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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Dezember 2017 | 12:05 Uhr

Leib und Seele : Kunsttherapie in der Silbermühle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Karl-Heinz Eschner fand als Patient in der Plauer Reha-Einrichtung zur Malerei: „Es tut gut abzuschalten und etwas entstehen zu sehen“

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Bandscheibenvorfall inklusive OP, Krebserkrankung – wenn’s kommt, dann kommt’s dicke. Noch im vergangenen Jahr wären Karl-Heinz Eschner seine Diagnosen nicht so leicht über die Lippen gekommen. Jetzt, nach intensiver Therapie und mehreren Kuraufenthalten in der Plauer KMG-Klinik „Silbermühle“ ist der 72-Jährige mit seiner angeschlagenen Konstitution im Reinen. „Ok, ganz gesund wäre besser, doch es geht mir gut“, sagt er und lächelt.

Wir treffen den Rand-Berliner in der „Sitzung“ mit Kunsttherapeutin Heide Runschke. Was schon irgendwie exotisch ist in deutsche n Landen. Denn während die Kunsttherapie beispielsweise in den USA beinahe Standard in vergleichbaren Einrichtungen ist, leisten sich nur wenige hiesige Kliniken diese Form der Nachbehandlung. Die KMG-Klinik vor den Toren Plaus ist eine von ihnen. Sie hat mit Heide Runschke eine Dipl.-Kunsterzieherin am Start, die ganz in ihrem Beruf aufgeht. Seit 18 Jahren. Unzählige Patienten hat sie schon in Einzel- oder Gruppentherapie betreut. So einen wie Karl-Heinz Eschner noch nicht. Doch gerade von ihm und seiner Leidenschaft für die Malerei ist sie begeistert.

Angefangen hatte es im März 2016, als der damals 71-Jährige seine erste Kur in Plau antrat. Seine behandelnden Ärzte hielten es für angezeigt, Eschners Therapie und damit seinen Gesundungsprozess mit einer Kunsttherapie zu flankieren. Als sein erster Termin bei Heide Runschke stand, lag’s bei ihm, dabei zu bleiben oder andere Therapieformen zu nutzen. „Ich blieb, denn mir bereitete das Malen von Anfang an viel Vergnügen“, erinnert sich Eschner. Dem Hier und Jetzt entrückt, verlor sich der 71-Jährige nur zu gern in Farben und Formen. Ein Gefühl, das dem praktisch veranlagten Tischler bis dahin nur das Angeln vermitteln konnte. „Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht der Typ bin, der beim Malen sein Innerstes nach außen kehrt“, räumt Eschner ein. Andere Patienten tun das intuitiv, weiß Heide Runschke. „Künstlerisches Gestalten ist Selbstfindung und fördert den Heilungsprozess. Gefühle und Stimmungen können beim Gestalten ausgelebt werden – in Form abstrakter Farbgestaltung, als Landschaft, Porträt oder Stillleben“, sagt die Kunsttherapeutin. Heide Runschke weiß ganz genau, wovon sie spricht. Seit 1999 praktiziert sie die nonverbale Psychotherapie in der „Silbermühle“. In ihren Sitzungen geht es um die Wiedergabe von Stimmungen und Gefühlen ohne Worte; es geht um den Abbau von Spannungen und Angst, um die Freude am kreativen, schöpferischen Gestalten, bei dem die Patienten ganz oft eine ganz neue Sicht auf das eigene Ich gewinnen. „Die Wahrnehmung der eigenen schöpferischen Kraft führt im besten Falle zur psychischen Stabilisierung, was den Heilungsprozess unterstützt“, schwört sie auf ihr Fach.

Die Palette der Themen und Techniken sei breit, richte sich nach dem Therapieziel, der Persönlichkeit, der Stimmung, der Absicht des Patienten, reiche von abstrakter Farbstimmung über symbolische und thematische Gestaltungen, erklärt Heide Runschke. Egal ob Malerei, Grafik, Collage und Plastik, sie selbst lenke lediglich den Gestaltungsprozess, gebe den Einstieg, gestalterische und thematische Orientierung.

Karl-Heinz Eschner weiß, dass er nicht der typische Patient ist. „Zuletzt hatte ich in der Schule gemalt. Inzwischen habe ich mir in meinem Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet und male regelmäßig. Realistisch. Nach Fotos. Und mittlerweile in Aquarell.“ Es tue gut abzuschalten, etwas entstehen zu sehen. „Dies Abstrakte liegt mir gar nicht“, gesteht Eschner. „Ich möchte nicht interpretiert werden. Ich möchte, dass man sieht, was ich male.“ Rund 30 Bilder sind es bislang. „Gerade zeichne die Jagdhütte eines Freundes. Das Bild bekommt er zum Geburtstag.“

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