Südbahn-Kampf : Landes-SPD verärgert ihre Basis

Ein Schriftzug, der auch in Lübz schon bald voraussichtlich nicht mehr zu lesen sein wird
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Ein Schriftzug, der auch in Lübz schon bald voraussichtlich nicht mehr zu lesen sein wird

Scharfe Worte auf jüngster Demonstration der Bürgerinitiative „ProSchiene“ / Heute entscheidende Sitzung des Kreisausschusses

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30. November 2014, 22:00 Uhr

Die künftige kombinierte Bus-/Bahnlösung im Bereich Lübz/Plau am See ist intelligent – offen so geäußerte Meinung von Jochen Schulte, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion (wir berichteten). Sie brachte das Fass bei Dieter Düwel, langjähriges SPD-Mitglied und Stadtvertreter für seine Partei in Lübz, zum Überlaufen. „Was für ein Hohn! Bei solchen Worten kann ich mich nicht mehr zurückhalten“, sagte er auf der jüngsten Demonstration der Bürgerini-tiative (BI) „ProSchiene“ am Freitagabend auf dem Lübzer Bahnhof. „Kennt Herr Schulte das Projekt überhaupt wirklich, weiß er, was daran hängt?“ Während Düwels Ausbildung hätten noch in den 60er-Jahren bei Waren keine Schienen mehr gelegen, weil sie als Reparationsleistung in die Sowjetunion gegeben worden waren, so dass er auf dem Weg nach Hause dort übernachten musste. Das sei lange vergessen, die Verbindung wegen ihrer Durchgängigkeit heute gerade auch für Touristen wichtig. Die folgende Äußerung des Sozialdemokraten wurde mit Beifall und Bravo-Rufen von Besuchern bedacht: „Wenn bei der nächsten Wahl Namen wie Sellering, Pegel oder Schulte auftauchen, werde ich meine Kreuze nicht bei der SPD machen können!“

Schärfe ließ auch der Redebeitrag von Gerd Holger Golisz, unter anderem Kreistagsabgeordneter und Amtsleiter im Amt Eldenburg-Lübz, nicht vermissen. Seiner Meinung nach ziehe sich die Landesregierung beim Thema Südbahn aus der Verantwortung. Er hätte sich gewünscht, dass sie einlenkt. „Seit mehr als einem Jahr ist die Bahn Thema im Kreistag, Kreisausschuss und Regionalen Planungsverband. Wir führen einen konstruktiven Streit, was auch in Ordnung ist, denn es geht hier um viel Geld“, sagt Golisz. Keine zwei Meinungen dürfe es jedoch bei der Auffassung über die einzufordernde Arbeit des Landes geben. Jeder müsse erkennen, dass es sich bei der Südbahn um ein sehr wichtiges Infrastrukturelement unserer Region handelt.

Wie schon kurz berichtet, wird sich heute Abend auch noch einmal der Kreisausschuss mit dem Fortbetrieb der Bahnlinie nach dem 15. Dezember beschäftigen – eine Sitzung, von der sehr viel abhänge, wie Clemens Russell, Sprecher der BI, sagt. Das stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagende Gremium bilden der Landrat als Vorsitzender und ehrenamtlich arbeitende Beigeordnete – zum Beispiel auch Gerd Holger Golisz. Unter anderem bereitet der Ausschuss die Grundlagen für die im Kreistag gefassten Beschlüsse vor. Die BI hat den Landkreis aufgefordert, die Trägerschaft für die Südbahn zu übernehmen. Auf dem Tisch liegt ein Angebot der „Hanseatischen Eisenbahngesellschaft“, demzufolge sie den Bahnbetrieb zwischen Parchim und Malchow ab dem 15. Dezember zu dem Preis absichern würde, wie er für den Bus veranschlagt ist. „Bei einigen gibt es begründete Bauchschmerzen“, sagt Russell. „Es wird dann 45 Prozent weniger geboten als bisher. Kein Mercedes-Angebot, nicht mehr die von uns geschätzte ODEG, sondern andere Fahrzeuge, aber die Südbahn würde bleiben. Auch deshalb und weil schon sehr viel Energie in den Kampf um den Erhalt geflossen sei, spreche sich die BI für das Angebot aus und schlucke „eine gewisse Kröte“. Auch Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein, die ihre Stadt von einer Bahn-Schließung mit am meisten negativ betroffen sieht und das Vorgehen des Landes als oft verletzend und „nicht zu fassen“ beurteilt, unterstützt den Kampf weiter. „Die Messen sind noch nicht gesungen. Ob Notlösung oder nicht: Die Schienen bleiben liegen und bilden eine Eisenbahn, die erhalten bleiben muss“ sagt sie. Eine leicht gegenteilige Stimmung war in einer Diskussion auf der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Bau- und Ordnungsausschusses in Lübz aufgekommen. Gerd Vorhauer als Vorsitzender erstgenannten Gremiums hatte beantragt, das Thema zusätzlich in die Tagesordnung aufzunehmen.

Russell setzt nach eigenen Worten auf die positive Entscheidung des Kreisausschusses. Weil man es mit „zähen Gegnern“ zu tun habe, sei die weitere Unterstützung aus der Bevölkerung unverzichtbar. Die Zerschlagung der Bahn habe das Land „mit Rafinesse vorbereitet“.

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