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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. Oktober 2017 | 19:43 Uhr

Parchim : Land lässt Sozialarbeiter abblitzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Club am Südring leidet unter akutem Personalmangel / Fördermittel des Europäischen Sozialfonds konnten nicht genutzt werden

„Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“ klagte Karin Gruhlke in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. „Ich bin kurz davor, das Handtuch zu werfen“, zeigte sich die Koordinatorin des Jugend- und Familienzentrums „Club am Südring“ genervt. Das Clubleben leide an akutem Personalmangel. „Wir finden für die freie Stelle eines Sozialarbeiters keinen Bewerber, auf den die Kriterien des LAGuS, des Landesamts Gesundheit und Soziales passen.“

Deshalb sei sich der Club mit dem Landkreis darüber einig geworden, die Vakanz mit einer Honorarkraft überbrücken zu wollen. Doch das LAGuS zweifle deren Qualifikation an. „Das Jugendamt blieb auf den Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds sitzen.“ Auch als sich eine gestandene Diplom-Lehrerin für die Sozialarbeit im Clubhaus am Südring bewarb, wurde sie laut Karin Gruhlke vom Landesamt als nicht tauglich erachtet. „Wir leben zwischen Baum und Borke“, klagte die Club-Koordinatorin, die seit 25 Jahren für den Club brennt. Außerdem beklagt sie, dass die Sozialarbeiter aus dem ESF-Programm nur Anstellungsverträge für maximal ein Jahr erhalten. „Wo bleibt da der vorausschauende Verstand“, schimpfte sie im Jugendhilfeausschuss über diese „Schleudersitzpolitik.

Eberhard Messmann vom MV-Sozialministerium wies darauf hin, dass dem Landkreis Förderbescheide über einen Zeitraum von drei Jahren zugehen. „Wenn der Landkreis daraus einjährige Bescheide macht, ist das nicht unser Problem“, betonte der Leiter des Referats ESF-Fondsverwaltung. Claus Wergin vom Sozialministerium betonte, dass es bei der Bewilligung von ESF-Fördermitteln ungemein auf die Qualifikation der Bewerber ankomme. „Es zählen sowohl die grundlegende Ausbildung als auch weiterführende Qualifikationsschritte.“ Hilfreich für Bewerber auf den Posten eines Sozialarbeiters sei auch, ob einschlägige Tätigkeitserfahrungen in Bereichen der Jugendhilfe von mindestens einem Jahr vorgewiesen werden könnten. „Nicht jeder Lehrer ist automatisch eine Fachkraft für Sozialarbeit“, stellte der Referatsleiter fest. „Deshalb lohnt es sich, genau hinzugucken.“ Zwischen dem „Club am Südring“ und dem Sozialministerium wurde am Rande des Ausschusssitzung eine erneute Gesprächsrunde vereinbart.  

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