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Kita Weltentdecker in Werder : Lernen, Konflikte ohne Faust zu lösen

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In einem landesweiten Pilotprojekt des Landkreises erfahren die Mädchen und Jungen aus der Kita Weltentdecker, wie man "Nein" sagt, ohne das Gegenüber zu verletzen. Und wie sich Streit ohne Gewalt lösen lässt.

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erstellt am 13.Dez.2012 | 10:27 Uhr

werder | Der Kriminalitätspräventionsrat des Landkreises hat ein landesweites Pilotprojekt angeschoben, das sich dem Thema Gewaltprävention in Kindertagesstätten widmet. Erste Einrichtung, in der es praktiziert wird, ist die Kita "Weltentdecker" in Werder.

Dessen Leiterin Yvonne Zint hatte ihren eigenen Worten zufolge eine kleine Mitteilung in der Zeitung entdeckt, die über das Vorhaben informierte. "Ich fand es sofort interessant. Um Fördermittel zu bekommen, sollte man ein Konzept einreichen", sagt sie. "Das taten wir. Das knappe, aber präzise, aussagekräftige Schreiben reichte aus, das Geld wurde schnell überwiesen. Alles lief reibungslos, was mich begeisterte."


Bei dem Projekt gehe es zum Beispiel darum, den Kindern beizubringen, nein sagen zu können, ohne das Gegenüber zu verletzen und auch auf natürliche Art und Weise zustande kommende Konflikte ohne Gewalt zu lösen - unabhängig davon, dass sie bisher noch kein Thema in Werder gewesen und ein dort eh ganz oben stehendes Ziel sei, Kinder zu schützen.

Um beizubringen, ein gutes Miteinander aufzubauen beziehungsweise ein funktionierendes schätzen zu lernen, und weil Erzieher nicht alles bewerkstelligen könnten, holte sich die Kita mit Theaterpädagogin Frauke Ditschuneit vom Landestheater Parchim eine Fachfrau ins Haus. Ihre klassische Aufgabe besteht darin, Vermittler zwischen der Einrichtung in der Kreisstadt und Schulen zu sein. Die andere Hälfte ergibt sich daraus, Laien Theaterspiel beizubringen. "Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Behinderten - alles, was es gibt", sagt sie. In an Schulen gegebenen Kursen beschäftigt sich Frauke Ditschuneit schon länger unter anderem mit dem Thema Mobbing: "Auch wegen dieser Erscheinung ist der Alltag allgemein selbst beim Nachwuchs hart geworden und wird immer härter. Es ist keine Ausnahme, sondern die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung. Noch vor 20 Jahren wäre es aus meiner Sicht nicht möglich gewesen, dass jemand von einer Schule weggeekelt wird, heute hingegen ist so etwas absolut nicht mehr unmöglich."

Je früher man deshalb dieser Entwicklung etwas entgegensetze, desto besser sei es. Durch die Pädagogin lernen die kleinen Kinder spielerisch, werden so an die Grundlagen guten Miteinanders herangeführt. Zu der Sensibilisierung durch fiktive Situationen gehört unter anderem, wie es funktioniert, sich nach einem Streit wieder zu vertragen. Geübt werden auch Kämpfe als ein wichtiges Ventil, um Bewegung freien Lauf zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei, zu erkennen, wann die Grenze vom Spiel zur Gewalt erreicht ist.

"Zu den wesentlichen Dingen gehört, Respekt zu lernen, sich gegenseitig zuzuhören und Werte zu schätzen", sagt die Pädagogin. "Wenn ich etwas gut gemacht habe, applaudieren die anderen, aber dann höre ich ihnen zu - in einer Kita schwierig zu vermitteln, aber wichtig, weil es die Grundlage der Erziehung ist." Weitere Punkte sind, zu erkennen, wie schön es ist, etwas zusammen zu machen, Freunde zu haben, sich gegenseitig zu helfen und Ideen auszuleben sowie sie zu teilen.

Die Kita in Werder bekam 600 Euro, die sechs Besuche der Theaterpädagogin in Werder ermöglichten. Jeweils über eine Stunde lang trainierte sie dort die kleinen und großen Kinder. "Um das gesetzte Ziel vollständig zu erreichen, müsste das Projekt jedoch länger dauern", meint Yvonne Zint. "Bis jetzt wurden die Kinder nur dazu gebracht, voll mitzuarbeiten. Natürlich ist das schon etwas, aber machen ließe sich viel mehr." Die Theaterpädagogin ist derselben Meinung, weil man die umfangreiche Thematik nicht bei sechs Treffen vermitteln, sondern vielfach nur anreißen könne: "Mein großer Wunsch ist, dass das Projekt zum Beispiel auf ein halbes Jahr verlängert und auf mehr Einrichtungen ausgeweitet wird, um gesichert sagen zu können, ob sich etwas verändert, unsere Arbeit sich gelohnt hat."

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