Wursthersteller Döllinghareico plant keinen Personalabbau in Lübz : Klares Bekenntnis zur Region

 <strong>Guter Dinge: </strong>Geschäftsführer Andreas Subai, Firmeninhaberin Carola Dölling-Stanglmeier und Harald Prachtel, Vorsitzender der Arbeitnehmer-Interessenvertretung<foto>Ilja Baatz</foto>
Guter Dinge: Geschäftsführer Andreas Subai, Firmeninhaberin Carola Dölling-Stanglmeier und Harald Prachtel, Vorsitzender der Arbeitnehmer-InteressenvertretungIlja Baatz

Der Wursthersteller Döllinghareico steht zu Lübz. Während in Elmshorn Stellen abgebaut werden, werden hier in der Region keine Jobs gestrichen. Auch der Großverbraucherservice wird nach Mecklenburg wechseln.

svz.de von
26. März 2013, 11:40 Uhr

parchim/Lübz | Der Standort Lübz des Wurstherstellers Döllinghareico hat Zukunft, demnächst wird auch der Großverbraucherservice des Untenehmens von Elmshorn nach Mecklenburg wechseln. Der in vielen großen Lebensmittelgeschäften gelistete und in der Öffentlichkeit entsprechend bekannte Wursthersteller Döllinghareico GmbH & Co. KG hat an seinem Stammsitz im schleswig-holsteinischen Elmshorn kürzlich zehn Prozent der Beschäftigten entlassen. Im Altkreis Parchim, in Lübz, betreibt das Unternehmen seit 1992 ein Zweigwerk, in dem 80 Beschäftigte rund ebenso viele Produkte herstellen. Sie werden unter dem Namen "Landhof Lübz" vermarktet.

Carola Dölling-Stanglmeier - zusammen mit ihrem Bruder Ole und Andreas Subai, dem Geschäftsführer, auch für Lübz verantwortlich - geben im SVZ-Gespräch ein klares Bekenntnis zur Region. Andreas Subai: "Ich kann zumindest aus jetziger Sicht zwar auch in Lübz Kündigungen nicht für alle Zeit ausschließen, aber eine Mitarbeiterin haben wir auch hier entlassen. Aber wenn sie - was ich nicht hoffe und jetzt auch nicht sehe - doch notwendig werden sollten, wären es im Gegensatz zu Elmshorn nur sehr wenige Einzelfälle. Ein Grund dafür ist, dass es an diesem Standort so gut wie keine Verwaltung gibt. Rund 85 Prozent der 31 in Schleswig-Holstein Entlassenen waren in diesem Bereich beschäftigt. Was den Standort Lübz festigt, ist die Erkenntnis, dass das Pflichtbewusstsein hier ausgeprägter ist. Die Top-Einstellung der Leute, ihr Fleiß, ihre Flexibilität - alles habe ich schon 2009 gemerkt, als ich zum ersten Mal hier war."

Das Unternehmen behauptet sich auf einem schwierigen Markt: Binnen nur eines Jahres haben sich die Fleischpreise in sechs Schüben um bis zu 30 Prozent erhöht, erläutert Carola Dölling-Stanglmeier. "In solch einer Lage muss man auch die Verkaufspreise erhöhen, aber der Wettbewerb ist hart, so dass ein Unternehmen nie die gesamten, wenn auch unverschuldet entstandenen Mehrkosten aufschlagen kann und vor allem auch nicht sofort etwas zurückbekommt", sagt sie. "Das bedeutet, über längere Zeit alles allein tragen zu müssen." Die Folge für Döllinghareico: Das Abrutschen in die Verlustzone.

Als Ursache für den drastischen Anstieg sieht Geschäftsführer Andreas Subai den rasant wachsenden Bedarf in Osteuropa und vor allem China: "Waren es vor 25 Jahren fünf Millionen importierte Güter aus der europäischen Welt, so sind es heute 50 Millionen und in ein paar Jahren werden es dreimal so viele sein." Weiterer entscheidender Grund für den Preisauftrieb beim Fleisch ist für den Geschäftsführer der nach seiner Meinung zu radikal eingeschlagene Weg in Richtung Biogas-Produktion. "Das wirkt sich auf die Futtermittelpreise aus, verteuert den gesamten Prozess von der ersten Station an", sagt Subai.

"Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Natürlich gibt es auch in Elmshorn gute Leute. In der gesamten Hareico-Gruppe ist die Loyalität enorm hoch. Die Mitarbeiter haben sofort auf Lohnerhöhungen und Urlaub verzichtet, waren umgehend bereit, länger zu arbeiten, als die Schwierigkeiten zur Sprache kamen", sagt Subai. Die Geschäftsleitung stimmte einer Reduzierung ihres Gehalts um 20 Prozent zu, leitende Angestellte bekommen zehn Prozent weniger. Hauptgesellschafter Claus Dölling, Vater von Carola Dölling-Stanglmeier, verzichtete sofort auf alles - er bekommt keinen Cent mehr.

"In Lübz gibt es ein ausgezeichnetes kleines Management-Team", meint der Geschäftsführer. Zu dem Quartett gehört neben dem Werkleiter und den Chefs für Produktion und Technik auch Harald Prachtel, Vorsitzender der Arbeitnehmer-Interessenvertretung. "Wir sind sehr froh darüber, dass der Standort hier unverändert erhalten bleibt", sagt dieser. "In einem Großkonzern wären wir gestorben, da bin ich sicher. Besonders hoch anrechnen muss man Familie Dölling, dass alle von uns bis heute jeden Monat pünktlich ihren Lohn bekommen haben. Das ist weiß Gott nicht überall so." Zu den Schwierigkeiten der Branche sagt der Lübzer: "In nur einem halben Jahr sind zum Beispiel die Preise für Saitlinge - für uns sehr wichtiges Naturmaterial - um 100 Prozent gestiegen. So etwas bekommt niemand aufgefangen." Auch in Zukunft setzt Dölluinghareico auf Lieferanten aus der Region, um nicht nur von den ganz Großen abhängig zu sein, aber ganz ohne sie geht es auch nicht." Darüber hinaus möchte sich das Unternehmen nicht unendlich ausdehnen, sondern hauptsächlich in Norddeutschland präsent sein und nicht um jeden Preis billig sein. "Wir wollen dafür in der Qualität führen", meint Carola Dölling-Stanglmeier. Beide Standorte sind vom Produktionsablauf her untrennbar miteinander verbunden (die in Elmshorn zubereitete Wurstmasse etwa wird jeden Tag zur Weiterverarbeitung nach Lübz gefahren) und lassen sich somit auch nur in Verbindung darstellen. Eine gute Aussicht ist schon sicher: Spätestens Anfang 2014 wird ein weiteres Unternehmen aus der Döllinghareico-Gruppe - der Lieferservice für Großverbraucher - nach Lübz verlagert, ohne dafür in Elmshorn einen Beschäftigten zu entlassen. In Lübz werden dafür zwei oder drei neue Arbeitsplätze entstehen.

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