Tag des offenen Denkmals : Landesweite Ehre für Benzin

Die Stein-Rohlinge wurden in den Ringofen eingestapelt und 24 Stunden lang gebrannt. Fotos: Ziegelei Benzin/Ilja Baatz
1 von 3
Die Stein-Rohlinge wurden in den Ringofen eingestapelt und 24 Stunden lang gebrannt. Fotos: Ziegelei Benzin/Ilja Baatz

Am Sonntag Eröffnungsveranstaltung für „Tag des offenen Denkmals“ in historischer Ziegelei mit freiem Eintritt, Handwerkermarkt und Führungen

von
09. September 2015, 18:00 Uhr

Ehre für die Ziegelei Benzin:  Am kommenden Sonntag, 13. September, findet in ihr die landesweite Eröffnungsveranstaltung am „Tag des offenen Denkmals“ statt. Nach dem inoffiziellen Festakt ist sie ab 13 Uhr für alle Besucher offen. Niemand muss an diesem Tag Eintritt bezahlen, es gibt Führungen, einen historischen Handwerkermarkt und Rundfahrten mit der Lorenbahn. Bei gutem Wetter soll zudem ein Feldbrandofen – ein Meiler – gezündet werden. Er zeigt, wie Steine vor dem Bau von Ziegeleien hergestellt wurden.

Zum vorherigen Festakt werden unter anderem Mathias Brodkorb, Landesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sowie Dr. Reno Stutz aus Rostock erwartet. Thema seines Vortrages: „Technische Denkmäler zwischen Tradition und Innovation“. Gegen Mittag wird der Minister den Friedrich-Lisch-Denkmalpreis für besonderes Engagement in der Denkmalpflege und den „Denk mal!“-Preis des Landes für Kinder und Jugendliche verleihen. Für die festliche Umrahmung sorgen die Kammermusikgruppe Lübz unter der Leitung von Sigrun Haß und das Blechbläser-Quartett des Elde-Blasorchesters Parchim-Lübz.

Ingeborg Dieterich, Vorsitzende des Vereins Technisches Denkmal  Ziegelei Benzin e.V., ist begeistert: „Es ist sehr schön, wenn man mit seiner Arbeit wahrgenommen wird. Wir hatten Glück, dass hier über Jahrzehnte alles original erhalten geblieben ist. Was den Menschen wegen der alten Technik und damit verbundenen großen Anstrengungen seinerzeit das Leben schwer gemacht hat, ist heute ein Glücksfall.“ Bereits im Frühjahr habe das Land bei Ziegelei-Eigentümer Ernst Englaender angefragt, ob er das Denkmal als Austragungsort zur Verfügung stellen würde.

Die 1907 errichtete Fabrikation war eine zu ihrer Zeit hochmoderne Anlage, berichtet Ingeborg Dieterich: „Vorher war alles reine Manufaktur. Der über Jahrtausende entstandene Ton wurde mühsam gestochen, gewässert, mit den Füßen, später auch Pferden geknetet, zum Streichtisch gebracht und in eine Form gefüllt.“

Dann legte man die Rohlinge für mehrere Wochen zum Trocknen unter anderem auf Wiesen ab, weshalb sich auf ihnen öfter auch Abdrücke von Tieren fanden. In Benzin ist unter anderem einer zu sehen, auf dem sich ein Wolf verewigt hat. „Anschließend wurden die Steine im Freien mit Zügen als Ofen aufgebaut und so oder in einem feststehenden Gemäuer gebrannt“, erläutert die Vereinsvorsitzende. „Diese Vorgehensweise hatte jedoch große Mängel. Wegen der großen Temperaturunterschiede zwischen Innerem und Äußerem gerade im Freien war die Qualität der Steine oft schlecht.“

Eine gute Steuerung gelang mit der Einführung des in Benzin zu sehenden Ringofens mit insgesamt 16 Kammern. Bis zur Schließung 1990 wurde jeden Tag eine mit Rohlingen bestückt und eine andere mit fertigen Steinen beräumt – jeweils zwischen 4000 und 5000 Stück. Bis auf den Brand selbst war die Anlage in den 1940-Jahren fast komplett industrialisiert. Das betrifft auch den mühsamen Tonabbau, den ein am Sonntag ebenfalls zu sehender Eimerkettenbagger übernommen hatte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen