Lübz : Kinderbetreuung mit neuen Zügen

Die „Spatzengruppe“ mit den Erzieherinnen Rita Küschmann (r.) und Melanie Hirt im Bewegungsraum der Kita „Pfiffikus“, der seit dem Sommer bis vor rund vier Wochen gestaltet wurde
Die „Spatzengruppe“ mit den Erzieherinnen Rita Küschmann (r.) und Melanie Hirt im Bewegungsraum der Kita „Pfiffikus“, der seit dem Sommer bis vor rund vier Wochen gestaltet wurde

Die Lübzer Kita „Pfiffikus“ setzt auf ganztägige, frei gewählte Bewegung und die Entwicklung guter Kommunikation durch Sprache. Die Einrichtung ist „handyfreie Zone“.

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

In der Kita „Pfiffikus“, mit gegenwärtig 174 belegten Plätzen größte Einrichtung ihrer Art in der Lübzer Region, gibt es mittlerweile fast überall Anreize für die Kinder, sich zu bewegen. Der spezielle Sporttag gehört daher der Vergangenheit an. Seit den Sommerferien bis vor gut vier Wochen wurde als jüngste Errungenschaft zusätzlich ein Raum mit abgehängter Decke, neuem Fußboden und einer von Hausmeister Wolfgang  Martens aus alten Schränken selbst gebauten (!) Bühne erschaffen. Über das Aussehen hatten die Kinder und ihre Erzieherinnen vorher gemeinsam beraten. „Unser Glück war, dass uns eine Aktion des Hagebaumarktes und die Schweriner Volkszeitung bei der Finanzierung geholfen haben“, sagt Kita-Leiterin Annett Heilck. Für die Förderung ausgewählt wurde ihr in Trägerschaft des DRK-Kreisverbandes Parchim befindliche Haus, nachdem die Kinder ein Bild gemalt hatten, wie der neue Raum nach ihren Vorstellungen gestaltet werden soll.

Die 21 Erzieherinnen achten schon seit längerer Zeit vermehrt auf ganztägige Bewegung und die Ausübung von Yoga – nach ihrer Aussage beste Voraussetzungen für die Entwicklung von Kindern, die ihr Leben selbstbewusster gestalten könnten. Die Mädchen und Jungen, untergebracht in altersgemischten Gruppen von null bis drei und drei bis  fünf Jahren (Krippen- beziehungsweise Kindergartenbereich) bleibe selbst überlassen, wie, wo und mit wem sie sich betätigen wollen. Dies bedeute nicht, dass es keine festen Regeln  gibt – sowohl zusammen mit den Kindern erarbeitet als auch von den Erzieherinnen vorgegeben. „In Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis wurde beschlossen, dass die Schulstarter – je nach Geburtsdatum fünf und sechs Jahre alt – ab Januar 2016 von unserem Hort am Neuen Teich betreut werden“, sagt Ines Müller, Fachbereichsleiterin Kita beim DRK-Kreisverband.

Krönung  in jedem Jahr sind das in Zusammenarbeit mit dem Lübzer Sportverein (LSV) ausgerichtete Sportfest und das Wassergewöhnungsangebot am Kritzower See mit den Schulstartern. „Zwei Erzieherinnen sind Schwimmlehrer. Deshalb können wir das Angebot selbst leisten“, so die Leiterin. „Es dient den Kindern als Schutz. Viele haben Angst vor Wasser und Eltern sagen uns immer wieder, dass die für den Schwimmunterricht in der Schule zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreicht. Deshalb heißt es auch hier: Je früher desto besser.“ Das Thema Bewegung erachte man auch aus dem Grund als sehr wichtig, weil sich Kinder insgesamt immer weniger draußen aufhielten.

Seit diesem Jahr ist „Pfiffikus“ auch Sprach-Kita. Beweggrund für diese Erweiterung sei die Tatsache, dass digitale Medien zunehmend die Aufgabe übernehmen, die Kinder zu unterhalten anstatt ausreichend miteinander zu sprechen. „Die Kommunikation kommt immer mehr zu kurz“, meint Ines Müller. Die Kita nimmt an dem Bundesprogramm „Weil Sprache Schlüssel zur Welt ist“ teil. Bewegung und Sprache bildeten eine unverzichtbare Einheit. Wem dies bewusst sei, erreiche viel mehr Kinder mit unterschiedlichen Entwicklungsständen. Man lerne besser in guter Atmosphäre, was innere Stabilität verleihe. Sprachfachkraft Heike Siewert begleitet die Erzieherinnen bei ihrer Arbeit. Sie müssten sich den Mädchen und Jungen gegenüber auch sprachlich vorbildlich verhalten. „Wichtig ist allerdings auch, die Kinder nicht als Kleinerwachsene zu betrachten“, sagt Ines Müller. „Die Förderung findet alltagsintegriert statt.“ Fest stehe, dass Sprachkompetenz eine unmittelbare Voraussetzung für schulischen Erfolg sei.

In den beiden Eingängen der Kita gibt es Monitore, die jeden Tag mit neuen Fotos aus dem Alltag der Kinder bestückt werden. Wenn die Eltern sie abholen, können alle gemeinsam einen Blick darauf werfen. Zumindest hier muss der Nachwuchs keine Angst haben, dass das Handy am Ohr der Mutter oder des Vaters wichtiger als er ist: „Pfiffikus“ ist an den Eingangstüren als handyfreie Zone gekennzeichnet. Für Spannung sorgt in der Weihnachtszeit folgende Idee: Jeden Morgen  hängt die nächste Seite des Buches „Leo Lausenas wartet auf Weihnachten“ in einem Schaufenster. Viele sind gespannt darauf, zu erfahren, wie es weitergeht.

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