Öffentliche Versorgung : Lebensmittel Nummer 1 im Blick

Für möglichst hohe Produktqualität Technik auf neuestem Stand: Holger Albrecht, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Lübzer Stadtwerken, an den Außenfiltern im Wasserwerk
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Für möglichst hohe Produktqualität Technik auf neuestem Stand: Holger Albrecht, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Lübzer Stadtwerken, an den Außenfiltern im Wasserwerk

Freude: Lübzer Grundwasser frei von Pflanzenschutzmitteln und auch deshalb als sehr gut bewertet / Förderung 1000 Kubikmeter am Tag

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22. März 2016, 12:00 Uhr

Vor einigen Wochen sorgte die Meldung über die Verunreinigung des Grundwassers mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat und in der Folge unter anderem von mehreren Biersorten für Unruhe. Das Lübzer Produkt traf es nicht. Karl-Heinz Dobbertin, Geschäftsführer der für die Wasserversorgung im Raum Lübz zuständigen Stadtwerke, kann aufatmen: In seinem Arbeitsbereich ist das Lebensmittel Nummer 1 aktuellen Analysen zufolge völlig frei von Pflanzenschutzmitteln und wird auch deshalb als qualitativ sehr gut eingeschätzt. „Unabhängig davon muss man natürlich aber überall immer wieder über den Umgang mit Chemikalien nachdenken, wobei wir zum Beispiel auch die vermehrt entstehenden und belasteten Monokulturen als Problem ansehen“, sagt Dobbertin. „Die Belastung trifft dann die Falschen. Der Wasserversorger stellt die Mittel nicht her und versprüht sie und der Kunde ist der Sache ausgeliefert. Der frühere Grundsatz ,viel hilft viel’ hat sich etwas über den gestiegenen Einkaufspreis reguliert.“

Ein unabhängiges Labor beprobt das Trinkwasser einmal in jedem Monat, einmal im Jahr erfolgt eine Vollanalyse. Außerdem erscheint das Gesundheitsamt von Zeit zu Zeit unangekündigt und besichtigt zum Beispiel das Wasserwerk, um nachzuschauen, ob die Brunnen in Ordnung sind. Die aktuellste Analyse wird für jeden nachvollziehbar auf der Homepage der Stadtwerke im Internet veröffentlicht. „Sagen muss man allerdings auch, dass die Analyse-Möglichkeiten unglaublich weit vorangeschritten sind“, so der Geschäftsführer. „In den Ergebnissen tauchen heute Dinge auf, die selbst noch vor zehn Jahren überhaupt nicht möglich waren. Und auch ein Labor kann etwas nur bis zu einem gewissen Wert nachweisen. Wenn dieser zum Beispiel ein Millionstel des zulässigen groß ist, muss man die Frage nach der reellen Gefährdung angesichts der aufgenommenen Menge stellen. Aber ich bleibe dabei: Wasser ist das Lebensmittel Nummer 1, für dessen Schutz man alles tun und bei dem man vorsichtig sein muss.“

Seit 2014 gibt es den so genannten „Rohwassererlass“. Er legt fest, in welchen Abständen Wasserversorger ihr Produkt überprüfen lassen müssen. „Im vergangenen Jahr galt dies für alle Aspekte. Weil alles in Ordnung war, hat die nächste Überprüfung dieser Art erst in drei Jahren zu erfolgen“, erklärt Holger Albrecht, Abteilungsleiter Gas/Wasser. Unabhängig von allen Ergebnissen müssen bestimmte andere Werte jährlich abgelesen und gemeldet werden. Dabei gehe es hauptsächlich um das Vorhandensein von Pflanzenschutzmittelresten. „Die Untersuchungen kosten uns zusätzlich Geld, aber die rechtzeitige Erkennung von Problemen ist zu befürworten“, meint Albrecht. Vor dem Hintergrund, dass es um das wichtigste Lebensmittel gehe, seien sehr strenge Vorschriften nachvollziehbar: „Ein Mensch kann eine ganze Zeit ohne Essen, nicht aber ohne Wasser auskommen.“

In Lübz wird es aus 60 bis 80 Meter tiefen Brunnen gefördert und stammt aus dem tertiären Bereich (das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren und dauerte bis zum Beginn der Klimaveränderung vor rund 2,6 Millionen Jahren). Ein Brunnen wurde 2015 neu gebohrt, drei weitere stammen noch aus DDR-Zeiten. Einer von ihnen ist sogar 120 Meter tief. Wegen des damals subventionierten Wasserpreises habe eine Förderstelle vor der Wende höchstens zehn bis 12 Jahre gehalten, weil die Förderung früher fast rund um die Uhr gelaufen sei. Heute liege sie im Winter bei durchschnittlich nur noch vier Stunden, der Wert im Sommer erreicht noch etwa ein Fünftel. Daraus ergibt sich insgesamt eine Menge von durchschnittlich 1000 Kubikmetern ins Leitungsnetz gegebenes Wasser am Tag.

In diesem Jahr werden die Lübzer Stadtwerke 25 Jahre alt. Aus diesem Grund findet am 11. Juni auf dem Gelände des Wasserwerkes am alten Wasserturm an der B 191 ein kleines Fest statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

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