zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 14:26 Uhr

Siggelkow : Leben selbst in die Hand nehmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gemeinde Siggelkow lehnt Haltung „Bringt eh nichts“ ab, sondern setzt auf Aktivität von Einwohnern – und hat Erfolg

von
erstellt am 12.Jan.2015 | 22:26 Uhr

Am Rand des Amtes Eldenburg Lübz liegt die Gemeinde Siggelkow, in der bereits seit 1994 Angelika Lübcke Bürgermeisterin ist. „Wenn nichts dazwischenkommt, werde ich die Silberhochzeit schaffen“, sagt sie und lacht. Gute Laune, obwohl es in ihrer Kommune besonders in finanzieller Hinsicht dunkel wie in beinahe allen anderen aussieht. Der Unterschied zur allgemein üblichen Beurteilung liegt hier nach spontaner Einschätzung in einer anderen Herangehensweise: „Natürlich ist Geld wichtig, ebenso jedoch, dass sich die Bewohner wohl fühlen, was vor allem von einer funktionierenden Infrastraktur abhängt, die nicht nur von Geld abhängt. Bei uns gibt es eine Ärztin, eine Kita, einen Bäcker, einen kleinen Einkaufsladen, zwei Frisöre, eine Fußpflegepraxis und gut 50 Gewerbetreibende.“

Eigenes Engagement bilde die andere tragende Säule. Das Vereinsleben bereichern die Feuerwehr, die Landfrauen, Angler, Schützen, Reservisten, die sportlich Aktiven sowie der Kirchenförderverein in Siggelkow und Redlin. Öffentliche Räume und Plätze werden ihnen kostenfrei zur Verfügung gestellt, außerdem gibt es eine – wenn auch begrenzte – finanzielle Unterstützung. Doch damit nicht genug: Die Gemeinde bietet außerdem einen Wasserwanderrastplatz, eine Gaststätte mit großem Saal, einen Campingplatz am Blanksee sowie drei Gemeindezentren in Siggelkow selbst, Groß Pankow und Redlin. „Um sich wohl zu fühlen, muss man auch etwas angeboten bekommen“, sagt die Bürgermeisterin. „Wer aufs Land zieht, entscheidet meinen Erkenntnissen zufolge auch zu einem ganz entscheidenden Anteil nach den Angeboten.“

Absolut keine freien Spielräume mehr gebe es im sozialen Bereich. Während man bei einer Anfrage früher noch „Wir gucken mal“ oder etwas Vergleichbares habe antworten können, laute die Reaktion heute definitiv nein. Dies sei nach Meinung von Angelika Lübcke absolut nicht zufriedenstellend und die Vorgabe, die so genannten Hebesätze auf Landesdurchschnitt anzuheben, weil es sonst keine Fördermittel mehr geben könnte, habe man auch in Siggelkow als unangenehmen Zwang und daher mit einem bitteren Beigeschmack hingenommen. Seit Ende 2014 befinden sich die Sätze auf Landesniveau. „Trotzdem gilt, dass die Einwohner ihr Leben selbst in die Hand nehmen“, so die Bürgermeisterin. „Bei uns gibt es über die schon genannten Dinge hinaus in jedem Ortsteil eine Gruppe, die sich um das Aussehen ihrer Umgebung Gedanken macht und sie auch umsetzt.“

In Neuburg zum Beispiel wurde ein Platz gestaltet, in Siggelkow die Sportanlage bepflanzt und in Redlin die Skulptur „Hoffnung“ aufgestellt. „Eine tolle Sache auch für den Zuschauenden, wenn Leute die Sache selbst aktiv werden!“, sagt Angelika Lübcke. „Das kann sonst niemand für sie tun. Wir setzen ein Zeichen gegen die leider weit verbreitete Haltung ,Bringt doch eh nichts’. Trotz ohne Zweifel vorhandener negativer Beispiele gibt es sehr viele, die dies entkräften. Wir gehören dazu.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen