Benefizkonzert : Leichte Muse für ernsten Zweck

Das Landespolizeiorchester musizierte in der Aula der Lübzer Grundschule zugunsten eines guten Zwecks.  Fotos: monika maria degner
Das Landespolizeiorchester musizierte in der Aula der Lübzer Grundschule zugunsten eines guten Zwecks. Fotos: monika maria degner

Zum ersten Mal musizierte das Landespolizeiorchester zugunsten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

svz.de von
30. September 2017, 05:00 Uhr

„Ich hatte wirklich Bedenken, dass dieses Konzert gut besucht werden würde“, sagte Bürgermeisterin Gudrun Stein in ihrer Ansprache zu Beginn der Benefiz-Veranstaltung mit dem Landespolizeiorchester. Aber die Egerländer-Besetzung des vielgliedrigen professionellen Landesorchesters, die sich überwiegend böhmischer Volksmusik widmet, zog doch so viele Besucher in die Aula der Lübzer Grundschule, dass allgemein große Zufriedenheit herrschte. Und ein mehr als raumfüllendes Klangvolumen.

Volksmusik, Märsche und Walzer erklangen allerdings nicht nur zum Genuss des überwiegend älteren Publikums, sondern auch zur Unterstützung eines ehrwürdigen Verbands, der 2019 sein hundertjähriges Bestehen feiern wird – der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“. Häufig schon haben die musizierenden Polizisten für den VDK und den guten Zweck in die Blasinstrumente gestoßen, verriet Moderator und Waldhornist Peter Penske und fügte spaßig-kokett hinzu: „Was wäre der VDK Mecklenburg-Vorpommern ohne das Landespolizeiorchester.“

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den zieht es in die weite Welt“, das Volks- und Fahrtenlied war eines der ersten Stücke, die das sechsköpfige Orchester schmetterte. Und „in die weite Welt“ zieht es auch die Mitarbeiter des Volksbunds immer wieder, nur haben ihre Missionen zunächst gar nichts mit Unterhaltung gemein. Die Spendenorganisation VDK kümmere sich vornehmlich um die Gräber Kriegstoter im Ausland, berichtete Karsten Richter, Landesgeschäftsführer des VDK, in einer kurzen Ansprache anlässlich der feierlichen Verkündung des Abenderlöses. Unwürdige Bestattung wo auch immer außerhalb der ehemaligen Reichsgrenzen verwandelt der VDK nun schon über Jahrzehnte in würdige Formen der Einbettung. Der Erlös dieses Abends beispielsweise, so Richter, werde einem Betreuungsfriedhof südlich von Stettin zukommen. Bereits 1500 Opfer der nationalsozialistischen Außen- und Kriegspolitik sind an diesem Ort würdig bestattet worden. Aber die Arbeit, die auch nationenübergreifend von jungen Menschen aus den einst betroffenen Ländern praktisch geleistet wird, ist nicht die einzige Aufgabe, die der VDK sich heute auf die humanitären Fahnen geschrieben hat.

„Arbeit für den Frieden“ heißt die Losung des Verbands. Der Stoßseufzer, dass die Menschheit scheinbar aus der Geschichte nicht lernt, drängt nicht selten nach außen, tröstlich also, dass „Erinnerungskultur“, wie der VDK sie versteht und praktiziert, dem entgegen arbeitet. Denn VDK-Projekte für das Erinnern an die Lektionen aus der Geschichte sind zahlreich. Die nach Lübz mitgebrachten Aufsteller kündeten davon: So gibt es Projekte in Jugendbegegnungsstätten, Projektfahrten an geschichtsträchtige Orte, Spurensuche in der Regionalgeschichte und nicht zuletzt Zusammenarbeit mit Lehrern.

Letztlich diente der Benefizerlös in Lübz von 895 Euro all dem. Zusätzlich spendete die Lübzer Wohnungsgesellschaft noch 150 Euro. Auch wenn das Publikum vordergründig seinen Spaß an der Polka „Rosamunde“, an einem Walzerpotpourri oder auch einer kleinen plattdeutschen Geschichte hatte und zum Takt freudig mitklatschte – der tiefere Sinn war doch wohl gegenwärtig.

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