zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. September 2017 | 09:05 Uhr

Engagement : Kampf um Südbahn geht weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

SVZ-Gespräch mit Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiatiave „ProSchiene“, nach Abweisung der Landkreis-Klage gegen das Land

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Wie bereits kurz gemeldet, wird die Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ weiter aktiv bleiben – unabhängig davon, dass das Verwaltungsgericht Schwerin am 18. Januar die Klage der Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim zur Südbahnabbestellung abgewiesen hat. BI-Sprecher Clemens Russell äußerte sich in einem Gespräch mit der SVZ unmissverständlich: „Die Klage ist nur ein Weg, nicht alles. Wir haben auch diesen Schritt immer befürwortet, jedoch nie Zweifel daran gelassen, dass Proteste bei uns immer auf der Tagesordnung stehen werden.“ Als Nichtjurist habe der Sprecher allerdings schon gehofft, dass das Gericht das Verfahren anzweifelt und der „Abwälzung von so großen Aufgaben auf die nächstniedrigere Ebene einen Riegel vorschiebt“. Hauptfrage in der Klage sei nämlich gewesen, ob das Land die Schülerbeförderung auf genanntem Teilstück einseitig einstellen und die Landkreise dazu verpflichten könne, einen Ersatzverkehr einzurichten. Auch Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein hatte in der Vergangenheit unter anderem mehrfach kritisiert, dass viele junge Leute nicht mehr gut zur Berufsschule nach Parchim kommen.

In der Geschichte der Rechtsprechung gebe es noch keine vergleichbare Entscheidung. Sobald die Begründung vorliege, werde nach ihrer Auswertung zwischen den Landkreisen der weitere Verfahrensweg abgestimmt. Russell befürworte ausdrücklich die Einrichtung des Rufbussystems, weil es für dezentral gelegene Orte ein großer Mobilitätsfortschritt sei. Allerdings sei ein zentrales Anliegen der BI, dass die Busse zu Zügen und nicht wie jetzt zum Busbahnhof fahren – geschieht deshalb, weil von dort die als Ersatzverkehr für die zwischen Parchim und Malchow stillgelegte Südbahn eingerichtete Linie 77 verkehrt. Die BI fordert, die Südbahn wieder komplett nutzbar zu machen.

Jetzt sei auch der Fortbestand des Teilstücks Malchow – Waren massiv in Gefahr und die ODEG registriere zwischen Parchim und Ludwigslust einen Rückgang an Fahrgästen. „Salamitaktik“, sagt Russell. „Erst legt man das am besten genutzte Teilstück still, wohinter nur Schädigungsabsicht stecken kann, und verschlechtert damit das Angebot – auf einer vergleichsweise kurzen Strecke zwischen Bus und Zug wechseln zu müssen ist unattraktiv – was viele dazu bewegt, nicht mehr mit der Bahn zu fahren. Dann wird wieder gezählt und gesagt, dass sich die Bahn absolut nicht mehr lohnt, was ein völlig falscher Eindruck ist. Unser Bundesland betreibt Bahnpolitik aus der Steinzeit!“ Die Wiederinbetriebnahme/Erhaltung der Südbahn sei eine große Chance für vier an die Trasse und selbst kompakt aneinander grenzende Landkreise: Ludwigslust-Parchim, Mecklenburgische Seenplatte, Prignitz und Rostock – gerade unser wegen des Anschlusses an die neue Metropolregion Hamburg im Westen und Berlin im Osten, was Innovation und Weiterentwicklung ermögliche. „Auch angesichts von mehr als 700 000 Übernachtungen im Raum Plau am See – Malchow – Waren im vergangenen Jahr können wir es uns nicht erlauben, eine so gute Infrastruktur vor die Hunde gehen zu lassen!“, sagt Russell. Am Rand gelte es, sich um die oft in einem „fürchterlichen Zustand“ befindlichen Bahnhöfe zu kümmern.

Vornehmlich müsse man ein bezahlbares Verbundticket für Bahn und Bus anbieten und aufhören, „Kirchturmpolitik“ zu betreiben: „Jeder Landkreis hat sein eigenes System, was nicht gut ist. Und letztens musste meine Frau nach Neustadt-Glewe. Also zunächst mit der Buslinie 77 bis Parchim und dann mit der Bahn weiter, was trotz Bahncard 25 insgesamt noch 8,80 Euro kostete – ein Wahnsinn!“

Die Richtigkeit der vom Landkreis auf dem „Südbahngipfel“ in Plau am See (wir berichteten) genannten Zahlen vorausgesetzt, seien allein auf dem Teilstück Parchim – Lübz auch für den dort jetzt verkehrenden Bus zwischen 300 und 400 Fahrgäste verloren gegangen. „Fest steht für mich aber ebenfalls, dass auch der Rufbus nicht gekommen wäre, wenn sich die BI und die Bürger nicht so massiv für den ÖPNV eingesetzt hätten“, sagt Russell. Die Südbahn sei ein Zukunftsprojekt für alle umliegenden Regionen, zu dem auch die Wiederbelebung der Strecke Pritzwalk – Güstrow gehöre.

Weil überparteilich und wegen ihrer tausenden Unterstützer aus den unterschiedlichsten Bereichen sei die BI für die Politik spürbar kompliziert: „Wir sind keine rückwärts gerichteten Bahnnostalgiker, sondern eine Herausforderung, ungewohnt schwer zu greifen und argumentieren fachlich fundiert. Wegen einer negativen Entscheidung hören wir nicht auf und sind nicht so naiv zu glauben, dass wir nicht auch auf anderen Ebenen etwas erreichen können.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen