vernissage in kuwalk : Kuwalkade geht auf Polenreise

Götz Schallenberg begründete mit der Kuwalkade eine Festivalreihe, die mindestens 15 Jahre eine rege besuchte Anlaufstelle für künstlerische Aktivitäten wie Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen war.
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Götz Schallenberg begründete mit der Kuwalkade eine Festivalreihe, die mindestens 15 Jahre eine rege besuchte Anlaufstelle für künstlerische Aktivitäten wie Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen war.

Zurück zu den Ursprüngen: Götz Schallenberg zeigt heute um 15 Uhr Werke, die vor vielen Jahren in Polen entstanden sind

svz.de von
06. August 2016, 12:00 Uhr

Der Maler und Grafiker Götz Schallenberg veranstaltet am heutigen Sonnabend ab 15 Uhr im Künstlerhof des einzigen Gebäudes im Marienfließer Ortsteil Kuwalk mit der Ausstellung „50 Jahre Polenreise“ wieder eine kleine Ausgabe der beliebten „Kuwalkade“. Als ironische Anspielung auf die Olympiade oder Spartakiade war diese Festivalreihe mindestens 15 Jahre eine rege besuchte Anlaufstelle für künstlerische Aktivitäten wie Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen. Ab 2012 wollte Schallenberg dann aus gesundheitlichen Gründen eigentlich kürzer treten und sich die organisatorischen Arbeiten nicht mehr zumuten. Doch als vor einem Jahr unverhofft seine Frau Sibylle verstarb, verspürte er neuen Schaffensdrang. „Sonst droht die Einsamkeit einen verrückt zu machen.“

Mit dem Titel der diesjährigen Kuwalkade kehrt Schallenberg an seine Ursprünge zurück. „Nach Polen reiste ich 1966 als Student. Zurück kam ich als Künstler.“ Schallenberg studierte Kunsterziehung und Geschichte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Kulissenmaler. Dem von den damaligen Kunstverantwortlichen in der DDR eingeforderten sozialistischen Realismus entzog er sich durch private Porträt-Aufträge. „Die lebhafte und progressive Kunstszene in Polen hat mich wegweisend geprägt und verfehlte ihre Wirkung nicht.“ Nach seiner Rückkehr schockte Schallenberg als Bestandteil seines Examens seine Lehrer mit wuchtigen Massenszenen unbekleideter Menschen. „Ich habe aber trotzdem eine Eins bekommen.“

Und noch eine Heldentat ist dem Künstler im Gedächtnis: Gegen den Widerstand von Otto Nagel, jahrelang Präsident der DDR-Akademie der Künste, heiratete er dessen Tochter Sibylle. Ihr hatte Schallenberg von seiner Polenreise viele Briefe und Skizzen geschickt, „so dass alle Stationen gut dokumentiert sind“. Durch seine Heirat bekam Schallenberg hautnah die Einmischung von Staat, Politik und Parteifunktionären auf die Kunst mit. Dieser Einflussnahme entzog er sich letztlich durch seine Emigration in das abgeschiedene Kuwalk. Er verweigerte sich dem offiziellen Kunstbetrieb der DDR und hielt sich mit privaten Auftragsarbeiten über Wasser. Nach der Wende unternahm das Paar ausgedehnte Studienreisen, die stets neues Material für die Kuwalkade lieferten. Im Frühjahr 2017 soll eine Biografie über Götz Schallenberg erscheinen, der in Parchim wöchentlich vier Stunden bei der Kreisvolkshochschule als Kunsterzieher lehrt.

Die Ausstellungseröffnung „50 Jahre Polenreise“ mit ihren vehementen Ölgemälden, Grafiken, Holz- und Linolschnitten wird von Warnfried Altmann (Saxofon) und Schallenbergs Sohn Tim (Gitarre) musikalisch mit einem Konzert gekrönt. Enkelin Hannah wird aus den Briefen der Polenreise lesen, Schulfreund Christian Piossek das heutige Polen seiner Herkunft schildern. Zum Essen gibt es mit Bigos (Eintopf aus Gemüse, Fleisch und Sauerkraut) das polnische Nationalgericht, wie es Götz Schallenberg bei seinen freundlichen Gastgebern kennenlernte.

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