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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 22:44 Uhr

Benefizkonzert : Jonathan Watts begeistert Zuhörer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Heute endet seine Konzertreise mit seinem Orgel-Spiel in Malchow. Der Auftakt in Plaus St. Marienkirche war bereits ein voller Erfolg.

Die Reise beginnt: Kräftige Töne entweichen den mehr als 1500 Pfeifen der Friese-Orgel in der Plauer St. Marienkirche. Johann Sebastian Bach übernimmt das Zepter zu Beginn des ersten Konzertabends einer dreitägigen Konzertreise des britischen Organisten Jonathan Watts. Doch es ist nicht nur eine Konzertreise, sondern auch eine Zeitreise durch die einzelnen Jahrhunderte. Jonathan Watts präsentiert Werke aus den verschiedensten Zeitepochen. Die drei Benefizkonzerte in den Kirchen von Plau am See und Schwaan sowie im Orgelmuseum Malchow sind irgendwie auch eine Reise zu Freunden. Jonathan Watts, britischer Organist, hat sich bewusst nicht nur für deutsche Komponisten entschieden, sondern auch für britische. Gemeinsam reist er mit seinen Zuhörern auch in die Tudorzeit. Er nimmt sie mit auf seine musikalische Reise auf den Instrumentenköniginnen der Region.

Die Musik entweicht der Plauer Orgel, die 1879 erbaut und 1980 von der Firma Nußbücker (Mecklenburger Orgelbau) erweitert und umgebaut wurde. Die Musik ist nicht nur zu hören, sondern auch unter den Fußsohlen zu spüren. Die Holzdielen in den Sitzreihen der Kirche vibrieren leicht, schwingen mit jedem Ton mit, den Jonathan Watts auf der Orgel spielt – nicht bei jedem Lied. Denn der Brite kann auch leise. So zeigt er sein ganzes Können auf den deutschen Königinnen unter den Instrumenten. Denn die britischen Orgeln unterscheiden sich doch sehr von den deutschen. „Außer bei den Stücken von Bach und Händel habe ich das Pedalwerk noch nicht benutzt“, gibt er in seiner Erklärung zu seinen Stücken zu. Unter der Herrschaft Heinrichs VIII. wurden Kirchen zerstört, Klöster aufgelöst. Auch Orgeln verschwanden dadurch.

Es ist mucksmäuschenstill in der St. Marienkirche. Die gut 80 Konzertbesucher lauschen gespannt dem Spiel von Jonathan Watts und sind begeistert. Auch Pastor Stephan Poppe bringt dieses zum Ausdruck. „Wenn Sie wieder einmal einen Abend mit uns verbringen wollen, sind Sie herzlich eingeladen“, sendet er die Einladung nach oben zu Jonathan Watts. Vor wenigen Monaten, als Dr. Claus Cartellieri aus Dobbertin an den Plauer Pastor mit der Bitte um ein Benefizkonzert an ihn herangetreten war, war Stephan Poppe noch skeptisch. „Ich wollte ihm das Konzert ausreden. Habe ihm gesagt, dass mehr als 20 Leute nicht kommen werden. Und jetzt stehe ich vor so vielen Menschen. Das freut mich sehr. Denn auch die Dobbertiner wollen ihre Orgel wieder klingen hören. Deshalb unterstützen wir dieses Projekt“, erläutert Pastor Poppe.

Der letzte Ton ist gespielt. Die Holzdielen schwingen unter den Füßen mit dem letzten Klang des letzten Liedes mit. Dann herrscht Stille. Eine Stecknadel könnte jetzt jeder zu Boden fallen hören. Dann Applaus. Stehende Ovationen für einen einzigen Mann an diesem Abend: Jonthan Watts aus Großbritannien. Eine Zugabe hat er ebenfalls einstudiert. Dann endet zunächst einmal die musikalische Reise. Jonathan Watts fühlt sich gut. „Meine Hände sind jetzt endlich warm“, sagt er und lächelt. Das Publikum ist begeistert. „Fantastic“, „brilliant“ sagen sie ihm in seiner Muttersprache Englisch, als sie die St. Marienkirche verlassen. Mehr als 778 Euro sind an diesem ersten Konzertabend für die Dobbertiner Orgel zusammen gekommen. Heute Abend geht die Reise mit dem dritten Konzert zu Ende. Um 19.30 Uhr spielt Jonathan Watts im Orgelmuseum Malchow. Danach tritt er seine Heimreise an – nach England. Auch dort wollen noch mehr für das Dobbertiner Orgelprojekt spenden. „Darüber freue ich mich sehr. Ich hätte nie mit so viel Geld am ersten Abend gerechnet“, sagt Claus Cartellieri nach dem Konzert. Jonathan Watts Reise auf Instrumentenköniginnen Mecklenburgs endet heute Abend – zunächst. Doch die Reise für die Dobbertiner Orgel geht weiter – auch sie soll so schön wieder klingen. Vielleicht kommt Jonathan Watts wieder. Seine Zuhörer würden sich freuen, ihm einmal mehr zu lauschen – vielleicht auf einer neuen Orgel in Dobbertin.


 

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