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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. Oktober 2017 | 21:25 Uhr

Freizeit : Junge Leute - ganz spontane Sitten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kinder- und Jugendzentrum Plau: Teenager scheuen langfristige Planung. Projekte wie eine Zirkuswoche werden dennoch angeschoben

von
erstellt am 21.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Einen Halb- oder gar Jahresplan mit feststehenden Terminen, den gibt es im Plauer Kinder- und Jugendhaus nicht. „Wir sind spontan“, sagt Tom Küstner, Amtsjugendpfleger und Leiter des KiJuZ. Und meint damit, dass er und Jugendsozialarbeiter Christoph Rusch, der seit fast einem Jahr das pädagogische Doppel im Jugendclub voll macht, begreifen, wie junge Leute heute ticken.

„Es war ein Lernprozess“, sagt Küstner. Einer, der manchmal auch wehtat. Etwa, als letzten Sommer eine mehrtägige Radtour und die Fahrt nach Warnemünde abgesagt werden mussten. Von den ca. 35 bis 40 Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren – die unter der Woche regelmäßig zum Kickern, Tischtennis, zum gemeinsamen Kochen, Fußballspielen oder einfach nur zu Chillen kommen – hatten sich weder für das eine noch das andere ausreichend Teilnehmer gefunden. An den Preisen lag’s nicht, die waren moderat. Was fehlte, war die Motivation. „Es ist halt eine andere Generationen. Unsere Maßstäbe von vor Jahrzehnten passen nicht mehr“, hat Tom Küstner akzeptiert. Trotzdem haben sich der Chef im Ring und sein Vize Projekte überlegt, die sie anstoßen wollen. So könnten, wenn alles klappt, interessierte Plauer Kids im Sommer bei einer Zirkuswoche mitmachen. „Wir versuchen, den Berliner Zirkus Cabuwazi nach Plau zu holen. Das ist ein Mitmachzirkus für Kinder und Jugendliche und ein schönes Projekt“, sagt Küstner. Wer hier dabei ist, kann artistische Elemente lernen, jonglieren, übt Figuren, Sprünge, Salti… „Das passt ganz genau auf unsere Leute“, sagt Christoph Rusch. Seine Sportlehrerausbildung reichte aus, um den Kids auf dem Trampolin in der kleinen Sporthalle hinter dem Club vieles beizubringen. Längst aber ist er an seine Grenzen gestoßen. „Sie können viel mehr als ich, und wenn sie dann Salti mit Schraube machen, bekomme ich echt Bauchschmerzen. Kriegen wir Cabuwazi her, könnten sie unter fachmännischer Anleitung bis zur Vorstellung gebracht werden.“ Was das wohl mit ihrem Selbstbewusstsein macht, freut sich Christoph Rusch über die Option. Bis dahin, nämlich im Februar schon, will er erstmal mit 14 Kids in den Trampolin-Park nach Berlin. Mehr Plätze waren leider nicht drin.

Doch da sind ja auch noch andere Projekte. Noch nicht alt, aber um so besser angelaufen ist das Projekt Junge Archäologen. Weil es schwierig ist, die Mädchen und Jungen für regelmäßige und verbindliche Termine über eine längere Zeit zu gewinnen, war Tom Küstner mit dieser AG an die Schule gegangen. Und hat die Entscheidung nicht bereut.

Im Club selbst werden die Vor-Ort-Angebote wohl auch weiterhin das Rennen machen. Da sind sich Küstner und Rusch einig. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht auch wieder mal auf die Kegelbahn im Haus der Jugend in Parchim, ins Kino oder auch zum Shoppen nach Schwerin geht. „Solche spontanen Aktionen, kleine Sachen, die für wenig Geld regional erreichbar sind, kommen bei unseren Leuten super an“, weiß der Jugendclubleiter.

Auf den letzten Schliff wartet der ehemalige Computerraum. Anstelle der Rechner, die in den offenen Bereich gewandert sind, soll das einstige Kabinett Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, Skat- und Doppelkopf-Zone werden. „Viele unserer Leute kennen so etwas wie gemeinsame Spielnachmittage oder -abende, wie sie früher und auch heute noch in vielen Familien gepflegt werden, nicht. Mit unserem neuen Spieleraum wollen wir sie initiieren“, kündigt Tom Küstner an.

Bei der Überlegung, wie man vielleicht auch wieder die 17- und 18-Jährigen, an den Club binden könnte, kam Küstner und Rusch die Idee, einen Kraftraum einzurichten. Dank privater Angebote wird das finanziell zu stemmen sein. „Was uns fehlt, ist jemand mit Kenntnissen im Krafttraining, der Lust hat, mit den jungen Leuten zu arbeiten. Wenn da jemand ist – wir sind täglich 11 bis 19 Uhr, freitags bis 20 Uhr im Club zu erreichen“, so Rusch.

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