Aufreger : Kleinkläranlage stinkt vor sich hin

Jürgen von Pich Lipinski vor der neuen – im Juli – eingebauten Kleinkläranlage. Der Neu Poseriner vermutet, dass die Anlage viel zu klein ist.  Fotos: sabrina panknin
Jürgen von Pich Lipinski vor der neuen – im Juli – eingebauten Kleinkläranlage. Der Neu Poseriner vermutet, dass die Anlage viel zu klein ist. Fotos: sabrina panknin

Neu Poseriner sind verzweifelt: Seit Monaten funktioniert die KKA nicht richtig / Vermutlich ist die Anlage zu klein

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03. Dezember 2014, 20:00 Uhr

Sonja von Pich Lipinski ist den Tränen nahe, als sie von der Problematik mit der im Juni neu eingebauten Kleinkläranlage (KKA) vor ihrer Wohnung berichtet. Ihr Ehemann Jürgen von Pich Lipinski ist dagegen stinksauer, denn seit die neue Kleinkläranlage in Betrieb genommen wurde, stinkt es in der gesamten Wohnung, auf dem Dach- bzw. Trockenboden, im und rund ums Mehrfamilienhaus im Außenring von Neu Poserin. Bis heute, so schreibt Sonja von Pich Lipinski in einer E-Mail an unsere Zeitung, ist nicht viel geschehen. „Und es stinkt noch immer“, erzählt sie am heißen Draht.

Besonders im Sommer sei die Geruchsbelästigung durch die KKA enorm gewesen. Die erste Beschwerde habe das Ehepaar Anfang August an die Wohnungsgesellschaft Mildenitz GmbH (Woge), die die Eigentümerin des Mehrfamilienhauses in Neu Poserin ist, geschickt. „Herr Kniewel ist uns nicht gerade freundlich gegenübergetreten“, erzählt Sonja von Pich Lipinksi. Immer wieder wurde durch die Einbaufirma versucht, das Geruchsproblem der KKA zu beheben. Bis heute vergebens. „Ich bin richtig verzweifelt und kann seit Monaten nicht mehr schlafen“, erzählt die Neu Poserinerin. Nicht nur, dass Gestank aus den Abflüssen in der Wohnung oder aus den Dachrinnen am Haus kommt, auch die Pumpe – direkt an der Hauswand unterhalb von Schlafzimmern angebracht – raube nachts den Schlaf. „Wenn die anspringt, knallt und poltert es jedes Mal. Da stimmt doch etwas nicht“, sagt Jürgen von Pich Lipinski. Auf das Problem mit der Kleinkläranlage in Neu Poserin hin angesprochen, sagte Woge-Geschäftsführer Jochen Kniewel: „Kein Kommentar.“

Mittlerweile ist neben der Bürgermeisterin, Elisabeth Mewes, und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim auch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mit dem Fall vertraut. Daraufhin wurde der Landkreis beauftragt, die Anlage noch einmal eingehend zu überprüfen. Nach Aussage einer Sprecherin des Fachdienstes Natur und Umwelt des Landkreises ist die Anlage wohl nicht richtig eingefahren worden. „Wir geben nicht auf und kämpfen für unser Recht als Mieter“, sagt Sonja von Pich Lipinski. Aus diesem Grund hat sich ein unabhängiger Kleinkläranlagen-Erbauer die Anlage vor Ort einmal angeschaut. „Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anlage für die Anzahl der Hausbewohner zu klein ist“, sagt Hannah Kirchmeier, die der Familie helfend zur Seite steht. „Es ist durchaus normal, dass eine Anlage nach Inbetriebnahme geruchsbelästigend sein kann. Doch wenn sie im Juni eingebaut wurde, sollte sie spätestens im Oktober problemlos laufen“, erklärt Stefan Bornhöft von der Abwassertechnik Bornhöft aus Ludwigslust. Die Firma baut selbst seit vielen Jahren Kleinkläranlagen – auch für Mehrfamilienhäuser. „Wenn es stinkt, ist es immer ein Indiz dafür, dass nicht genügend Mikroorganismen vorhanden sind“, erklärt der Fachmann weiter. Auch dies hat das Ehepaar von Pich Lipinski immer wieder bei ihren Beschwerden gegenüber der Wohnungsgesellschaft angebracht und um Abhilfe gebeten. In einem uns vorliegenden Schreiben vom 1. Oktober dieses Jahres wurde das Ehepaar aufgefordert, eine Unterschrift zu leisten. „Mit dem heutigen Datum teilen Sie mir mit, welche Baumaßnahme durchgeführt werden soll und zeigen mir vor Ort, wo Sie die Entlüftung gebaut haben möchten. Vor Durchführung dieser Baumaßnahme unterzeichnen Sie mir dieses Schreiben, und erklären damit, dass nach Fertigstellung keine Beanstandungen wegen Geruchsbelästigung mehr erfolgen.“ Sonja und Jürgen von Pich Lipinski haben dieses Schreiben nicht unterzeichnet.

Nach weiteren Beschwerden seitens des Ehepaares ist es in der vergangenen Woche zum Austausch des Klärschlamms in allen Kleinkläranlagen im Außenring von Neu Poserin gekommen. Doch auch dies scheint nichts geholfen zu haben. Denn es riecht noch immer streng aus den Abflüssen. „Eine zusätzliche Belüftung wurde auch noch in die KKA eingebaut, damit Sauerstoff in die Anlage kommt. Bedingt durch die zusätzliche Belüftung müssen Toilettendeckel, Waschbecken und Duschstöpsel immer geschlossen sein – das war sonst nie nötig. Ich könnte jeden Tag heulen. Zum Glück haben wir derzeit keinen Sommer, sonst könnten wir hier nicht mehr wohnen“, sagt Sonja von Pich Lipinski – regelrecht verzweifelt.
 

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