Mestliner Tierfreunde : Klein Wasabis neues Paradies

Süß: Eva-Maria Hövener mit Microschwein Wasabi
Foto:
Süß: Eva-Maria Hövener mit Microschwein Wasabi

Aurea Arcadia Gemeinschaft lässt Microschweine und Co. länger leben und greift dafür tief in die Tasche

svz.de von
25. April 2018, 21:00 Uhr

Wasabi hat Schnupfen. Als Microschwein lebt es sich trotzdem zurzeit für sie ganz gut auf dem Hof der Aurea Arcadia Gemeinschaft in Augzin. Die Sonne scheint, es ist warm, Wasabi zupft die Wiese leer. Doch in der Vergangenheit sah es nicht so rosig aus für das schwarze Schweinchen.

„Als ich sie bekam, war sie ein Häufchen Elend, hatte die Räude, außerdem eine Nebenhöhlenentzündung“, sagt Eva-Maria Hövener, die sich des kleinen Tieres angenommen hat. Daraufhin, mit noch nicht einmal 20 Zentimeter Größe, kam Wasabi ins Haus, in ein Laufgatter, lebte irgendwo zwischen Küche und Schlafzimmer und wurde gefüttert mit Äpfeln, Bananen, Weintrauben, Joghurt, Käse, Schweinemineralfutter… Jetzt ist sie zum fünften Mal draußen, wo ein Schwein eben hingehört. Doch Futter und Umgebung teilen nicht alle Artgenossen, die ansonsten millionenfach in Mastbetrieben mit einem Minimum an Platz und kurzer Lebenszeit ihr Dasein fristen. „Viele Tierärzte kennen sich mit Krankheiten bei Schweinen nicht aus, da diese in der Mast maximal sechs Monate alt werden“, so Eva-Maria Hövener. Dort wäre Wasabi wohl unter die Räder gekommen, als sogenannter „Kümmerer“ wäre sie ohne Mutterzitze in kürzester Zeit verhungert. Auf dem Hof der Gemeinschaft sind manche Schweine bereits sechs Jahre alt, ein artgerecht gehaltenes Tier kann es auf bis zu 15, in seltenen Fällen sogar 20 Jahre bringen. Also, sonnige Aussichten für die drei Mini-, drei Micro- und zwei siamesischen Hängebauchschweine, sowie die vier Sauen Grace, Annabelle, Perlie und Rose, den dicken August und die zwei Bork - kastrierte Eber. Sie alle profitieren hier von ihrem Schweinsein, doch das kostet.

Allein die Futterkosten für die Schweine belaufen sich auf rund 600 Euro - monatlich. Eva-Maria Hövener weiß um diese Belastung. „Es kostet unglaublich viel, wenn man die Tiere nicht isst“. Getreide, Kartoffeln, Möhren, Salat, Öle für die Gelenke und Mineralfutter stehen auf dem Speiseplan. In einzelnen Fällen, wenn sie einfach nicht verkauft oder anderweitig weggegeben werden können, wird auch mal ein Tier geschlachtet.

Und wie ist es mit Spenden? „Die Leute kommen, finden die kleinen Schweine süß, doch eine Patenschaft wollen sie nicht übernehmen“, weiß Hövener, die selbst seitenweise Lektüre über das intelligente Borstentier gewälzt hat. Dass Schweine intelligent sind, ist ja hinlänglich bekannt. Aber wussten Sie, dass diese auch extreme Höhenangst haben und um einiges besser riechen können als Hunde?

Ja, so wird das Nutztier unterschätzt und in die Schmuddelecke abgeschoben. Perlie, Wasabi und Co können mit den anderen Hühnern, Ziegen, Schafen, Hunden, Katzen, Kaninchen, Ponys, Enten, Meerschweinchen dagegen weiter ihr Leben genießen.

Und die Gemeinschaft? Greift weiter tief in die Tasche, um den Tieren ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Reine Futterkosten insgesamt, Logistik und Tierarzt nicht inbegriffen: 2300 Euro. Monatlich.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen