Kreiener Eselstreit geht weiter : Jetzt schlägt der Beschuldigte zurück

<strong>Das Verfahren gegen</strong> Dr. Sieghard Asmus, hier  mit seinen Eseln, ist eingestellt.<foto>Ilja Baatz</foto>
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Das Verfahren gegen Dr. Sieghard Asmus, hier mit seinen Eseln, ist eingestellt.Ilja Baatz

Er sollte Esel misshandelt haben, aber das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Jetzt verklagt Dr. Sieghard Asmus, Eigentümer des Ferienparks in Kreien Ausbau, die Tierfreunde, die ihn anzeigten.

svz.de von
17. Januar 2013, 10:23 Uhr

Kreien Ausbau | Wende im "Eselstreit" (wir berichteten): Das von Thomas Bardenhagen vom Noteselhilfe-Verein angestrengte Verfahren gegen Dr. Sieghard Asmus, Eigentümer des Ferienparks in Kreien Ausbau, ist - so die offizielle Begründung - "ohne Feststellung einer Schuld" eingestellt worden. "Nach Aktenlage liegt nichts gegen Sie vor", heißt es im abschließenden Schreiben der Staatsanwaltschaft. Jetzt kontert Asmus: "Vor allem auch wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung habe ich nicht nur Strafanzeige gegen Herrn Bardenhagen, sondern auch gegen drei Frauen erstattet. Durch ihr Verhalten haben sie dem Ruf meines Unternehmens und meiner Person schweren Schaden zugefügt, was ich nicht auf mir sitzen lasse."

Zunächst hatten Bardenhagen und seine Mitstreiter vor längerer Zeit Strafanzeige gegen den Kreiener erstattet, weil dessen Esel noch vor einem Jahr "mehr als notleidend" gewesen seien. Angesichts der Tatsache allerdings, dass der Ferienhof am Ende einer langen, in die Einsamkeit führenden Straße liegt, an der man demzufolge nichts im zufälligen Vorbeifahren sieht, stellt sich die Frage: Wie kamen sie zu diesem Urteil? "Auf dem Hof wohnende Urlauber und jemand, der sich zeitweise um die Tiere kümmerte, machten uns auf die Situation aufmerksam", sagt Bardenhagen. "Deshalb fuhren wir hin, wo Herr Dr. Asmus uns dann alles von sich aus zeigte. Fakt ist: Die älteren Tiere sahen äußerlich schlecht aus, hatten nur einen schlechten Unterstand zur Verfügung und wenn wir nicht mit Nachdruck darum gebeten hätten, ein Kalb sofort trocken unterzustellen, wäre es bald darauf tot gewesen. Wir beruhigten uns einigermaßen, als der Eigentümer das Tier in einem baufälligen Schuppen unterbrachte, nachdem er dort etwas Gerümpel beiseite geräumt hatte." Anschließend setzten sich die Eselliebhaber mit dem Veterinär- und Ordnungsamt in Verbindung, um ihre grundsätzlichen Bedenken zu äußern.

"Darauf freuen wir uns, dem sehen wir ganz gelassen entgegen", sagt Bardenhagen auf die Frage, wie er dazu stehe, dass Dr. Asmus jetzt ihn angezeigt hat: "Das geht aus wie das Hornberger Schießen und dauert dann möglicherweise lange. Ich stehe weiter zu dem, was ich gesagt habe."

Dr. Asmus beklagt unter anderem, dass sich die Staatsanwaltschaft "bis aufs Messer gewehrt" habe, ihm den genauen Inhalt der Strafanzeige gegen ihn auszuhändigen. Dies sei erst auf wiederholte Nachfrage hin geschehen, woraufhin feststand, dass "im Grunde alle Punkte Falschaussagen enthielten, auf die ich hinwies". Bardenhagen sagt, dass nur ein Verteidiger wie etwa ein Rechtsanwalt Einsicht erhalte, weil die Anzeige Bestandteil der Ermittlungsakte sei, die schon aus Vorsicht nicht jedem zugänglich gemacht werde. Dr. Asmus hätte dieser Punkt bekannt sein müssen. Letztgenannter widerspricht: "Wie man sieht, ist auch das falsch! Ich bin ja an den Text herangekommen. Meine Erklärung: Ich habe jedes Mal parallel einen Durchschlag meiner Schreiben ans Justizministerium geschickt. Letztlich hat vermutlich der in Rostock sitzende Generalstaatsanwalt Druck ausgeübt."

