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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. September 2017 | 23:10 Uhr

Die zeit läuft : Landwirte hoffen auf Sonnentage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Dennoch bleiben die Bauern in der Region optimistisch

von
erstellt am 14.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Tief Xavier hat sich erst einmal vom Acker gemacht. Wortwörtlich. Die Landwirte in der Region hoffen und bangen zugleich. Wie wird das Wetter in den kommenden Tagen und Wochen? Auch Siegfried Schwager, Geschäftsführer der Karbower Agrargenossenschaft, schaut immer wieder gen Himmel – und auf seine Wetter-App. „Wir bräuchten jetzt eine längere Trockenphase, um die Gerste vom Feld zu bekommen“, erklärt Siegfried Schwager. In den vergangenen Wochen war es allerdings ein Wechselspiel – erst Regen, dann Sonne und dann wieder Regen; ein ständiges Auf und Ab. Anfang Juli dann ein wenig Erleichterung, der Betrieb konnte mit der Ernte der Wintergerste starten. Doch dann kamen wieder starke Niederschläge. Das Ausmaß wurde vor allem in der Milchviehanlage der Genossenschaft sichtbar. „Mehr als 120 Liter pro Quadratmeter haben wir gemessen. Unser Regenmesser ist einmal übergelaufen“, erzählt Siegfried Schwager. Guter Dinge ist der Geschäftsführer dennoch.

Jammern will auch Frank Piehl nicht, der Vorsitzende des Bauernverbandes Parchim. „Beim Weizen sehen wir derzeit noch keine großen Probleme. Doch der Boden ist durch die vielen Regenfälle immer schlechter zu befahren“, verdeutlicht der Landwirt. Auf Dauer aber leidet auch die Qualität des Getreides. „Wenn wir jetzt dreschen, dann auf jeden Fall feuchter“, erläutert Siegfried Schwager. Das treibt die Kosten für den Karbower Betrieb in die Höhe. „Gerste darf nur 14,5 Prozent Feuchtigkeit haben. Liegen wir drüber, muss der Abnehmer das Getreide trocknen und das kostet uns mehr Geld.“ Die Getreidepreise liegen derzeit knapp über dem Niveau vom Vorjahr. „Dennoch ist es nur knapp kostendeckend“, erzählt Siegfried Schwager.

Mit Starkregen und vor allem auch Hagel müssen Landwirte wohl in Zukunft immer wieder rechnen. Das befürchtet zumindest Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Das sind die ersten Anzeichen der Erderwärmung. Auch in Deutschland ist es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen schon um über ein Grad Celsius wärmer geworden. Das fördert die Entstehung extremer Wetterereignisse“, verdeutlicht Prof. Dr. Mojib Latif auf SVZ-Nachfrage. Zu solchen Extremen komme es immer dann, wenn „in wärmerer Luft mehr Energie in Form von Wasserdampf vorhanden ist. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Starkniederschlag und Hagel“, erklärt der Experte.

Nach starken Regenfällen startet Siegfried Schwager seine Rundtour, schaut sich seine Felder genau an. Eines fällt ihm in diesem Jahr besonders auf. „Wir haben auf den Feldern viel mehr Unkräuter und Ungräser, aber auch Fremdgetreide. Und der Pilzbefall ist größer als in anderen Jahren“, so der Karbower. Vor allem an den Blättern seines Getreides erkennt der Landwirt den Übeltäter. „Auf dem Blatt bei der Gerste haben wir viel mehr Netzflecken als sonst und beim Weizen Septoria“ (Schlauchpilzgattung; Septoria tritici, Erreger der Blattdürre; Anm. d. Red.). Nun hofft der Karbower auf eine längere Trockenphase zum Dreschen. Ein wenig aufatmen können die Landwirte wohl aber erst in der kommenden Woche. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt derzeit sommerliches Wetter voraus mit 24 bis 29 Grad, 14 bis 15 Stunden Sonne und nur zehn Prozent Regenwahrscheinlichkeit.

 

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