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Diakoniewerk zieht positive Bilanz : Kloster Dobbertin wächst weiter

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Das vergangene Jahr war für das Diakoniewerk Kloster Dobbertin sehr ereignisreich. SVZ-Autor Jürgen Dembski wirft mit Geschäftsführer Hans Hopkes einen Blick zurück und einen Blick in die Zukunft.

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erstellt am 04.Feb.2012 | 02:32 Uhr

Dobbertin | Das vergangene Jahr war für das Diakoniewerk Kloster Dobbertin sehr ereignisreich. Es übernahm vier Pflegeeinrichtungen der Lindner GmbH. Zudem wurden ein psychosoziales Wohnheim und eine neue Kindertagesstätte in Betrieb genommen. SVZ-Autor Jürgen Dembski wirft mit Geschäftsführer Hans Hopkes einen Blick zurück und einen Blick in die Zukunft.

Herr Hopkes, wie bewerten Sie das Jahr 2011?

Hans: Hopkes: Ich würde es mit den Worten "äußerst dynamisch" umreißen. Unser Aufgabenspektrum ist bekanntlich schon sehr breit gefächert, reicht von der Altenhilfe, Assistenzleistungen für Menschen mit Behinderungen und psychosozialen Hilfen, über die Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung und Suchtkrankenhilfe bis hin zu den Bereichen Bildung, Kitas und Schule sowie Jugend und Familie. Hinzu kommen die Schuldnerberatung und Hilfe für Menschen mit sozialen Problemen. Die allein mit diesen Aufgaben verbundene Dynamik gewann mit der Übernahme der Lindner Gruppe zum 1. April 2011 noch an Fahrt. Mehrjährige Verhandlungen wurden damit erfolgreich abgeschlossen. Außerdem haben 2011 das psychosoziale Wohnheim in Waren sowie eine neue Kindertagesstätte in Parchim ihre Arbeit aufgenommen.

Was bedeuten sechs neue Einrichtungen in Zahlen?

Das bedeutet eine Kapazitätserweiterung um insgesamt 499 Plätze. Davon entfallen 342 auf die einstigen vier Lindner-Pflegeheime und 42 Plätze auf das psychosoziale Wohnheim in Waren. Hinzu kommen 115 neue Plätze der Parchimer Kita, einschließlich Hortkinder. Neben Parchim betreiben wir Kitas in Suckow, Lübz, Goldberg, Plau am See und Dabel. Goldberg wird derzeit saniert, der Umzug ist in den Winterferien vorgesehen.

Zahlen sagen viel aus. Integration bedeutet aber vermutlich mehr.

Sehr viel mehr. Sechs neue Einrichtungen in das Diakoniewerk zu integrieren stellt eine gewaltige Aufgabe dar, die nicht von heute auf morgen zu erledigen ist. Dabei sind Waren und Parchim nicht ganz so problematisch, aber die Eingliederung der Lindner-Einrichtungen mit 200 Mitarbeitern in diakonische Trägerschaft ist eine große Herausforderung. Denn in einer privaten Einrichtung läuft doch vieles anders. Zugute kommt uns, dass alle Heime sich qualitativ auf hohem Niveau befinden. Die Schaffung dieser vier sozialen Einrichtungen, zwei in Parchim, je eine in Marnitz und Bützow war eine immense Leistung von Herrn Lindner. Die Einrichtungen werden jetzt sukzessiv an die Strukturen des Diakoniewerkes herangeführt. Dieser Prozeß wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Wichtig ist uns dabei vor allem, dass die Heimbewohner möglichst wenig davon spüren.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Pflegeplätzen?

Diese ist nach wie vor sehr hoch und aus derzeitiger Sicht wird sich angesichts der demografischen Entwicklung an diesem Trend in den nächsten Jahren auch nichts ändern. Bei zwei Dritteln der Neuaufnahmen handelt es sich übrigens um Menschen mit Demenz. Der Grad der Pflegebedürftigkeit ist relativ hoch. An dieser Stelle möchte ich aber auch darauf verweisen, dass es eine klare Vorgabe der Politik gibt, dass der ambulanten Betreuung gegenüber der stationären der Vorrang einzuräumen ist.

Wie schätzen sie die Situation beim Pflegepersonal ein?

