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Amt Goldberg-Mildenitz streicht Zahlungen : Kompetenzagentur wehrt sich

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Dass es um die Finanzlage der Kommunen schlecht bestellt ist - ja, das weiß Silvia Weinaug, Leiterin der Kompetenzagentur Westmecklenburg (Kompag) nur zu gut. Schließlich ist sie selbst Kommunalpolitikerin.

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erstellt am 21.Mär.2012 | 09:13 Uhr

Goldberg/Parchim | Dass es um die Finanzlage der Kommunen schlecht bestellt ist - ja, das weiß Silvia Weinaug, Leiterin der Kompetenzagentur Westmecklenburg (Kompag) nur zu gut. Schließlich ist sie als stellvertretende Stadtpräsidentin von Neustadt-Glewe selbst Kommunalpolitikerin. Aber dafür, wie die Vertreter des Amtes Goldberg-Mildenitz auf ihrer jüngsten Sitzung begründet haben, warum sie ihre Unterstützung der Kompag streichen, das bereitet Weiaug ziemliche Bauschmerzen.

Im Amtsausschuss war der Kompetenzagentur einstimmig die mehr als 2000 Euro hohe Unterstützungsleistung gestrichen worden. Einhellige Begründung der Kommunalvertreter: Das Aufgabenspektrum der Agentur im Amtsbereich sei nicht hinreichend dargelegt worden. "Wir wissen nicht konkret, was mit dem Geld passiert, das wir der Kompag überweisen sollen", sagte Dobbertins Bürgermeister Dirk Mittelstädt. Eine geforderte Nachbesserung durch die Kompag sei nicht zufriedenstellend erfolgt.

"Nachvollziehen kann ich das nicht", sagt der Parchimer Kompag-Mitarbeiter Henry Topp. Auch er hat Verständnis dafür, dass Gelder mittlerweile nicht mehr locker sitzen. Denn auch Topp kennt die Sparzwänge als Bürgermeister der Gemeinde Brenz nur zu gut. "Aber dass wir die Bitte um den finanziellen Zuschuss nicht begründet haben, das stimmt nicht", sagt er und deutet auf ein Schreiben, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Es ist der Brief, in dem er dem Amtsausschuss auf einer DIN-A-4-Seite dargelegt hat, was die Kompetenzagentur im Amtsbereich leistet. "Unseren Standort in Lübz mussten wir aufgrund mangelnder Finanzausstattung zwar schließen, aber in Goldberg bin ich mindestens einmal pro Woche", unterstreicht Topp. Jeden Montag hält er dort Sprechstunde an der Regionalen Schule. Aktuell betreue er 13 Jugendliche im Amtsbereich, meist junge Menschen aus sozialschwachen Familien. Die Erfolgsquote beziffert er mit rund 60 Prozent.

In der Topps Begründung steht allerdings auch jener Satz, an dem der Amtsausschuss besonders Anstoß nahm: "Schon jetzt zeichnet sich ab, dass wieder viele Jugendliche und Eltern das Hilfsangebot wahrnehmen wollen." Von viereinhalb Konjunktiven in einem Satz hatte in diesem Zusammenhang Mestlins Bürgermeister Uwe Schultze gesprochen. Verstehen kann Henry Topp das nicht. Allerdings zieht er aus den Äußerungen den Schluss, dass dringender Redebedarf besteht. "Ich nehme das zum Anlass, jedem einzelnen Bürgermeister im Amt Goldberg-Mildenitz ein Gespräch anzubieten, um unsere Arbeit intensiv vorzustellen und zu betonen, wie wichtig unsere Leistungen sind", sagt Topp. Auch, dass sich niemand persönlich aus dem Amt vor der anstehenden Abstimmung gemeldet habe, findet Topp unglücklich. "Ein Anruf hätte doch genügt und das hätten wir uns gewünscht", sagt er. Außerdem betonen Weinaug und Topp: Vor eineinhalb Jahren seien sie im Amt gewesen, um ihre Arbeit vorzustellen. "Wir haben damals sogar ein konkretes Fallbeispiel aus dem Amtsbereich gegeben", erinnert sich Topp.

Dass die Finanzspritze aus Goldberg nun wegfällt, das tut Leiterin Silvia Weinaug weh. Denn die Kompetenzagentur finanziert sich zu 65 Prozent aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), die restlichen 35 Prozent muss die Einrichtung selbst zusammen bekommen. Folgen auch andere Ämter dem Goldberger Beispiel, dann könnte das mitunter gravierende Folgen für die Agentur haben. "Wenn diese Arbeit wegfallen würde, wäre das fatal für die Region", sagt Weinaug. Sie weiß, wovon sie spricht, denn auch die ESF-Zuwendung stand schon einmal auf der Kippe. Bis Ende 2013 ist diese nun gesichert, anschließend werden die Karten für die deutschlandweit 197 Kompetenzagenturen neu gemischt.

Auch eine andere Vermutung weist Weinaug entschieden zurück: Im Amtsausschuss hatte es Andeutungen gegeben, dass die finanziell angeschlagene BBS Start GmbH als Träger der Kompetenzagentur Westmecklenburg Gelder für die eigene Gesundung einsetzen könnten. "Solche Vermutungen sind haltlos und absurd, denn wir müssen auf Heller und Pfennig nachweisen, wofür wir die Zuwendungen einsetzen", sagt Weinaug. Überhaupt hält sie die Diskussion um BBS Start in weiten Teilen für verfehlt. "Viele Bildungsträger auf dem Markt haben Probleme", sagt sie. Aktuell gebe es eine Phase der Umstrukturierung, an der nichts Ehrenrühriges sei. Hintergrund sind finanzielle Probleme des Bildungsträgers, bei dem immer wieder auch Personalentlassungen im Raum stehen.

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