zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. November 2017 | 00:22 Uhr

Erfolglose Suche : Keine Betreuungskräfte zu finden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Gesetz erfordert, Personal in Pflegeeinrichtungen zu vergrößern / Trotz verstärkter Anfrage keine Bewerbung ins Lübzer „Haus am Freistrom“

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 21:00 Uhr

Zusätzliche so genannte Betreuungsangebote (Auflistung weiter unten) in Pflegeeinrichtungen waren bisher Menschen „mit besonders erheblichem Bedarf“ (zum Beispiel Demenzkranke) vorbehalten. Nach einer entsprechenden Gesetzesänderung kann sie deutschlandweit seit dem 1. Januar nun allerdings jeder Bewohner etwa eines Altenheims in Anspruch nehmen, wenn er eine Pflegestufe vorweisen kann und Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung besteht. Zu Mehrkosten führt die Erweiterung für ihn nicht.

Im Haus von Kersten Hochschild etwa, Leiterin des Lübzer Seniorenpflegeheims „Haus am Freistrom“, haben alle Bewohner Anspruch auf das neue Angebot – bis auf die, die nicht krankenversichert sind. Durch die Gesetzesänderung müssen zwei zusätzliche Kräfte eingestellt werden. Wissend, welche Aufgabe sie zu erfüllen hat, versucht die Leiterin seit rund einem Vierteljahr über das Arbeitsamt, Beschäftigte zu finden, doch die Folge sorgt für Verbitterung: „Ich habe keine Bewerbungen bekommen. Dabei geht es hier um eine grundsätzlich schöne Arbeit. Ohne ungerecht sein zu wollen, muss ich durch meine Erfahrungen leider den Eindruck gewinnen, dass viele offenbar tatsächlich lieber zuhause sitzen anstatt etwas zu tun und das Interesse an Arbeit generell nachgelassen hat.“ Im Pflegebereich gelte der Mindestlohn schon deutlich länger als seit diesem Jahr und auch Stellenanzeigen in Zeitungen führten zu keiner Resonanz.

Die fünf schon eingestellten Betreuungskräfte hätten auch schon bisher Zuwendung geschenkt. Kein Bewohner sei weggeschickt worden, doch dem neuen Bedarf könne man mit unveränderter Größe nicht gerecht werden und eine Pflegekraft dazu zu überreden, auch ein bisschen zu beschäftigen, sei alles andere als ideal – selbst in einem dringenden Fall nicht.

Wer Menschen in dem jetzt geforderten Umfang betreut, müsse keine lange Ausbildung durchlaufen, sondern könne sich im Heim qualifizieren. Zu den Aufgaben gehört unter anderem, bei der Gestaltung des Zimmers und Wohnbereiches zu helfen, Kontakte und Hilfe untereinander zu fördern, Veranstaltungen, Gottesdienste und Friedhöfe zu besuchen, zu spielen, musizieren, singen, kochen, backen und zu basteln. Ziel ist vornehmlich, alles im Rahmen von Gruppenaktivitäten anzubieten, um einer drohenden oder bereits eingetretenen sozialen Isolation zu begegnen. Möglich ist aber ebenso Einzelbetreuung, etwa bei Bettlägerigkeit und der momentanen Bedürfnislage des Bewohners.

Nach einer Lehre als Hauswirtschafterin und der Arbeit in mehreren Betrieben begann Sabrina Tütünen am 1. Dezember 2010 ihre Tätigkeit als Betreuungskraft im „Haus am Freistrom“ – kein Zufall, wie sie berichtet: „Ich habe bei mir zuhause rund neun Jahre lang meine demente Großmutter bis zu ihrem Tod gepflegt. So bin ich auf dieses Krankheitsbild gekommen und das Erlebnis war ausschlaggebend für meinen weiteren Weg.“

Die junge Frau ließ sich zusätzlich ein halbes Jahr lang zum Betreuungsassistenten ausbilden, erhielt auf Bewerbungen hin nach eigener Aussage jedoch nur Absagen. In Lübz hatte sie sofort Erfolg und bekam die Chance, sich zu beweisen. „Es war die absolut richtige Entscheidung. Alle arbeiten gut zusammen und die Tätigkeit an sich macht unter anderem so schön, wie viel man über das Leben der Bewohner erfährt und ihnen Freude schenken kann, was sie deutlich zeigen“, sagt die 35-Jährige. Miteinander zu reden stehe an erster Stelle und wer zum Beispiel einmal in den Arm genommen und gedrückt werde, lasse seiner Dankbarkeit freien Lauf: „Was zurückkommt, ist sehr schön. Ich gehe mit Freude zur Arbeit.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen