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17. Dezember 2017 | 20:43 Uhr

Projektrundfahrt : LEADER - wo Träume wahr werden

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"Allens bliwwt bi’n Ollen", das gilt nicht für Projekte, die die Lokale Arbeitsgruppe Warnow-Elde-Land (LAG) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt, um den ländlichen Raum zu stärken.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 05:33 Uhr

Plau Am See/Wangelin/Barkow | "Allens bliwwt bi’n Ollen", "Nix ward verännert". In altdeutschen Lettern prangen die von Dichter Fritz Reuter einst mit einem Augenzwinkern formulierten "Paragraphen" im Plauer Heimatmuseum. Wie damals mögen sie auch heut’ auf vieles zutreffen. Sicher nicht auf Projekte, die die Lokale Arbeitsgruppe Warnow-Elde-Land (LAG) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt, um den ländlichen Raum zu stärken. Seit Beginn der Förderperiode 2008 waren es 73. "Und die meisten davon sind fertig", sagte LAG-Vorsitzender Jochen Quandt bei der dritten LEADER-Rundfahrt, die jetzt bei ausgewählten Projekten Station machte.

Paradebeispiel dafür, dass Förderung große Früchte tragen kann, ist das Plauer Heimatmuseum, eine von insgesamt sechs Stationen der Rundreise. 2009 drohte das Gebäude im Reigen des Burghof- ensembles, das die Stadt zur Verfügung gestellt hatte, und in dem um die 30 engagierte Mitglieder des Plauer Heimatvereins über Jahre "ihr" Museum mit Schwerpunkt Technik des 19. Jahrhunderts aufbauten, wegen statischer Mängel gesperrt zu werden. LEADER-Förderung in Höhe von 463 000 Euro machte im ersten Bauabschnitt (2011 - 2013) zunächst die Dach- und Gemäuersanierung, einen barrierefreien Zugang und den Einbau sanitärer Anlagen möglich. Im zweiten Bauabschnitt, der noch in diesem Jahr beginnen wird, sollen im Obergeschoss ein zusätzlicher Raum für weitere bereits vorhandene Ausstellungsobjekte, ein Seminarraum und eine Werkstatt zur Aufarbeitung der Ausstellungsgegenstände geschaffen sowie ein Fahrstuhl eingebaut werden. Auch dafür steht die LAG ein, stellt LEADER-Mittel in Höhe von 311 000 Euro bereit. Ostern 2014 sollen die verbaut sein. Das zumindest ist das ehrgeizige Ziel.

Heimatverein macht Geschichte zum Erfolgsmodell

"Was mich an diesem Projekt am meisten fasziniert", gestand LAG-Vorsitzender Jochen Quandt, "ist das enorme ehrenamtliche Engagement." Gern hätte er daheim - Quandt ist Bürgermeister der Stadt Sternberg - gleiches initiiert: "Leider habe ich bisher keine Ehrenamtlichen gefunden."

Plau am See tickt diesbezüglich vielleicht wirklich anders. "Obwohl", gestand Dieter Ehrke - er hatte mit seinem Freund Dieter Froh vor 23 Jahren den Grundstein für das inzwischen längst zum musealen Geheimtipp gewordene Erfolgsmodell gelegt - "diese Entwicklung hätten wir uns damals in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt."

Kühn waren auch die Träume der Macher im Wangeliner Garten. Seit zehn Jahren präsentiert der Garten seinen Besuchern sehr erfolgreich Wissen über die Pflanzenwelt der letzten Jahrhunderte. Um dieses Wissen vor allem Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, entsteht auf dem Gelände ein phantasievoller Ort für nachhaltige Entwicklung. Wohnen, Bauen, Ernähren, Kultur und Umwelt sind Lebensbereiche, die im Rahmen des Projektes "MORGENland" nachhaltig geplant, gebaut und gestaltet werden. Kinder und Jugendliche können hier zusammen mit Fachleuten und Pädagogen in Projektwochen, Workcamps, Ferienfreizeiten und Seminaren Visionen für eine lebenswerte Zukunft erarbeiten und erlebbar machen. In zwei Bauabschnitten erfolgt seit 2009 die Errichtung von Unterkünften, Sanitäranlagen, eines Seminarraums und Cafés. Die Gebäude werden in Strohballenbauweise errichtet.

Über "MORGENland", dem jetzt laufenden Projekt, haben FAL-Geschäftsführer Klaus Hirrich (Verein zu Förderung angemessener Lebensverhältnisse) und Buchbergs Bürgermeister Paul Schulz längst graue Haare bekommen. Nicht etwa, weil es an Förderung mangelte. Nein, im ersten Bauabschnitt (2009 - 2012) flossen in das LEADER-Projekt etwa 155 000 Euro, im zweiten werden es bis 2014 etwa 326 000 Euro sein. "Es war uns nicht gelungen, vor Baubeginn alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen", sagt Hirrich. So besah sich der Prüfstatiker das Wohnhaus - eine Konstruktion aus fünf lasttragenden Strohballentonnen, die in Mecklenburg-Vorpommern einmalig und ein Beispiel für kostengünstiges Bauen ist - erst, als es gebaut war. Ein Jahr Bauverzug, jede Menge Erschwernisse und Zusatzkosten sind die Folge. Bevor der III. Bauabschnitt - "Blick in die Zukunft" - folgen wird, soll der zweite beendet werden. "Und dafür brauchen wir noch Geld", sagte Hirrich unumwunden und überreichte LAG-Vorsitzendem Jochen Quandt zwei Antragsmappen.

Von erfüllten Träumen und nicht so schlimmen Schulden

Solche Sorgen kennt man beim "Posaunenwerk Mecklenburg-Vorpommern" in Barkow nicht. Hier hatten LEADER-Mittel den Um- und Ausbau der ehemaligen Pfarrscheune zum ganzjährig beheizbaren Bläserzentrum mit großem Proberaum, einer Schallschutzisolierung und Sanitäreinrichtungen ermöglicht. Gruppenarbeit - für die 1300 Bläserinnen und Bläser in 105 Posaunenchören im Land - funktioniert so seit Frühjahr dieses Jahr es unter optimalen Bedingungen.

Ohne die notwendigen Eigenmittel wäre dieses Projekt jedoch undenkbar gewesen. Wie die Barkower sie auftrieben, erzählte Claudia Huss den Mitgliedern der Aktionsgruppe auf die ihr eigene, sehr charmante Art: Bis 2006 habe man für die Kirche geblasen, die 2004 bis 2006 saniert worden war, danach dann für die eigene Sache. Bis zum Stichtag, an dem von der Durchfinanzierung des Projektes die Bewilligung der LEADER-Mittel abhing, waren so 70 000 Euro in der "Blechdose" zusammengekommen. "So schwer war das gar nicht", sagt Claudia Huss. "Wenn wir auf Konzertreise waren, nahmen wir keinen Eintritt, aber wir haben unserem Publikum jedes Mal von unserem Traum erzählt, endlich unsere Scheune umbauen zu können." Obwohl viele Spenden gaben, blieb ein Defizit, und so riefen die Barkower Bläser zwischen München und Ostsee an und baten diese um Unterstützung. Auch die kam, überwiegend von Pastoren im Ruhestand aus Mecklenburg. "Trotzdem fehlen uns immer noch etwa 20 000 Euro", sagt Claudia Huss, aber sie weiß, dass das Posaunenwerk mit den 1300 Bläsern im Land auch dieses Geld auftreiben wird: "Früher haben wir bei Konzerten gesagt ,wir haben eine Vision’. Heute sagen wir ,wir haben noch ein paar Schulden’..."

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