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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 23:42 Uhr

Lokalpolitik : Kommunen stehen zur Südbahn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Erstmals saßen Vertreter aus zwei Landkreisen an einem Tisch. Betrieb auf der Bahnstrecke ist in diesem Jahr durch Gelegenheitsverkehre vorgesehen.

von
erstellt am 09.Jan.2017 | 21:00 Uhr

„Wir werden uns weiter für den Erhalt der Eisenbahn-Infastruktur einsetzen. Lassen Sie uns gemeinsam nach Schwerin fahren und dies kund tun!“ Dem Aufruf von Warens Bürgermeister Norbert Möller folgten beim in Plau am See von der Bürgerinitiative (BI) „Pro Schiene“ und dem Fahrgastverband „Pro Bahn“ veranstalteten „Südbahngipfel“ mit Wortmeldungen spontan vier weitere Amtskollegen: René Putzar aus Malchow („Wir dürfen das Land nicht aus der Verantwortung lassen!“), Thomas Rosenfeldt aus Lübz, Erster Stellvertreter von Gudrun Stein („Selbstverständlich sind wir dabei!“), Dirk Flörke aus Parchim („Dass irgendwann auch die Kreisstadt ohne Bahnanschluss dastehen könnte, bereitet mir Angst.“) und Norbert Reier aus Plau am See. Auch letzterer betont, dass es nicht darum gehe, eine Konkurrenz zwischen Bus und Bahn aufzubauen, sondern beide sollten sich ergänzen.


„Schnelle Verbindungen in Oberzentren fehlen“


Großes Problem sei aber, dass vieles zu lange dauere: „Uns fehlen schnelle Verbindungen in die Oberzentren – egal, ob mit Bus oder Bahn. Besser als früher ist jetzt durchaus, dass zum Beispiel Karower schneller nach Plau kommen, aber wenn längere Verbindungen zuviel Zeit in Anspruch nehmen, muss man sich nicht wundern, dass letztlich niemand mehr in Bus oder Bahn einsteigt.“ Der Interkommunale Arbeitskreis möchte möglichst noch vor Ende Januar einen Gesprächstermin beim Verkehrsminister vereinbaren.

Fest steht schon: Gerichtstermin für die Klage des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte gegen die Südbahnschließung, der der Landkreis Ludwigslust-Parchim später beitrat, ist der 18. Januar.

Günter Matschoß, Zweiter Stellvertreter von Landrat Rolf Christiansen, berichtet, dass seit Schließung der Südbahn im Frühjahr 2015 rund 69 000 Fahrgäste die neu eingeführte Buslinie 77 genutzt hätten – davon knapp 22 000 zwischen Parchim und Lübz und etwa 4500 auf der Strecke Lübz – Plau am See (Schülerverkehr ausgenommen). Angesichts der Tatsache, dass es früher nur zwei Verbindungen am Tag gab, habe sich das Angebot deutlich vergrößert. Insgesamt sei der Start als gelungen zu werten, die Fahrgäste hätten sich sehr oft positiv geäußert, wenngleich es für eine Prog-nose noch zu früh sei.

Clemens Russell, Sprecher der BI „Pro Schiene“, bezeichnete die Bestellung des seit Dezember verkehrenden Rufbusses über Internet oder per Telefon auch für viele Ältere nach Einarbeitung als „machbare Herausforderung“. Zu denken geben solle jedoch die genannte Zahl von 21 900 Fahrgästen zwischen Parchim und Lübz: „Vor Schließung der Südbahn gab es auf diesem Abschnitt täglich gut 500 Fahrgäste. Ich sage das Ergebnis nicht, wenn ich von 365 Tagen im Jahr die Wochenenden wie auch Feiertage abziehe und die neue Fahrgastzahl durch diesen Wert teile. Es kommen gut gerechnet vielleicht 100 heraus. Wo bleiben die 400 anderen Fahrgäste?“

Kritik übte auch Jens Kühl, Amtsvorsteher des Amtes Eldenburg Lübz. „Ältere Menschen, die überwiegend in unseren Dörfern leben, nutzen in der Regel kein Internet und telefonieren auch nicht, um sich einen Bus zu bestellen“, sagte er. „Und ganz ehrlich: Auch ich habe den verteilten Flyer die erste halbe Stunde lang nicht verstanden – so gut die dahinter stehende Idee auch sein mag.“ Angesichts des zu häufigen zu bewältigenden Umstiegs zwischen Bus und Bahn und der Tatsache, dass es schon bis Waren keinen einheitlichen Tarif und kein Länderticket gebe, müsse man laut Ulf Sommer von einem „gebrochenen“ öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sprechen.

Michael Wufka, Geschäftsführer der Tourist Info Plau am See GmbH, berichtete, dass seine Stadt die Zahl von jährlich etwa 460 000 Übernachtungen voraussichtlich wird halten können. Deshalb sei es schwierig, besonders dem Verkehrsministerium gegenüber darzulegen, warum auch Plau am See die Südbahn brauche: „Das Problem liegt im Tagestourismus, für den wir jetzt ein weißer Fleck sind.“ Vor Schließung der Strecke seien viele Gäste vor allem aus dem Hamburger Raum mit der Bahn etwa nach Lübz oder Karow gefahren, um von dort aus mit dem Fahrra d nach Plau zu gelangen, was sich mit Aussagen von Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein deckt. „Bis Ende 2015 war der erste Tag von der Kurtaxe ausgenommen, so dass es unseriös wäre, den Rückgang mit Zahlen konkret zu benennen, aber natürlich ist er vorhanden“, sagt Wufka. „Das wissen wir aus Erfahrungen und vielen Gesprächen mit den Besuchern.“ Der Rufbus sei eine Option für die Einwohner, nicht jedoch für den Tourismus.


Rufbus keine Option für Tourismus


Eine Perspektive, die Südbahn zu erhalten, legte Marcel Drews von „Pro Bahn“ dar. Demzufolge sind im ersten Schritt in diesem Jahr als Probe an vier Tagen (wenn möglich, mehr) Gelegenheitsverkehre auf den Strecken Parchim – Malchow, Plau – Güstrow und Malchow – Güstrow geplant. Ausgerichtet werden sollen sie an bekannten Veranstaltungen in der Region. Ausgearbeitet wurden zwei Varianten mit unterschiedlich hohen Kosten: 4600 beziehungsweise 6300 Euro am Tag. Hinzu kommen noch Vermarktung und Durchführung mit etwa 5000 Euro. Für Einnahmen sollen Spenden, Fahrscheinverkauf und Fördermittel sorgen, die noch beantragt werden müssen. Die Stadt Malchow habe bereits 2500 Euro gespendet und positive Signale seien schon von verschiedenen Kommunalvertretern gekommen. Bis Ende März müsse das Budget stehen, auf dessen Grundlage der Fahrplan gestaltet wird.

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