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Erster Lehmbaukurs : Kleines Wangelin – große Nummer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Bildungsstätte des ansässigen Vereins gilt im Lehmbau als Europas Nr. 1. Gerade läuft erster Kurs in Kooperation mit der Handwerkskammer.

Kelle, Reibebrett, Kartätsche - David Zehe und Daniel Adler schaffen an ihrer Mauer. Im Grunde wie daheim, wo der eine im Südharz Altbauten saniert, der andere in und um Glücksstadt auf der biologischen Bauschiene unterwegs ist. Ihre gemeinsame Mauer steht im Wangelin Garten. Hier absolvieren beide Baulöwen (und noch eine Handvoll mehr) einen Kurs in „Lehmputz und Gestaltung“ bei Burkhard Rüger. Der kommt vom Fachverband Strohballenbau Deutschland und gilt als Koryphäe jener alten Handwerkskunst, die seit einigen Jahren weltweit ihre Renaissance erfährt. Daniel Adler ist begeistert: „Der Kurs ist klasse, wir bekommen nicht nur Grundlagen und Fertigungstechniken vermittelt, sämtliche Inhalte sind auch völlig herstellerunabhängig.“ Tatsächlich gehört die Bildungsstätte des im Wangeliner Garten ansässigen Vereins FAL e.V. im Lehmbau zu den ersten Adressen in Europa. „Nein“, korrigiert Daniel Adler, „sie ist die erste Adresse in Europa.“. Egal ob Newsletter oder Webside – auf der Suche nach Bildungs- und Weiterbildungsangeboten kommen Lehmbau-Interessenten mittlerweile automatisch nach Wangelin.

„Ja wir sind schon eine große Nummer“, räumt FAL-Geschäftsführer Klaus Hirrich ein, stolz, dass der gerade laufende Lehmbau- und Gestaltungskurs gemeinsam mit der Handwerkskammer entwickelt werden konnte und statt mit Zertifikat mit einer Handwerksprüfung abschließt. Wer Hirrich kennt, weiß, dass Lob nicht seine Stärke ist. Eigenlob schon gar nicht. Wie der FAL es bis hierher schaffte, erzählt Klaus Hirrich jedoch gern.

Mit „Ülepüle“, der heutigen vereinseigenen Filzmanufaktur in Retzow, lernte der Wangeliner Lehm 1993/94 buchstäblich laufen. Unter heutigen Gesichtspunkten würde jenes 200 Jahre alte reetgedeckte Fachwerkhaus wahrscheinlich abgerissen. Nicht damals. Der Verein, 1990 gegründet, baute es originalgetreu wieder auf. „Seit damals klebt der Lehm an unseren Händen, und er ist nie wieder abgegangen“, lacht Hirrich. Was bei der Ülepüle-Restaurierung vielleicht mehr zufällig begann, konnte sich über die Jahre als Europäische Bildungsstätte für Lehmbau etablieren. Umfangreiche europäische Projekte, ein großes Netzwerk im Sinne ökologischer, alternativer Bauweise, aber auch an Leuten mit wiederum eigenen Projekten weltweit, Lehmbau-Experten aus aller Herren Länder, die eingeladen werden… das alles hat Wangelin zur Nummer eins gemacht.

„In den letzten 20 Jahren haben wir viel experimentiert. Nicht alles ist zu 100 Prozent aufgegangen. Aber es hat uns vieles gelehrt“, sagt Hirrich. Bis heute sind diese Erfahrungen und das internationale Know how mit europäischer finanzieller Unterstützung an 1500 bis 2000 Kursteilnehmer weitergegeben. An Einsteiger ebenso wie an Profis, wie Daniel Adler und David Zehe.

Den Grundstein dafür legten der FAL e.V. selbst, als sich Bauern, Künstler und Bürgermeister aus der Region in der Wendezeit zusammentaten. „Wir stellten damals fest, dass hier was wegbricht, die Arbeitslosigkeit über 50/60 Prozent zu steigen droht. Das wollten wir auffangen“, erzählt Hirrich. Dabei blieb der Verein seinem Grundsatz treu, niemals den Wald zu fegen, wenn man etwas für die Menschen tun kann. Obwohl viele Wälder zwischen Wendisch Priborn und Lübz FAL-gemacht sind. „Zumindest die jünger als 20 Jahre sind, haben unsere Leute gepflanzt“, so Hirrich.

Gemeinnützigkeit bringe nicht viel Geld, aber viel Ehre, sagt der Geschäftsführer. Auch der FAL kann davon ein Lied singen: Lehmmuseum in Gnevsdorf, Wangeliner Garten, Ülepüle in Retzow, der Wunderfeld-Laden in Plau – dem FAL sind in 20 Jahren viele Standbeine gewachsen. Und einige wenige mündeten in Firmenausgründungen. Wie eine Weidenfirma. Hirrich: „Arbeit ist ein wichtiger Punkt, vor allem wenn man davon leben kann. Wenn dann noch die Aspekte ökologisch und nachhaltig erfüllt sind, ist es ein Traum.“

 

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erstellt am 03.Jun.2014 | 20:00 Uhr

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