Diese wird zunehmend schwieriger. Es ist faktisch so, dass auf dem Arbeitsmarkt keine Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Abwanderung frisch ausgebildeter Kräfte aus unserem Land ist nach wie vor ungebrochen.

Wird in MV zu wenig gezahlt? Ist das der Grund für die Abwanderung?

Es ist zumindest ein Grund. Wenn Sie unser Land betrachten, so zahlen wir als Diakoniewerk beispielsweise sehr gut. Mit der Vergütung in den alten Bundesländern können aber auch wir nicht mithalten. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist aber auch die Attraktivität des Umfeldes, die bei vielen eine große Rolle spielt.

Themenwechsel: Wie sieht es mit den Sanierungsarbeiten auf dem Klostergelände aus?

Derzeit laufen Bauarbeiten am Haus VI, einem Wohnheim für 24 Kinder und Jugendliche. Das Objekt soll noch im 1.Quartal bezogen werden. Noch in diesem Jahr beginnen die Arbeiten am Haus V, das 30 Bewohnern eine Heimstatt bieten wird. Es soll 2013 fertiggestellt werden. In diesem Jahr werden auch die Wohncontainer, die eine Übergangslösung bildeten, abgebaut. Bis auf Haus IV wäre damit die grundlegende Sanierung der Wohnhäuser auf dem Kloster-Gelände, die wir 1997 in Angriff genommen haben, abgeschlossen. Dafür wurden bisher mehr als 20 Millionen Euro aufgewendet.

Wann wird das Brau- und Brennhaus übergeben?

Die Arbeiten liegen in den letzten Zügen. Das Gebäude wird als gastronomische Einrichtung - auch für Besucher des Klosters - dienen. Es bietet rund 80 Plätze. Hinzu kommt eine Terrasse. Im oberen Stockwerk planen wir eine ständige Ausstellung über das ehemalige Klosteramt.

Wie steht es mit der Auftragslage im Werkstattbereich?

Diese ist insgesamt recht gut. Voll ausgelastet sind wir vor allem im Dienstleistungsbereich. Das betrifft insbesondere eine Reihe größerer Aufträge in der Garten- und Landschaftspflege. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Verpackungs- und Konfektionierungsarbeiten. Derzeit haben wir 325 Beschäftigte im Werkstattbereich.

Wo liegen die spezifischen Schwerpunktaufgaben 2012?

Priorität kommt der Integration der sechs neuen Einrichtungen zu, über die wir bereits gesprochen haben. Stärker als bisher werden wir uns als weiteren zentralen Schwerpunkt dem Thema Inklusion widmen. Und nicht zuletzt spielen Sanierungsaufgaben auf dem Klostergelände noch eine maßgebliche Rolle. Das bedeutet aber nicht, dass wir andere Aufgabenbereiche, die ich eingangs erwähnte, unterschätzen. Ich möchte nur hervorheben, dass das Diakoniewerk derzeit 1435 Mitarbeitende in 54 Einrichtungen an 29 Standorten beschäftigt.

Könnten Sie näher auf die Problematik Inklusion eingehen?

Im Grunde geht es darum, ein gleichberechtigtes Leben von Menschen ohne und mit Behinderung zu erreichen. Das ist eine sehr vielschichtige Aufgabe. Es gilt einerseits, Menschen mit Handicap auf ein normales Leben vorzubereiten und zum anderen, das Umfeld darauf einzustellen. Die entscheidende Frage ist, wie akzeptiert die Bevölkerung einen solchen Schritt. Ein hohes Maß an Toleranz ist gefordert. Letztlich steht hinter dieser Entwicklung das Ziel - ich hatte es bereits angedeutet - der ambulanten Betreuung Priorität vor der stationären Unterbringung einzuräumen.

Was sagen bisherige Erfahrungen?

Es ist nicht einfach, aber im Verlaufe der letzten Jahre haben wir eine ganze Reihe Bewohner stationärer Einrichtungen in ambulante Betreuungsformen übergeben können. Dabei ist es wichtig, die passende Wohnform zu finden, was auch eine kleine Wohngemeinschaft sein kann. Ein solcher Schritt setzt natürlich auch eine entsprechende Infrastruktur voraus. Ich denke, im Bereich der Behindertenhilfe ist das Thema Inklusion eine besonders starke Herausforderung für die nächsten Jahre. Diese Aufgabe ist nicht unproblematisch.

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