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Bahnlinie Hagenow - Neustrelitz : Kampf gegen Bahnschließung

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Die Bahnverbindung Hagenow – Neustrelitz war Thema einer Beratung in Lübz. Politiker und Einwohner überlegen, wie sich eine Schließung verhindern lässt.

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2012 | 09:41 Uhr

lübz | Die seit mehreren Monaten als Eventualität im Raum stehende Schließung der Bahnlinie Hagenow - Neustrelitz sorgt weiter für Unruhe. Einen besonders deutlichen Hinweis auf eine mögliche Zukunft ohne Schienenverkehr in genanntem Raum sehen Kritiker in dem Fakt, dass das Land die Ausschreibung der Strecke für die Bewirtschaftung ab 2014 im Februar zurückgezogen hat. Bis 2013 ist sie durch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (ODEG) abgesichert, die Versorgung in der Zeit danach stehe gegenwärtig "in den Sternen".

In dieser Woche hatte Dr. Martina Bunge, Bundestagsabgeordnete der Linken, in Lübz dazu eingeladen, unabhängig von Parteizugehörigkeit gemeinsam über das Thema zu beraten. An dem Termin nahmen neben diversen Einwohnern unter anderem auch drei Stadtvertreter aus Lübz und Plau am See sowie ein Kreistagsabgeordneter teil. "Ich bin Lokführer bei der ODEG und habe als Privatmann unter anderem in Hotels der Seenplatte Unterschriftenlisten verteilt", sagte Gunther Maaß. "Auch wegen des in dieser Hinsicht großen Erfolges bin ich davon überzeugt: Dort ist man aufgewacht. Im Raum Hagenow/Parchim/Lübz schläft man."

Dem immer wieder angeführten Argument, dass die Züge zu wenig besetzt seien, steht auch Maaß skeptisch gegenüber. Verkehrszählungen habe man beispielsweise dann vorgenommen, wenn wegen Baustellen eh erheblich weniger Gäste mit dem Zug fuhren. Neben diesen bewusst nach unten gedrückten Zahlen wirke sich fatal aus, dass es zwischen den verschiedenen politischen Ebenen Kommune, Landkreis und Land keine einheitliche Meinung gebe: "Bei einem Busunternehmen im Raum Hagenow entscheidet zum Beispiel ein Landtagsabgeordneter mit, der gar kein Interesse am Erhalt der Bahn hat. Oft geht es in Diskussionen nur um die Konkurrenz Bus gegen Bahn. Wichtig ist jedoch, alle Gemeinden und die Menschen vor dem Geld zu sehen!" Von zentraler Bedeutung sei, dass mehrere Partner etwas gemeinsam unternehmen. "Hier geht es um ein allgemeines Interesse, bei dem nicht jeder sein Ding machen darf. Einzelne Aktionen werden belächelt", so Maaß.

Als durchweg positiv bewerteten die Besucher die in Malchow gegen eine mögliche Schließung gebildete Bürgerinitiative "Pro Schiene Mecklenburgische Seenplatte", was gerade auch in Verbindung mit der Sammlung zahlloser Unterschriften Aktion zeige. Auf die Frage eines älteren Besuchers, was in Lübz unternommen worden sei, antwortete Stadtvertreter Gerd Vorhauer, dass sich auch hier Bürgermeisterin wie Abgeordnete in einer Sondersitzung am 9. Mai einstimmig für den Erhalt der Bahnverbindung aussprachen (wir berichteten). Gudrun Stein nahm außerdem mit dem Malchower Amtskollegen Kontakt auf und kurz nach der Sitzung sei ein Schreiben an Landesverkehrsminister Volker Schlotmann gegangen, das ihn über die Willensbekundung des Lübzer Kommunalparlamentes unterrichtete.

"Die Antwort des Ministers ging bereits am 14. Juni bei uns ein und wurde eine Woche später in der Stadtvertretung verlesen", sagt die Bürgermeisterin. In dem Brief steht unter anderem, dass "fälschlicherweise der Eindruck entstanden" sei, dass es auf der Strecke Hagenow - Neustrelitz zu "Abbestellungen des gesamten Verkehrs spätestens nach 2014" kommen werde. Dies treffe so nicht zu. Ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember wolle man "lediglich einzelne Leistungen auf Teilabschnitten außerhalb der Hauptverkehrszeiten" abbestellen. Schlotmann regte an, dass die betroffenen Landkreise gegebenenfalls einen "Runden Tisch Verkehr" einberufen. "Auf der jüngsten Stadtvertretersitzung wurde ich danach gefragt, ob er schon stattgefunden hat, was ich verneinte", sagt Gudrun Stein. "Ich habe die Angelegenheit daraufhin noch einmal im Landratsamt hinterfragt, ein Kreistagsmitglied erkundigte sich zudem im letzten Kreisausschuss. Etwas Neues gibt es noch nicht. Auf jeden Fall kümmern wir uns um das Thema. Wichtig ist, dass das neue Nahverkehrskonzept fertig wird. An ihm werden auch wir uns beteiligen."

Dr. Bunge sieht ein gravierendes Pro-blem darin, dass immer wieder behauptet werde, die Bahn sei unwirtschiftlich, ohne konkrete Zahlen vorzulegen. Zudem bekomme das Land so genannte "Regionalisierungsmittel" vom Bund, um auch die Bahn fördern zu können. 2011 lagen sie bei 231, in diesem Jahr betrage die Summe sogar 253 Millionen Euro. Nach einem Absinken auf 238 Millionen 2013 sollen sie 2014 erneut steigen - dann um genau vier Millionen Euro.

Busse könnten die Bahn nach Meinung der Besucher nicht annähernd ersetzen. In ihnen sei es nicht möglich, Fahrräder zu transportieren, selbst ein Kinderwagen werde schon zum Problem, sie seien schnell voll und es gebe keinen Platz für Behinderte. Zudem bräuchten gerade Ältere eine Verbindung, bei der sie nicht kompliziert umsteigen müssen. Als weiteren Punkt sprach Gerd Vorhauer an, dass das immer wieder geforderte Zusammenspiel von Bus und Bahn in Lübz "eine blanke Katastrophe" sei. Wer vom ZOB zum Bahnhof wolle, müsse die halbe Stadt durchqueren.

Einige Teilnehmer erklärten sich als erste Maßnahmen unter anderem dazu bereit, mit der Stadt Malchow Kontakt aufzunehmen und eine gemeinsame Initiative beider betroffener Landkreise zu erarbeiten. Sollte das Thema Bahnschließung nicht auf der Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung am 6. September stehen, möchte es der Abgeordnete Karl-Heinz Stief zur Sprache bringen.

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