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Dobbertiner Kunstwoche : Kreative Kunst mit der Kettensäge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zur Dobbertiner Kunstwoche fertigen Künstler die „Heilige Familie“ im Park an

von
erstellt am 29.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Mehrere hundert Kilometer liegen hinter Bogumila und Ireneusz Canibol, neun Stunden Fahrt, um genau zu sein. Das Auto bis oben voll gepackt – mit Utensilien, die sie auch noch in den kommenden Tagen in Dobbertin brauchen werden. Schließlich macht das Ehepaar bei der 1. Kunstwoche von Dobbertin mit. Und die beiden sind fleißig. Insgesamt nehmen acht Künstler aus Deutschland, Russland, Litauen, Polen, Ukraine... an der Kunstwoche im mecklenburgischen Klosterdorf Dobbertin teil – initiiert von Gemeinde und Revierförster Uwe Linke. Das Dorf soll noch schöner werden; einen Skulpturenpfad entlang des Dobbertiner Sees gibt es bereits.

Bogumila Canibol geht leicht in die Knie, beugt sich ein wenig nach hinten, arbeitet sich langsam mit ihrer Motorsäge voran. „Von 1999 bis 2011 habe ich überwiegend mit dem Messer gearbeitet“, erzählt die Polin. Erst 2012 steigt sie auf die Maschine um. Das Ehepaar vermischt die Materialien, auch Keramik gehört zu ihrem Metier. Bogumila Canibol ist in Dobbertin nicht die einzige Frau, die zwischen all den Männern ihre Skulpturen schnitzt. Sylvia Itzen gehört auch zu der Mannschaft, die sich innerhalb einer Woche dem Thema „Die Heilige Familie“ widmet. „Ich freue mich sehr, dass ich das Jesus-Kind machen darf“, erzählt die Künstlerin aus Buchholz in der Nordheide. Künstlerisch tätig ist sie schon viele Jahre. „Ich bin vorbelastet durch meine Großmutter und Mutter. Das färbt ab.“ Doch zur Holzsägekunst, auf Englisch „wood carving“ genannt, kommt sie eher zufällig – durchs Brennholzmachen. Kraft, Ausdauer braucht es für diese Art von Kunst auf jeden Fall. „Das ist schon Hochleistungssport“, erzählt Sylvia Itzen. Ihre größte Motorsäge, die sie im Auto hat, wiegt neun Kilo. „Es wird langsam angefangen, nach und nach bauen sich dann die Muskeln auf, die für diese Kunst gebraucht werden“, sagt die Fachfrau, die vor Dobbertin noch in Stuttgart weilte – bei der Deutschen Meisterschaft im Speedcarving. „Ich war die einzige Frau“, sagt sie und lächelt.

Schutzbrille auf, die Kopfhörer ein wenig nach oben geschoben in Richtung Cappy, zeichnet Bernd Winter gerade mit Bleistift die Krone vor. „Das wird einer der Heiligen Drei Könige“, erzählt er. Seit acht Jahren arbeitet der Harzer mit der Kettensäge; war schon in Russland, Schweden, Kanada, Nepal... Von der Kunstwoche hat er im sozialen Netzwerk Facebook erfahren. „Es gab eine öffentliche Ausschreibung und da habe ich mich dann beworben.“

Sechs Künstler kümmern sich dieser Tage um die Fertigstellung der „Heiligen Familie“, zwei Künstler schnitzen historische Persönlichkeiten – Käthe Kollwitz unter anderem. Mit neugierigen und interessierten Blicken wurden die Arbeiten der Künstler auch gestern beobachtet. Einige Dobbertiner standen eine ganze Weile im Dobbertiner Gemeindepark und ließen sich das Spektakel nicht entgehen.

Für Bogumila und Ireneusz Canibol geht es nach der ersten Dobbertiner Kunstwoche bald wieder zurück – mehrere Kilometer weit nach Polen. Wieder vollgepackt, mit neuen Eindrücken und neun Stunden Fahrt. Die Polin mag ihre Kunst, immer wieder hat sie neue Ideen, die sie in Holz oder Keramikfiguren umsetzt.  

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