Lässige Surf-Session mit Adrenalin-Kick

<strong>Anprobe:</strong> Die Surfschüler bekommen ihre Neoprenanzüge.
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Anprobe: Die Surfschüler bekommen ihre Neoprenanzüge.

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18. Juli 2012, 06:40 Uhr

Plau am See | Der Wind wirbelt durch das Schilf hinauf zur Wiese. Er fängt sich im türkisen Segel, das im Gras auf seinen nächsten Einsatz wartet. Peter Reich blickt auf den Plauer See. Perfektes Wetter zum Surfen. Jede Brise verheißt Adrenalin, den nächsten Kick. Doch der Ritt über das Wasser muss warten. Heute haben seine Schüler Vorrang. Peter erklärt einer Gruppe Urlauber die Grundlagen des Surfens.

Er unterrichtet an der Surfschule in Quetzin. Die gehört Holger Brümmer, der hier seit Mitte der 90er-Jahre Urlauber und Einheimische fit für den Wassersport macht. Die Schule liegt gleich hinter seinem Elternhaus, nur einen Steinwurf vom Plauer See entfernt. Innerhalb von drei Tagen können Surfschüler hier den international anerkannten VDWS-Schein machen. "Mit dem kann man sich dann überall ein Surfbrett und Zubehör ausleihen", sagt Holger. Wassersport-Fans erhalten bei dem Plauer nicht nur das nötige Rüstzeug. Er weckt ihre Begeisterung.

Gebräunter Teint, die Haare in sonnengebleichtem Blond, die Holzperlenkette um den Hals - schon rein optisch ist Holger der Surfer-Typ. Lässig lehnt er an der Couch auf seiner Veranda und schaut dem Surfkurs beim Training zu. Auf dem Wasser aber, da packt ihn das Adrenalin. "Ich bin sehr enthusiastisch", sagt er und lacht. Von diesem Lebensgefühl - der Freiheit auf dem Board - möchten er und Peter Surf-Aspiranten etwas abgeben. Doch zunächst müssen die Handgriffe sitzen. Dafür braucht es Übung. "Beim Surfen drückt man nicht auf den Knopf und dann geht’s los", sagt Holger.

Was es braucht, um den perfekten Ritt über den See hinzulegen, das weiß Peter. Vorliek, Mastfuß, Gabelbaum - der Surflehrer macht seine Schüler stückweise mit dem Material vertraut. Dann soll der Nachwuchs selber ran. Trockenübungen auf der Wiese. Ran ans Segel, rauf auf’s Übungsbrett. "Sind wir klein, bekommen wir ein kleines Segel", sagt Peter, grinst verschmitzt und teilt zwei Mädchen ihre Surf-Ausrüstung zu. Mit Übungsbrett und Segel machen die Schüler ihren ersten Surferfahrungen. Mastfuß und Brett werden verbunden. Peter zeigt, wie es geht. Er stellt sich auf das Brett und greift zum schwarz-roten Seil am Fuß des Segels. "Das ist die Aufholleine. Damit ziehen wir das Segel aus dem Wasser", sagt Peter, zieht das Segel zu sich heran und greift zum Gabelbaum. Die Schüler verfolgen jeden Schritt. Jetzt sollen sie es selbst versuchen. Auf die richtige Position kommt es an, sagt Peter. "Der Wind kommt von hinten und pustet über mich. Und der Mast muss zwischen die Füße", erklärt er. Zwei Jungs kämpfen mit Rigg und Wind, der unablässig in das Segel drückt. Krampfhaft versuchen sie, gegenzusteuern. "Ihr müsst die Arme dabei immer lang lassen", erklärt Peter. Auf dem Wasser voran kommt man so aber noch nicht. Zum Losfahren müssen die Füße hinter den Mast. "Dann ziehen wir unser Segel in eine aufrechte Position, so dass wir durch das Segelfenster gucken können", sagt Peter. Der Surflehrer macht’s vor, seine Schüler mach’s nach. Die Grundpositionen sitzen.

Der Wind frischt auf, es geht auf’s Wasser. Doch vorher heißt es: Kleiderwechsel. Auf der Veranda reihen sich Neoprenanzüge in verschiedenen Größen auf Kleiderstangen. Peter und Holger verteilen sie an die Schüler. Die Anzüge sollen sie schützen - vor Verletzungen, vor der Sonne. Die scheint zwar nicht, doch man weiß ja nie. "Chef, reicht die 54 für unseren Großen", ruft Peter. Holger hält dem Surfschüler den schwarzen Anzug an und mustert ihn prüfend. "Ich würd sagen, er ist eine 52. Der stretcht schon ganz schön", sagt Holger und reicht dem Mann den Anzug. Der Surfernachwuchs eilt in die Umkleide. Peter und Holger gönnen sich derweil einen Schluck Kaffee auf den Sofas der Veranda. Sie lassen den Blick über den See schweifen. "Das Revier ist perfekt - vor allem für Anfänger", sagt Holger. "Ich hab hier paradiesische Bedingungen." Das Paradies zeigt den Surfern heute die kalte Schulter. Die Sonne verbirgt sich hinter dichten Wolken. Doch der Wind stimmt.

