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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 01:15 Uhr

Ernte 2017 : Karbower Betrieb setzt auf Erbsen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Geschäftsführer Siegfried Schwager äußert sich über die Ernte 2017, die Vorbereitungen fürs kommende Jahr und die Milchkrise

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 20:45 Uhr

Arbeitsreiche Wochen liegen hinter Siegfried Schwager und seinen Kollegen. Der Geschäftsführer der Karbower Agrargenossenschaft hat dennoch alle Hände voll zu tun. Vieles, was früher in der Landwirtschaft seine festen Zeiten hatte, spitzt sich heutzutage immer mehr zu. „Der September ist unser arbeitsreichster Monat. Mit den kommenden Wochen wird es jetzt weniger“, erzählt Siegfried Schwager. Derzeit aber fahren die Erntefahrzeuge des Betriebes immer noch Land auf, Land ab. Auf einigen Flächen steht noch der Mais, der geerntet werden muss. Bevor die „Winterpause“ in der Landwirtschaft anfängt, muss noch einiges gemacht werden. Zu tun gibt es immer – übrigens auch im Winter. Momentan gilt aber vielmehr, die Äcker für die kommende Ernte 2018 zu bestellen. Keine leichte Aufgabe, auch hier ist der Betrieb aus Karbow vom Wetter abhängig.

Ernte 2017 eher durchschnittlich

Wie ein roter Faden zieht sich die Nässe durchs Jahr 2017. „Im Frühjahr sah es noch gut aus“, weiß der Geschäftsführer. Dann aber kam der Regen, der irgendwie nicht enden wollte. „Noch heute stehen gut drei Hektar Wintergerste auf unseren Flächen. Die werden wir auch nicht mehr runter bekommen“, sagt Siegfried Schwager. Mancherorts sind wieder einmal die Böden nicht zu befahren – zu nass. Grundsätzlich zieht Siegfried Schwager für seinen landwirtschaftlichen Betrieb ein ernüchterndes Fazit: „Die Ernte bei der Wintergerste ist unterdurchschnittlich ausgefallen.“ Der Karbower Betrieb erntet langjährig gesehen im Schnitt 60 Doppelzentner Wintergerste – in diesem Jahr sind es lediglich 53 Doppelzentner gewesen, 700 Kilo weniger. „Auch die Ernte beim Winterraps ist nicht zufriedenstellend gewesen.“ Eine knappe Null komme unterm Strich dabei heraus. Dennoch: Einen kleinen Lichtblick gibt es. Der Winterraps lag in Karbow  knapp zehn Doppelzentner über dem Vorjahr. In diesem Jahr haben die Landwirte gut 27,5 Doppelzentner vom Acker holen können. „Um die 30 Doppelzentner müssen wir aber erreichen, um zukunftsfähig zu sein.“ Schließlich hängen viele Familien vom Erfolg des Betriebes ab.

Genau durchschnittlich ist dagegen die Ernte des Weizens ausgefallen. „Wir setzen in unserem Betrieb mehr auf den Eliteweizen. Der bringt zwar weniger Masse, aber höhere Qualität“, erläutert Siegfried Schwager. Der Eliteweizen – auch E-Weizen genannt  – liefert mindestens 14 Prozent Proteine. Dafür gibt es dann auch bessere Preise. Dennoch waren die Körner allesamt in diesem Jahr zu leicht. „Das ist ein generelles Problem. Und: Wir haben kaum Alternativen zu unseren Hauptfrüchten Gerste, Raps und Weizen“, verdeutlicht der Karbower. Deshalb hat Siegfried Schwager in diesem Jahr nicht nur den Mais-Anbau ausgedehnt, sondern vor allem auf eine Frucht gesetzt – die Erbse. „Viele haben davon abgeraten, aber uns hat es dieses Jahr eine gute Ernte beschert.“ Seit fünf Jahren betreibt der Betrieb Erbsenanbau erfolgreich. Ein weiterer Vorteil: Siegfried Schwager muss weniger Futter für seine Milchkühe kaufen, die fressen nämlich die geschroteten Erbsen. Dennoch steht für den Karbower Geschäftsführer eines fest: „Es ist nicht ratsam nur noch auf Mais zu setzen und alles in die Biogasanlagen zu geben.“

Vorbereitungen aufs nächste Erntejahr

In den kommenden Wochen hofft Siegfried Schwager auf weiterhin gutes Wetter. Trocken vor allem. Schließlich sind noch nicht alle Felder für die nächste Ernte bestellt. „Die Herbstbedingungen waren schwierig. Zu nass, zu wenig Sonne. Wir haben auf Flächen Probleme mit der Befahrbarkeit gehabt, auf denen wir noch nie Probleme hatten.“ Termingerecht wurde die Gerste in den Boden gebracht, auch der Raps sieht schon gut aus. Beim Weizen allerdings haperte es bereits wieder. „Die Landhändler kamen nicht mit den Lieferungen des Saatgutes ran.“ Ebenfalls eine Auswirkung der diesjährigen Ernte. Kurz vor Toreschluss Ende September konnte der Weizen gedrillt werden. „Jetzt muss nur noch der Weizen in den Boden, der nach dem Mais kommt“, sagt Siegfried Schwager.

Einen schweren Rucksack hat die Karbower Agrar eG noch immer zu tragen. Vor allem beim Milchpreis. Derzeit liegt der Preis bei 40 Cent pro Liter. Doch zwei Jahre Milchkrise können damit nicht aufgefangen werden. Hinzu kommen schlechtere Ernten von 2016 und dieses Jahr. Keine leichte Aufgabe für einen ländlichen Betrieb.  Vor allem da niemand sagen kann, wie im kommenden Jahr Wetter und Ernte ausfallen werden. Siegfried Schwager aber hofft weiterhin.

 

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