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Tatort Bahnübergang : Kupferdiebe gefährden Bahnverkehr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Diesmal stahlen sie 1,3 Kilometer Signalkabel an der Südbahnstrecke. Die Kreisstadt entwickelt sich zum Lieblingsrevier der Langfinger.

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 16:14 Uhr

Kupfer- und Buntmetalldiebstahl ist weit verbreitet. Jetzt gibt es einen neuerlichen schweren Diebstahl: Am stillgelegten Abschnitt der Südbahn zwischen Lübz und Lutheran zogen Diebe auf etwa 1,3 Kilometern Länge ein viergliedriges Kupferkabel und transportierten es ab. Dabei handelt es sich um ein Signalkabel, dass parallel zu den Gleisen in einem überirdischen Kabelschacht verläuft. Die unbekannten Täter hatten den Schacht gewaltsam geöffnet, das Kabel gekappt und herausgezogen. Der materielle Schaden wird auf mehrere tausend Euro geschätzt. Die Polizei in Plau (Tel. 038735/ 8370), die am Tatort Höhe Bahnübergang Grevener Straße in Lübz Spuren sichern konnte und jetzt wegen Diebstahls im besonders schweren Fall ermittelt, bittet dringend um Hinweise.

Kupferdiebstahl ist kein Phänomen, weiß die Polizei. Vielmehr ist er für eine gewisse Klientel sehr lukrativ. Der Preis für ein Kilogramm Kupfer ist zwar schwankend, liegt derzeit aber immerhin bei gut vier Euro. Vermutlich enthielt das jetzt gestohlene 1,3 Kilometer lange Kabel von ca. einem Zentimeter Durchmesser vergleichsweise wenig Kupfer. „Fest steht aber“, so Klaus Wiechmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, „dass es einiges Gewicht hatte. Das wirft man sich nicht so einfach über die Schulter. Um es fortzuschaffen brauchten die Täter auf jeden Fall ein Fahrzeug.“ Klar ist für die ermittelnden Beamten auch, dass die Täter einige Zeit vor Ort gewesen sein müssen. Kabel kappen, ziehen, transportfertig machen und abfahren – das braucht. „Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Diebstahl beobachtet wurde“, sagt Wiechmann. Ein Bahnangestellter hatte den Diebstahl übrigens am Montag gemeldet, nachdem er den Schaden am Schacht bemerkt hatte. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand müssen wir von einem Tatzeitraum von etwa vier Wochen ausgehen“, erklärt Wiechmann. Mitte November sei die seit Monaten nicht genutzte Strecke letztmals kontrolliert worden; damals sei sie in Ordnung gewesen.

Kupfer- und Buntmetalldiebstähle beschäftigen die Polizei seit Jahren. Der Schwerpunkt lag im Landkreis laut Pressesprecher vor etwa drei, vier Jahren. Damals verschwand beispielsweise buchstäblich über Nacht eine kupferne Skifahrerskulptur nahe der A24 bei Wittenburg; in Zarrentin montierten Unbekannte gar eine komplette Behelfsbrücke ab. Aus Kupfer sei die zwar nicht gewesen, sondern aus anderem Metall. Auf dem Schrottmarkt habe sie aber bestimmt auch ein hübsches Sümmchen gebracht. Mehr noch als auf Skulpturen, Starkstrom- oder Kupferkabel hatten es die Täter immer aber auf Dachrinnen und Fallrohre abgesehen. Bevorzugt von Wohn- und Geschäftshäusern, doch selbst Kirchen waren vor den Angriffen wahrscheinlich mehrerer Tätergruppen nicht sicher. Eine dieser Gruppen, ein Trio aus Parchim, konnte die Polizei im Oktober in Ludwigslust fassen. Samt Pkw, der vollbeladen war mit gestohlenen Kupferrohren.

Auch wenn es den Eindruck erwecke, so sei Kupfer- und Buntmetalldiebstahl kein Massenphänomen, sagt Wiechmann. Der Anteil an der Gesamtkriminalität liege bei nur einem Prozent. Den sinkenden Fallzahlen zum Trotz habe sich in diesem Jahr Parchim zum Schwerpunkt entwickelt. Regelmäßig wird hier der Diebstahl von Fallrohren und Dachrinnen zur Anzeige gebracht. Besonders dreist: Diebe montierten etliche Meter Rohr auch vom Rathaus ab. „Unsere Ermittlungen in der Kreisstadt laufen auf Hochtouren“, sagt Klaus Wiechmann und hat Hoffnung. „Die Tatorte waren häufig direkt in der Innenstadt, also dichte Wohnlage. Insofern gehen wir davon aus, dass Anwohner oder Passanten für uns wichtige Zeugen sein könnten. Deshalb die Bitte, jeder noch so kleine Hinweis an uns kann helfen, die Täter endlich dingfest zu machen.“

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