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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 12:30 Uhr

kunst & künstler : Kleines Jubiläum, großer Andrang

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kunstakademie in Lübz feierte fünfjähriges Bestehen. Zum Fest zeigte Hausherrin Julia Theek auch Bilder ihres Großvaters Paul August

Die Kunstakademie in Lübz beging ihr fünfjähriges Bestehen. Die künstlerische Leiterin Julia Theek, Initiatorin der Feier mit öffentlichem Empfang und Ausstellung, hatte zum Termin am Karnevalssamstag humorvoll zwei, drei Anlässe miteinander verknüpft. Zufall war es nämlich nicht, dass an diesem Tag in der Hochzeit des Karnelvals eine Ausstellung von Werken ihres Großvaters, des Malers und Grafikers Paul August, gezeigt wurde, denn der Geburtstag des Künstlers jährt sich 2017 zum 111. Mal. Es fügte sich also, mit dem Resultat, dass zum „jecken Geburtstag“ des Malers dessen noch lebende Töchter sowie Enkel und weitere Anverwandte des Künstlers nach Lübz reisten, unterm Arm Bilder und Zeichnungen Paul Augusts aus jeweils persönlichem Besitz. Mit dieser Sammlung wurde die sehenswerte Ausstellung des Potsdamer Malers bestückt.

Während Paul August genau genommen erst Anfang März 1906 zur Welt kam, wurde das Gründungsdatum der Kunstakademie, nämlich der 25. Februar 2012, natürlich auf den Tag eingehalten. Durch die Offene Tür des ehemaligen Kolonialwarengeschäfts Jeve strömten am Sonnabend dann so viele Besucher wie vielleicht noch nie zuvor. Auch Lübzer waren darunter, deren Besuch Julia Theek zu anderen öffentlichen (und kostenlosen) Terminen manchmal auch schmerzlich vermissen musste. „Eigentlich sollte es eine Stehparty geben“, rief Theek schließlich mehrmals über die Köpfe ihrer vielen Gäste hinweg, aber Stühle und Gartenbänke mehrten sich wie von selbst. Gemütlich eng also war es, als Bürgermeisterin Gudrun Stein sich in einer Ansprache an die „energiesprühende“ Künstlerin Julia Theek erinnerte, die eines Tages ins Amt kam, um ihre Pläne vorzustellen. Manchmal habe sie auch heimlich Zweifel gehegt, ob das Projekt Kunstakademie mit allem, was dran hing, wohl gelingen könnte, gestand die Bürgermeisterin. „Aber wenn wir (sprich: die Verwaltung) ein wenig helfen konnten, sind wir froh.“ Umgekehrt sprach die Hausherrin ihrerseits vielerlei Dank aus und wer dabei war, spürte, es kam von Herzen. Dank galt auch dem „Investor“ des Unternehmens, Julia Theeks Ehemann Guido Koch, und den beiden Kindern, die während der fünf Jahre auf ihre Weise involviert waren. „Ich habe gesehen“, sagt der heute fünfzehn Jahre alte Johann Koch unbefangen, „wie es damals hier ausgesehen hat.“ Und es habe viele Komplikationen beim Bau gegeben. Rückblickend aber sei er froh über die Erfahrung.

Ein Stück sehr viel länger vergangener Geschichte verband sich mit der Ausstellung. Wer sie im Haus Bergstraße 1 besuchen wollte, den erwartete im Kontrast zur Räumlichkeit im Jeve-Haus viel Luftraum und Helligkeit, ja, eine fast großbürgerlich anmutende Zimmerflucht. Ohnehin hat die Künstlerin Theek ihre auch zur Vermietung stehenden Räume mit Phantasie und Antiquitäten zu opulenten Ereignisräumen umgestaltet, so auch jene hohen Räume, in denen die Bilder Paul Augusts gezeigt wurden. Malermeister war der spätere Künstler und Dozent aus Ostpreußen zunächst geworden, um einen Brotberuf zu haben. Er musste ihn aufgeben, da er während des Krieges ein Bein verlor. „Sehr schwer waren die Jahre danach für unsere Eltern”, berichteten die Töchter Paul Augusts, Margarete Warnke und Barbara Theek. Auch sie waren zur zweifachen Feier nach Lübz gekommen und erzählten aus erster Quelle.

Die Malerei war, ganz unabhängig vom Malergeschäft, Augusts Lebensthema gewesen. An ihr konnte ihn schließlich auch die Kriegsverletzung nicht hindern. 1948 wurde der studierte Kunstmaler zum Mitbegründer der Landesmalschule Potsdam, ab 1952 firmierte sie als „Fachschule für angewandte Kunst“. Neben seiner Dozententätigkeit dort baute August sein eigenes Werk auf. Ihr Großvater habe viele Reisen durch Mecklenburg unternommen und dort gemalt, erinnerte sich seine Enkelin. Daher konnten die Ausstellungsbesucher unter den Werken viele Landschaftsansichten unserer Gegend betrachten. Als weiterer thematischer Schwerpunkt entpuppten sich zahlreiche Schiffsansichten, die in Rostock entstanden und in auffällig klar konturierter Manier gemalt sind.

Eines ließ sich unter Töchtern und Enkeln, Nichten und Neffen an diesem Tag erkennen: Enkelin Julia Theek scheint die einzige zu sein, die aktiv Neigung und Talent des Malers fortträgt. So verband sich auch in sehr persönlicher Weise die Feier zur Akademiegründung mit dem 111. Geburtstag ihres Großvaters – und mit Mecklenburg.

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