peter Kuhlow aus Parchim der SVZ gegenüber kritisch zum Thema Energiesparlampen. In Berechnungen hatte er unter anderem auch die unterschiedlichen Heizleistungen der Leuchtmittel einbezogen. Ergebnis: Unter Berücksichtigung dieses Aspektes ist ihr Nutzungsgrad bis auf die Sommerzeit nahezu identisch. Was an Strom gespart werde, müsse der Verbraucher letztlich für mehr Heizkosten ausgeben. Dass man den Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland durch den Austausch aller Glühbirnen gegen Energiesparlampen um jährlich vier Millionen Tonnen verringern könne, sei nur die halbe Wahrheit. Außerdem falle die Umweltbelastung durch die notwendige Entsorgung verbrauchter Lampen als Sondermüll oft unter den Tisch.

In der Tat schätzen Experten, dass die weitaus wenigsten unbrauchbaren Energiesparlampen zu einer Recyclingstelle gebracht werden, sondern im Hausmüll verschwinden, was wegen des Quecksilbers eine große Umweltverschmutzung darstellt. Als eine von bundesweit 1400 Sammelstellen nimmt in unserer Region der hagebaumarkt alte Lampen an.

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