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Elternprotest gegen Einschulungsuntersuchungen : Lange Wege für Vorschulkinder

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Der Entschluss, vorschulische Untersuchungen nicht mehr vor Ort, sondern zentriert in Parchim durchzuführen, hat unter der Elternschaft der Vorschulkinder im Einzugsbereich der Seestadt Plau für Aufregung gesorgt.

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2012 | 09:24 Uhr

Plau am See | Irina Tast ist aufgebracht. "Das geht alles auf Kosten der Eltern", sagt die Plauerin. Der Entschluss der Kreisverwaltung, vorschulische Untersuchungen künftig nicht mehr vor Ort, sondern zentriert in Parchim durchzuführen, ärgert sie und hat unter der Elternschaft der Vorschulkinder im Einzugsbereich der Seestadt für Aufregung gesorgt.

Hintergrund: Vor der Einschulung müssen Eltern ihre Kinder sowohl bei der Grundschule als auch bei der Schulärztin vorzustellen. "Bislang haben die Untersuchungen immer hier in Plau stattgefunden", sagt Tast. Warum das nun nicht mehr gehen soll, kann sie nicht nachvollziehen. Sie ist selbst Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, weiß, welchen Zeitaufwand Untersuchungen auch vor Ort für berufstätige Eltern bedeuten.

Schließlich sind die Untersuchungstermine immer auf gängige Arbeitszeiten verlegt worden. Dass nun aber noch von den Eltern abverlangt wird, ihre Kinder nach Parchim zu bringen, sei eine Frechheit, moniert die Mutter. Eltern müssten so nicht nur viel Zeit - eventuell gar einen Urlaubstag - , sondern auch Fahrtkosten aufbringen. Betroffen seien um die 40 Vorschulkinder der Kita Villa Kunterbunt, die ab kommendem Schuljahr die Plauer Grundschule besuchen sollen. Mit einem Schreiben haben die betroffenen Eltern den Landkreis auf das Problem aufmerksam gemacht und um Abhilfe gebeten. Eine Antwort habe es bis heute nicht gegeben, sagt Tast. Die ersten Eltern haben bereits den Weg nach Parchim antreten müssen.

Grund für die Regelung sei die mangelnde ärztliche Besetzung im Gesundheitsamt, sagt die Fachdienstleiterin für Gesundheit beim Landkreis Ludwigslust-Parchim, Vera Schwartz auf SVZ-Anfrage. "Für die umfangreichen Aufgaben im Kinder- und jugendärztlichen Dienst steht seit Jahren nur eine Fachärztin im Bereich des ehemaligen Kreises Parchim zur Verfügung. Trotz bundesweiter Ausschreibungen ist es bisher nicht gelungen, die Arztstelle zu besetzen", sagt Schwartz. Aus diesem Grund übernehme die Amtsleiterin ausnahmsweise Aufgaben im Kinder- und jugendärztlichen Bereich, um eine annähernd zeitgerechte Abarbeitung der Einschulungsuntersuchungen gewährleisten zu können. Dies bedeute bei einer tageweisen Außendiensttätigkeit in den Grundschulen eine erhebliche Mehrbelastung, da alle anderen Aufgaben im Gesundheitsamt uneingeschränkt weiter geführt werden müssen. "Um eine Erreichbarkeit der Amtsleiterin für andere dienstliche Angelegenheiten im Fachdienst zu ermöglichen, wurde die Entscheidung getroffen, Einschuluntersuchungen auch für andere Grundschulen als aus der Stadt Parchim im Gesundheitsamt durchzuführen. Ebenso wie die Reihenfolge der Einschuluntersuchungen für die verschiedenen Grundschulen ist es eher zufällig und nicht wertend, in welcher Schule nicht mehr vor Ort untersucht wird", versichert Vera Schwartz. Solange sich die personelle Besetzung mit Ärzten nicht verändere, werden auch für andere Grundschulen die Einschuluntersuchungen nicht immer im Schulort durchgeführt werden können, so die Fachdienstleiterin.

Die Reaktion betroffener Eltern könne sie nachvollziehen, bittet aber um Verständnis. "Wir werden mit den Eltern sicher einen Termin finden, an dem die Untersuchung möglich sein wird. Dazu werden wir gern individuelle Absprachen treffen. Die Einschulungsuntersuchung ist laut Schulgesetz eine Pflichtuntersuchung, das Ergebnis wird von der Grundschule für die Entscheidung zur Einschulung benötigt. Es handelt sich um einen einmaligen Termin, der im Leben des künftigen Einschülers auch ein besonderer Tag sein sollte, an dem die ganze Aufmerksamkeit dem Kind gehört", so Schwartz.

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