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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. Oktober 2017 | 07:39 Uhr

Südbahn in MV : Keine „Region im Abschwung“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Sprecher der Bürgerinitiative „ProSchiene“ kritisiert gleichzeitig veröffentlichte Meinung von Fraktionsvorsitzendem im Kreistag zur Südbahn

von
erstellt am 16.Feb.2015 | 22:00 Uhr

Das Greifswalder Oberverwaltungsgericht hat in der vergangenen Woche den Widerspruch der Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte gegen ein beim Verwaltungsgericht Schwerin ergangenes Urteil abgelehnt (wir berichteten). Beide Kreise wollten erreichen, dass das Land dazu verpflichtet wird, zwischen Parchim und Malchow wieder Züge einzusetzen, um den durchgängigen Verkehr auf der Südbahn aufrecht zu erhalten, was in beiden Instanzen nicht erfolgte.

In einer Umfrage unserer Redaktion unter Politikern der im Kreistag Ludwigslust-Parchim vertretenen Parteien hatte sich unter anderem auch Otto Kirchner, Vorsitzender der Fraktion „Allianz Bauern und ländlicher Raum“ geäußert. Im Gegensatz zu den anderen brachte er Wirtschaftlichkeit auch bei der Bahn mit als Hauptargument ins Spiel. Die Erhaltung einer Schienenverbindung dürfe nicht nur – so wörtlich – den Interessen Einzelner dienen und bei der Stilllegung diverser Bahnlinien im Ludwigsluster Raum habe seinerzeit auch „niemand gefragt“. Man dürfe „nicht umkippen, nur weil ein paar Leute vor der Tür stehen“, womit die Gegner der Südbahn-Schließung und die nach Kirchners Meinung umschwenkende SPD gemeint waren.

Die provokativen Äußerungen riefen Clemens Russell, Sprecher der für die Südbahn kämpfenden Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“, auf den Plan. „Den Worten, die Herr Kirchner von sich gibt, ist konsequent zu widersprechen, weil sie nicht auf der Höhe der Zeit sind“, sagte er bei einem Besuch in unserer Redaktion. „Mobilität und Bildung im ländlichen Raum sind die besten Mittel, um der Abwanderungsspirale entgegen zu wirken. Dies sollte der Fraktionsvorsitzende einer im Kreistag vertretenen Partei – egal, wie groß – eigentlich wissen.“ Anstatt das zähe Ringen um die Erhaltung der Südbahn mit genannten Worten zu attackieren, solle Kirchner „lieber gucken, welchen Flurschaden die Einstellung der Bahnlinien im Raum Ludwigslust angerichtet hat“. Zu der Reaktion Russells wollte sich Kirchner gestern nicht äußern.

Gleichzeitig sehe die BI die Aussagen von Steffen Weh-ner, Sprecher des Schweriner Energieministeriums, hinsichtlich der Übertragung des Betriebes der Bahnstrecke auf die Kreise positiv. Man dürfe nur nicht den Fehler begehen, die Bewohner dieser Region zu spät einzubeziehen.

Viele Angehörige der Landesregierung in leitender Stellung verkündeten stolz, dass sie Volljuristen seien. „Also gehe ich davon aus, dass sie sich der rechtlichen Konsequenzen auch im Falle der Südbahn genau bewusst sind“, sagt Russell. „Die sozialpolitischen und langfristig auch wirtschaftlichen Auswirkungen können damit nicht gemeint sein. Wenn man die Landespläne durchgehen lässt, drückt man unserem Wohnumfeld den Stempel Region im Abschwung auf. Und da halten wir gegen!“

Für sich sprechende Belege, dass die Forderungen der BI richtig sind, sei nicht nur, dass die entlang der Südbahn gelegenen Kommunen geschlossenen gegen deren Schließung votieren, sondern auch, dass mittlerweile tausende Menschen gegen die Teilschließung unterschrieben haben – darunter viele auch namhafte Unternehmer, die viel von Wirtschaftlichkeit verstehen müssten, um am Markt bestehen zu können.

 

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