Unmut : Kritzow stimmt für Windenergie

Gemeinsamer besorgter Blick auf das, was in bezug auf Windenergie kommen könnte. Fotos: Ilja Baatz
Gemeinsamer besorgter Blick auf das, was in bezug auf Windenergie kommen könnte. Fotos: Ilja Baatz

Befürworter und Gegner während Gemeindevertretersitzung aufeinandergeprallt / Bürgermeister sieht Einnahmemöglichkeit

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14. April 2015, 22:00 Uhr

Unlängst wurden alle Bürgermeister des Amtes Eldenburg Lübz vom Regionalen Planungsverband über die so genannten „Potentialsuchräume“ für Windenergie in ihren Gemeinden informiert – Gebiete, die man für günstig hält, um auf ihnen Windräder zu errichten. Dabei kann es sowohl um die Erweiterung von bestehenden Windparks als auch um völlig neue gehen. Erst 2017/2018 soll feststehen, was letztlich wirklich gebaut wird. Laut Gerd Holger Golisz, Mitglied des Regionalen Planungsverbandes, seien jetzt die Kommunen aufgefordert, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und sich einzubringen.

Auf der Gemeindevertretersitzung in Kritzow am Montagabend stand deshalb die geplante Erweiterung des Windparks Barkow auf der Tagesordnung. Während mehrere als Zuhörer gekommene Bewohner ihre Kritik deutlich machten, konnte Bürgermeister Eberhard Korf – er verspricht sich durch den Neubau Einnahmen für seine Kommune – die weitaus größte Zahl der Abgeordneten hinter sich scharen: Bei nur einer Gegenstimme wurde beschlossen, der vorgesehenen Erweiterung zuzustimmen. Noch sei gar nicht entschieden, ob der Bau der dritten Anlage überhaupt genehmigt wird und man habe „noch einige Hausaufgaben zu machen“, so Korf. „Aber wenn wir die Anlagen eh vor die Nase gesetzt bekommen, wollen wir versuchen, dort mit einzusteigen und am Gewinn beteiligt zu werden“, sagte er. „Und wenn es nur 5000 oder 10 000 Euro sind.“

Besonders bei einem Zuhörer sorgte die Entscheidung für so viel Wut, dass er den Saal verließ. Andere zeigten ebenfalls ihren Unmut. Torsten Jarchow, der sich beruflich auch mit Windenergie beschäftigt, sagte, dass sich der Wandel auf Anordnung des Bundes hin vollziehe, also von höchster Stelle komme: „Und dagegen können wir uns nicht wehren – großes Ausrufezeichen! An den Grundsatzentscheidungen werden nur einige wenige beteiligt und was bis jetzt gebaut wurde, ist erst der Anfang.“ Wenn es der Gemeinde gelinge, am Gewinn neuer Anlagen beteiligt zu werden, habe sie Einnahmen, die keinen Einfluss auf die vom Land gewährten Schlüsselzuweisungen haben. Es gelte, diese Möglichkeit „am Schopfe zu packen“, denn es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass die Gemeinde nicht zuletzt dadurch ihren Haushalt so wörtlich „gesundet“.

Weil schnell deutlich wurde, dass sich die Kritiker davon nicht überzeugen ließen, sagte Jarchow: „Einmal davon abgesehen, dass die Energiewende beschlossene Sache ist: Wollen wir als Alternative Kohle- oder Atomkraftwerke? Die ersten Hochspannungsleitungen wurden auch als furchtbar angesehen, heute sind sie selbstverständlich. Für meine Kinder wird dies in bezug auf Windenergieanlagen gelten.“ Die höchsten sind noch mit Blinkleuchten ausgestattet, um für Flugzeuge sicher erkennbar zu sein. Viele empfinden besonders auch dies als Belastung. Hier sei eine Änderung durch den Einsatz von Funktechnik in Sicht, die die Leuchten überflüssig machen würde.

Korf bekundet, die Windräder selbst hässlich zu finden, dass er jedoch keine Möglichkeit sehe, ihren Bau grundsätzlich zu verhindern. Neben dem auch für ihn auszumachenden finanziellen Anreiz wolle er unabhängig davon dafür eintreten, dass der vorgesehene Mindestabstand zu Wohnhäusern in Höhe von 1000 Metern möglichst noch vergrößert wird.

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