Wangeliner Garten : Kalkputz mit allen Facetten

Mit großer Sorgfalt brachten die Kursteilnehmer Schmetterlingsbilder auf. Fotos: Horst Kamke
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Mit großer Sorgfalt brachten die Kursteilnehmer Schmetterlingsbilder auf. Fotos: Horst Kamke

Die “Europäische Bildungsstätte für Lehmbau“ beginnt im Wangeliner Garten mit ihrem diesjährigen Veranstaltungsprogramm.

svz.de von
12. April 2015, 20:07 Uhr

Am vergangenen Sonnabend ging im Wangeliner Garten ein Kurs der „Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau“ zu Ende, bei dem das Café-Gebäude mit Kalkputz versehen und dieser Putz mit Schmetterlingen verziert wurde. Kursleiterin war Solène Delahousse.

Die französische Spezialistin hatte sich 1992 in ein italienisches Fresko verguckt und wollte unbedingt dessen Herstellungstechnik erlernen. Auf vielen Baustellen machte sie Praktika und nahm an Workshops und Seminaren teil. Dabei erweiterte sie ihr handwerkliches Können um die italienische Stucco- und marokkanische Tadelakt-Technik. Zuletzt ließ sie sich in Nantes zwei Jahre lang zur Restauratorin ausbilden, die alten Gebäuden zu neuem Glanz verhilft. „Dabei schwöre ich auf Kalkputz.“ Im Rathaus des 19. Bezirks von Paris restaurierte sie das Trauzimmer, im 4. Bezirk ein Fresko einer Kirche. Seit 1995 leitet sie Kurse und erteilt Unterricht. Ihr Wissen hat sie bislang in drei Büchern veröffentlicht.

Das Café im Wangeliner war als achteckiger Strohballen-Bau errichtet und mit einem Lehmputz versehen worden. Darauf wurde jetzt ein Außenmörtel aus Kalkputz aufgebracht und mit einer Lage Oberputz versehen, ebenfalls auf Kalk-Basis. In die noch feuchten Wände wurden die Konturen von übergroßen Schmetterlingen und Libellen eingeritzt. Diese „Zeichnungen“ wurden dann mit farbigem Kalkputz detailreich zum Leben erweckt. Für das Einfärben des Kalks kamen einzig mineralische Pigmente und keine Oxide zum Einsatz. Sobald der Kalk trocknet, karbonisiert seine Oberfläche, wird haltbar und schützt die Farben. „Die Fresken der Sixtinischen Kapelle aus dem 15. Jahrhundert sind heute noch faszinierend.“

Heute beginnen Solène Delahousse und andere Kursteilnehmern damit, die Theke im Café-Inneren mit Tadelakt zu verzieren. Das sind farbige Putzflächen aus marokkanischem Marmorkalk. „Die schimmernden, leicht welligen und lebendigen Oberflächen üben eine große Anziehungskraft aus.“ Im April ist das Café bereits an den Wochenenden geöffnet.
Die „Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau“ hat seit Jahresbeginn ihr Büro in Wangelin in der Dorfstr. 26 direkt neben der Lehmbauwerkstatt eingerichtet. Dort berät Dorothee Weckmüller über die Kurse, Programme und Bauvorhaben. Etliche Kurse sind zertifiziert. Nach fast 200 Ausbildungsstunden und erfolgreicher Abschlussprüfung sind ihre Absolventen berechtigt, sich „Gestalter für Lehmputze“ zu nennen und können sich sogar selbstständig machen. Höhepunkt im diesjährigen Veranstaltungskalenders ist am 18. Juli der Lehmbautag mit Gästen aus ganz Europa. Das aktuelle Jahresprogramm gibt es in gedruckter Form oder im Internet unter der Adresse www.fal-ev.de oder www.earthbuilding.eu

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