Verkehrspolitik : Keine durchgängige Südbahn mehr

Die Hanseatische Eisenbahn bediente die Südbahn zwischen Parchim und Malchow (hier der Lübzer Bahnhof) mit ihren Triebwagen auf eigene Rechnung.
Die Hanseatische Eisenbahn bediente die Südbahn zwischen Parchim und Malchow (hier der Lübzer Bahnhof) mit ihren Triebwagen auf eigene Rechnung.

Keine Einigung: HANS stellt den Zugverkehr zwischen Parchim und Malchow bereits zum 31. März ein. Nun wird der Rücktritt des Landrats gefordert

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19. März 2015, 22:00 Uhr

Schock für die Region: Die Südbahn-Verbindung zwischen Parchim und Malchow wird nun doch eingestellt. „Gründe dafür sind die fehlende finanzielle Unterstützung durch das Land beziehungsweise der Landkreise sowie der neu eingerichtete parallele Busverkehr. Der letzte Betriebstag ist der 31. März“, sagt Tino Hahn, Vorstand Finanzen der Deutschen Eisenbahn Service AG. Trotz intensiver Gespräche zwischen dem Land, den Landkreisen und der HANSeatischen Eisenbahngesellschaft sei es bisher nicht zu einer Einigung über die Finanzierung des Bahnbetriebs gekommen: „Unter den derzeitigen Bedingungen ist der Betrieb eines eigenwirtschaftlichen Verkehrsangebotes auf der Schiene dauerhaft nicht mehr möglich. Wir bedauern die Einstellung des Bahnverkehrs zwischen Parchim und Malchow und bedanken uns bei allen, die uns mit ihrem Engagement für den Erhalt der Südbahn unterstützt haben.“ Dies gelte besonders für die zahlreichen Fahrgäste, die trotz des eingeschränkten Leistungsangebotes der Bahn treu geblieben waren.


Weiter Einsatz für Erhalt der Südbahn
 

Unabhängig von der angekündigten Einstellung werde sich HANS gemeinsam mit den Arbeitskreisen und Bürgerinitiativen weiter für den Erhalt einer durchgehenden Südbahn einsetzen. Damit verbunden sei der Erhalt der Infrastruktur auch für den Güterverkehr und der regionalen und überregionalen Anbindung der Kleinstädte an die Mittelzentren und Metropolregionen.

Die seit langer Zeit für den ununterbrochenen Erhalt der Bahnlinie kämpfende Bürgerinitiative (BI) „Pro Schiene Hagenow-Neustrelitz“ fordert jetzt den Rücktritt von Landrat Rolf Christiansen. Die Bemühungen zum Erhalt der Südbahn seien kurz vor einer intelligenten Lösung gescheitert und die Finanzierung des Bahnersatzverkehrs per Bus sei auf Dauer nicht gesichert. „Wir danken der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft für ihr unternehmerisches Engagement zugunsten eines modernen Zugverkehrs in unserer Region“, so BI-Sprecher Clemens Russell. „Die Umgangsformen der öffentlichen Verwaltung des Landkreises und der Landesregierung mit diesem Unternehmen kritisieren wir scharf.“

Oben genannte Lösung habe vorgesehen, die finanziellen Mittel für den Schienenverkehr zwischen Waren und Malchow (Betreiber Deutsche Bahn, etwa 1,4 Millionen Euro) und die Mittel für den Busverkehr zwischen Parchim und Malchow (rund 670 000 Euro) für eine durchgängige Zugverbindung zwischen Waren und Parchim unter Einbeziehung von Plau am See einzusetzen. Betreibertechnisch sei dies möglich. Landrat Rolf Christian-sen habe eine Schlüsselrolle bei der Rettung der Südbahn eingenommen, sei diesem Auftrag jedoch in keiner Weise gerecht geworden. Deshalb fordere die BI seinen Rücktritt, wozu es gestern keinen Kommentar gab. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch der Streckenabschnitt Waren – Malchow eingestellt werde. „Die Bahn ist ein Verkehrsmittel mit Zukunft. Daran arbeiten wir in unseren Landkreisen weiter“, sagt Russell. „Alle demokratischen Parteien im Land- und Kreistag, Kommunalvertreter, Unternehmen und Organisationen fordern wir auf, sich für dieses fortschrittliche Verkehrsmittel weiterhin einzusetzen.“


Entscheidung für Kreis „überraschend“
 

Günter Matschoß, Beigeordneter und Zweiter Stellvertreter des Landrates, sagte gestern auf Anfrage kurz: „Die Ankündigung der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft zur Einstellung des Bahnbetriebes zwischen Parchim und Malchow zum 31. März nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis. Aus unserer Sicht ist ein solcher Schritt überraschend, zumal in nächster Zeit weitere Gespräche zum Erhalt der Südbahn stattfinden sollen.“

Als Kreistagsmitglied meldete sich Gerd Holger Golisz zu Wort. „Man muss die Fakten beim Namen nennen. Das zuständige Ministerium zeigte bis dato keinerlei Kompromissbereitschaft, die Entscheidung des Landes zu überdenken“, sagt er. „Ungeachtet der Aktivitäten und vieler konstruktiver Vorschläge und Hinweise bestand keine Verhandlungsbereitschaft. Ich finde die Entscheidung der Landesregierung nicht richtig.“

Mit dieser Position entziehe man dem ländlichen Raum nach und nach immer mehr Infrastruktur. Mittlerweile sei die Diskussion ausschließlich auf den Punkt Finanzierung heruntergebrochen gewesen. Zur Debatte habe ein Betrag von zusätzlich 500 000 bis eine Million Euro gestanden – mit dem Hinweis, diesen durch die Städte und Gemeinden über die Kreisumlage zu decken. „Und das ist genau der Punkt. Das Land als zuständiger Aufgabenträger verschließt sich den Vorschlägen, wie man zu mehr Wirtschaftlichkeit kommen könnte und suggeriert den finanziellen Ausgleich von den Kommunen über den Landkreis durch Erhöhung der Kreisumlage“, so Golisz. „Hierzu vertrete ich eine klare Position: Das können unsere Gemeinden nicht.“

Der Politiker habe stets dahingehend große Hoffnungen in die Gespräche zwischen Landkreis und Land gesetzt, dass das Land doch einlenkt und die notwendigen Mittel für eine Kompromissvariante bereitstellt. „Die Entscheidung der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft, dieses Theater nicht weiter mitzumachen, kann ich nachvollziehen“, sagt Golisz.

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