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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. August 2017 | 04:23 Uhr

Kultur : Kontraste und Steigerung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Friedrich Drese aus Malchow gab erneut ein Orgelkonzert in der Kuppentiner Kirche. Von den Zuhörern gab es für die gute Darbietung viel Applaus.

Die Orgel steht im Zentrum seines Schaffens. Als Leiter des Mecklenburgischen Orgelmuseums in Malchow sichtet und sichert Friedrich Drese das Erbe der Orgeln in unserem Landesteil. Historisch und handwerklich kompetent dient der gelernte Orgelbauer der Kirche auch als Gutachter. Eines aber ist er darüber hinaus von ganzem Herzen: Organist - Künstler. Und als solcher, als Interpret der Kirchenmusikliteratur, kehrt er jährlich einmal auch in die altehrwürdige, 1235 erbaute Dorfkirche von Kuppentin zurück und spielt die ebenso ehrwürdige kleine Friese-Orgel.

Am vergangenen Sonnabend war es nun wieder soweit: Der verdienstvolle Förderverein Kirche Kuppentin hatte Friedrich Drese zum jährlichen Konzert geladen. Die eigenwillige Kirche, zauberhaft und dennoch ein Flickwerk aus Jahrhunderten, dreiteilig, mit hohem gotischen Chor aus der Ursprungszeit, dem niedrigeren Langhaus und dem holzverkleideten Turm erscheint mit ihrem Baukörper der Kontraste bereits wie ein dingliches Abbild dieses abendlichen Konzerts, das Drese mit „Kontraste“ überschrieb.

„Für eine so kleine Kirche“, wird der Organist später sagen, „war es ein guter Besuch.“ Das auch der Ferienzeit zum Trotz, ließe sich hinzufügen. Die gekommen sind, sind Enthusiasten der Orgelmusik, bereits eine halbe Stunde vor dem Konzert beginnen sie sich still zu sammeln, während Drese oben auf der Orgel seine Vorbereitungen trifft. Schuhwechsel gehört offenbar dazu, schnell und treffsicher müssen die Füße auf den Pedalen des technisch vielschichtigen Instruments arbeiten können. Auf der Halterung für die Notenblätter baut Drese dann sein Programm der Kontraste Blatt für Blatt auf. Es wird mit Johann Sebastian Bach beginnen, enden und mit der „Fantasie G-Dur“ des erst spät in seiner Größe erkannten Komponisten sowie ebenfalls Mitte und Höhepunkt behaupten.

Drese sitzt auf harter Holzbank. Wie leicht kann man sich, ebenfalls auf der Empore sitzend, in die Vergangenheit versetzen und förmlich sehen, wie an dieser 1874 gebauten Parchimer Orgel während des Kaiserreichs und darüber hinaus noch Schulmeister oder ehrenamtliche Organisten ihren Dienst verrichteten? Überall Holz. Während der ersten kurzen Stücke ist ein von den Tasten ausgehendes Klappergeräusch hier oben deutlich zu hören, später verliert es sich. Ein Programmblatt, auf dem die Buchstaben der Überschrift „Kontraste“ zu tanzen scheinen, haben die meisten in der Hand, aber es ist zunächst nicht einfach, dem Verlauf zu folgen. Wo sind die Zäsuren zwischen den einzelnen Stücken? Da geht Bachs Kyrie pausenlos in Schumanns Pedalstudie C-Dur über, die wiederum in eine Fantasia des Barockkomponisten Froberger und so fort. „Das war Absicht”, sagt Drese und lächelt verschmitzt, „das Progamm sollte auf diese Weise quasi zu einem einzigen Stück verschmelzen.” Und Einheit ist dem Programm wahrhaftig nicht abzusprechen.

Neben dem kontrastreichen Nebeneinander „der verschiedenen Musikstile” (Drese) besitzt das Konzert nämlich auch eine deutliche Steigerung. Die ersten der insgesamt 15 Stücke scheinen die Zuhörenden eher vorsichtig auf das vorzubereiten, was dann mit Telemanns „Fantasie F-Dur” äußerst lebhaft und zupackend wie ein Müdigkeit und körperlich-geistiger Abspannung entgegenwirkendes Mittel auf das andächtige Publikum niederprasselt und – in der Dramatik vergleichbar, nicht im Stil – dann durch ein „Gloria” des Ungarn Zoltan Kodaly (1882 – 1967) fortgesetzt wird. Letzteres klingt weniger abgeklärt, weniger harmonisch, dafür massiver, eckiger, modern. Kontrast und Steigerung sind deutlich zu vernehmen und am Ende dieser Komposition wurden ganz konkret „auch alle Register gezogen” – sechs an der Zahl.

Die Mitte des Konzerts halten, wie erwähnt, Bachs Fantasie G-Dur, und dazu im deutlichen Kontrast ein Werk des großen Olivier Messiaen (1908 – 1992). Gegen Bachs kosmischen Jubel behauptet sich nun eine getragen bis schwere, bis ins Schrille gebrochene moderne Komposition aus dem Zyklus „Himmelfahrt”. Und noch einmal und ganz zum Schluss ergreift uns Bach’scher Jubel mit der Choralfantasie „Wir glauben all an einen Gott”. Und der mächtige Schlussakkord ist die erste ganz deutliche Zäsur an diesem Abend. Es folgt herzlicher, dankbarer Applaus.














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erstellt am 07.Aug.2017 | 12:00 Uhr

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