lübzer schulprojekt : KlarSicht - Aufklärung in der Achten

Fragenroulette mit Flasche: Sina, Marie, Renee und Lara (v.l.) testen ihr Wissen zum Thema Alkohol.  Fotos: monika maria degner
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Fragenroulette mit Flasche: Sina, Marie, Renee und Lara (v.l.) testen ihr Wissen zum Thema Alkohol. Fotos: monika maria degner

Das Eldenburg-Gymnasium Lübz führte ein Projekt zur Aufklärung über Alkohol und Nikotin durch.

svz.de von
03. März 2016, 12:00 Uhr

Bio- und Chemielehrerin Birgit Brückmann pendelt eilig zwischen den Klassenräumen 132 bis 136 des Eldenburg-Gymnasiums hin und her. Sie trägt ein T-Shirt mit Aufdruck, das irgendwie nach der Ausstattung einer Kampagne aussieht. In einem der Klassenräume lassen Schüler einer achten Klasse kleine Kugeln in Glaszylinder plumpsen. Auf den Zylindern steht „ja“, „nein“ oder „vielleicht“.

Des Rätsels Lösung: Auf Lehrerin Brückmanns T-Shirt steht „rauchfrei“, die Kugeln in den Zylindern stehen für die Antworten auf die Frage, ob es uncool sei, dass ein junger Mensch sich am Rauchen und Trinken in der Gruppe nicht beteilige. (Fast ausschließlich füllt sich die „Nein“-Röhre.) Und alles zusammen gehört zum MitmachParcours „KlarSicht“, auf den der Fachbereich Biologie/Chemie seit ein paar Jahren seine achten Klassen schickt. Klare Sicht also heißt das Motto dieser spielerischen Anordnung, die vor allem der Aufklärung dienen soll. Oder andersherum: Kampf der verräucherten Bude und dem vernebelten Hirn!

Die Methode und das reichhaltige Material, das vier Stationen des Parcours, mithin also vier „Räume“, bestückt, stammen von der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ (BzgA) und alles komme, sagt Birgit Brückmann, sehr gut an. „Wir haben uns die Ausstattung aber auch verdienen müssen“, berichtet sie. Sie und die Kollegin vom gleichen Fach, Britta Sprengel, haben zunächst eine Fortbildung bei der Bundeszentrale gemacht und im Anschluss daran „beweisen müssen“, dass sie das Material auch seiner Bestimmung zuführen. „Sonst hätten wir alles zurückgeben müssen.“

Aber warum auch nicht das alles nutzen? Eine Besonderheit des Parcours ist allerdings auch das kooperative Moment. An Vorbereitung und Durchführung beteiligen sich Lehrer und Schüler der neunten und zehnten Klassen, die die Stationen mit Fragekarten und Demonstrationsmaterial für Talkrunde, Selbstversuch und Ratespiele bereits absolviert haben. Ihnen spendet Birgit Brückmann großes Lob. Sie haben alles bestens organisiert und dafür einige Freizeit geopfert.

Alkohol ist, nicht nur, aber auch schon für unter Achtzehnjährige ein soziales Enzym, Enthemmer und Stifter von Wir-Gefühlen. Aber die späteren Folgen sind das Problem. In einer fiktiven Talkshow soll eine der vier Gruppen dieses Durchgangs – die fünf Mädchen haben sich den Namen „Ron Stoppable“ gegeben – anhand von Spielmaterialien eine Szene festlegen. Sie denken sich aus, dass der Freund zu einer Verabredung total alkoholisiert vor der Tür steht. Das breche das Herz, sei ein Schock und ein Vertrauensbruch, argumentiert eine Schülerin sinngemäß. Eine andere gibt sich pragmatischer: Auf die Couch legen, ausnüchtern, hinterher mit ihm reden.

Die thematische Alkoholspur führt die Schülerinnen alsdann zu einer Station, die viele Sachfragen anspricht: „Muss ein Beifahrer einen Betrunkenen daran hindern, das Auto zu fahren? Woran erkennt man ein Alkoholproblem?“ Und so fort. In einem nächsten Raum wartet eine Packung mit Riesenzigaretten auf die fünf Mädchen von „Ron Stoppable“. Sie sollen sich eine nehmen, aber angesteckt wird hier nichts, nur die Köpfe sollen rauchen. Auf jeder Zigarette ist ein Themenwort aufgedruckt, wie „E-Zigarette“, „Vorbilder“, „Clique“. Dazu referieren sie aus dem Stand, ergänzt von der Stationsleitung.

Die Fünf von „Ron Stoppable“ haben überwiegend munter mitgemacht und am Ende auch die meisten Punkte dieses Durchgangs eingeheimst. Die lebhaftesten Reaktionen aber entlockte ihnen die Station „Rauschbrillen“. Dafür war im Gang eine Art Laufstrecke mit Markierungen eingerichtet worden. Wer nun eine der Rauschbrillen aufgesetzt hatte, blickte wie ein Volltrunkener in die Welt. Er sah eigentlich nichts mehr und was er sah, das sah er doppelt. Unter diesen Bedingungen umrundeten die Mädchen schwankend die Markierungen und versuchten angestrengt auf einer geraden Linie zu balancieren. Es war das abschreckende Beispiel des Gegenteils von klarer Sicht, spielerisch verpackt.

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