Fast ein Jahr lang wurde gegen Dr. Asmus ermittelt. Ein Foto, das den Ur-Vorwurf des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz - in diesem Fall Enge - belegen sollte, zeigt einen zwischen einem Steinstapel und einem Asthaufen stehenden Esel, das Bardenhagen eigener Aussage zufolge mit der Erlaubnis des Eigentümers aufgenommen habe. "Wie so vieles andere ebenfalls eine Lüge!", sagt dieser. "Es kennzeichnet überhaupt nicht die wahre Situation, weil den fünf Tieren ein rund 20 000 Quadratmeter großes Gelände zur Verfügung steht - ein Zehntel reicht eigentlich. Dass sich eines an der gezeigten Stelle aufhält, ist völlig untypisch und offensichtlich manipuliert." Dass das Foto gestellt sei, hält Bardenhagen wiederum ebenfalls für gelogen.

Zu sagen, die Stute habe ihr wegen starker Unterkühlung in einen "lebensbedrohlichen Zustand" gekommenes Fohlen aufgegeben, sei eine falsche Behauptung, meint der Tierbesitzer, der schon damals geplant habe, aus dem Unterstand einen festen Stall zu bauen. Kein Tierarzt habe den Vorwurf bestätigt. Tatsächlich kann Dr. Asmus einen vom Amtstierarzt unterzeichneten Kontrollbericht des Veterinäramtes vom 2. April 2012 vorlegen, in dem steht, dass die jeweils zwei Stuten und Hengste sowie das Fohlen "klinisch unauffällig" seien. Trotzdem habe Bardenhagen an einem Wochenende im Sommer unter anderem den Tier-Notdienst des Amtes aufgefordert, wegen der dort herrschenden Missstände nach Kreien zu fahren: "Alles, was die Mitarbeiterin hier sah, waren friedlich grasende Tiere, worüber sie auch das Veterinäramt informierte. Ich wurde gefragt, warum der Notdienst gerufen worden sei, was ich nicht beantworten konnte."

Bardenhagen, von Beruf Staatsanwalt, sagt, er habe seit März vorigen Jahres nichts mehr von Dr. Asmus gehört, womit die Angelegenheit für ihn "soweit erst einmal erledigt" gewesen sei. Zwar waren Vereins-Mitstreiter und er zwischendurch noch einmal zu dem Hof gefahren, hätten den Eigentümer jedoch nicht angetroffen und seien wieder fortgegangen: "Ich bin der letzte, der sich unbefugt Zutritt verschafft." Jeder Grundlage entbehre zudem auch der von Dr. Asmus schon geäußerte Vorwurf, Bardenhagen missbrauche seine Stellung als Staatsanwalt, weil diese nichts mit dem privaten Engagement in der Noteselhilfe zu tun habe.

Auf die Frage, wie sich der Kreiener das Vorgehen des Vereins erklären könne, wenn alle Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten, anwortet Dr. Asmus, dass er vor einigen Jahren noch selbst kurz Mitglied im Verein der Esel- und Mulifreunde gewesen sei, zu dem die Nothilfe gehöre: "Mir kam es schnell so vor, dass der Esel dort als auf einer herausgehobenen Stellung unter allen Tieren stehend angesehen wird. So etwas ist für mich völlig unpassend, denn das grenzt an Heiligstellung. Nach meinem Austritt waren schon vier Leute hier und wollten meine Tiere ohne Legitimation mitnehmen - vielleicht aus finanziellem Interesse? Leider sind viele Menschen auf falsche Behauptungen über mich hereingefallen. Jetzt hoffe ich darauf, dass das Gesetz greift: In der Öffentlichkeit bewusst falsche Verdächtigungen zu äußern, wird mit Gefängnis von bis zu fünf Jahren bestraft - wir werden sehen."

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