Dennoch: Das Herz der beiden Surfer, das schlägt für andere Orte. In den Wintermonaten zieht es Holger und Peter in wärmere Gefilde - zu den Top-Spots der Wassersportszene. Während Peter vor den Küsten Marokkos surft, hat Holger in Sri Lanka eine zweite Heimat gefunden. Hier dreht sich alles um seine große Leidenschaft: "Ich fahr ganz gut Monoski. Und ich bin ein Wasserski-Slalom-Freak", sagt Holger. Der Rausch der Geschwindigkeit mischt sich mit Freiheitsgefühl. Das fesselt ihn. "Du stehst auf einem Ski, hältst dich an einem Seil fest und es geht ab wie eine Rakete." Holgers Augen blitzen, wenn er davon spricht. Und von Sri Lanka. "Ich hab dort meinen Dreamspot für mich entdeckt. Das ist der Tag- und Nachtraum eines jeden Wassersportlers", schwärmt der Plauer. Glattes Wasser in der Bucht, Wind und Wellen nur wenige Meter weiter - hier kommt der Wassersportler voll auf seine Kosten. Und hier macht er aus Touristen High-Speed-Cracks. Er unterrichtet in seinem eigenen Camp. Jetzt im Sommer aber, da hat Holger in Sri Lanka wenig Kundschaft. Die Wassersportler nutzen die Angebote in ihren Heimatländern. Deshalb zieht es auch Holger in den Sommermonaten zurück nach Hause. "Man ist ja auch ein bisschen patriotisch", sagt er und grinst. Hier in Plau liegen die Wurzeln seiner Liebe zum Wassersport. Eine Liebe, die Holger gern teilt. 1995 begann er, anderen Surfen und Wasserski beizubringen. Geplant war das allerdings nicht. "Erst war es nur ein Ferienjob. Es sollte nur zur Überbrückung bis zum Studium sein", sagt Holger. Doch es kam anders. "Dann kam der Winter und statt zu studieren wollt ich dann doch lieber an die Dreamspots dieser Welt", sagt Holger. "Dort, wo die richtig guten Jungs trainieren, wollt ich auch fahren", sagt er. Seither hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen.

Die Surfschüler machen sich auf den Weg zum Wasser. Vom Steg lassen sie Segel und Boards in den See gleiten. Einige wagen die erste Standprobe auf den Brettern. "Yeah, da wird schon voll gesurft", sagt Peter und lacht. Mit einem Satz vom Steg ist auch er im See. Die Gruppe schiebt die Bretter durch das hüfthohe Wasser. Wie man richtig auf das Brett kommt, das Segel aufnimmt und surft - das zeigt Peter seinen Schützlingen Schritt für Schritt. Soviel Einfühlungsvermögen zeigt Wirkung: schon nach wenigen Minuten surfen die Ersten im Alleingang. Immer wieder üben die Surfer die Bewegungsabläufe ein, lassen sich auch von Stürzen ins Wasser nicht abschrecken. Die Fahrt ist zwar noch holprig, aber immerhin: ein Anfang ist gemacht.

Die ersten Erfolge besiegeln das Ende der Schnupperstunde. "Wer von euch will denn gleich weiter machen?", fragt Holger in die Runde. Fast alle Arme gehen nach oben. Sie werden in den kommenden drei Tagen ihre Fähigkeiten auf dem See optimieren. Doch das ist erst der Auftakt. "Nach dem Kurs fängt das Surfen erst an. Man hat sein Handwerkszeug und startet durch", sagt Holger. Die wichtigste Voraussetzung liefert der Surfkurs: den Enthusiasmus für den Wassersport. "Wir stecken die Leute gern mit dem Surfbazillus an", sagt Holger und lacht. Einmal infiziert, wird das Surf-Fieber zur lebenslangen Leidenschaft. "Für viele bleibt es ein Urlaubssport. Aber wir haben unser Leben dem Wassersport verschrieben", sagt Holger. Wasserski und Surfboard - für Peter und Holger sind es die Bretter, die die Welt bedeuten. Den Adrenalin-Kick gibt es inklusive.

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