zur Navigation springen

Streit um Tourismusmeinung : Jetzt ist Landweg ein Politikum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Lübzer Unternehmer wehrt sich gegen Plan, Verbindung zwischen Kuppentin und Plau am See für Kraftfahrzeuge sperren zu lassen

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 07:15 Uhr

Wie kürzlich berichtet, möchte sich die Gemeinde Gallin-Kuppentin dafür einsetzen, das Flächennaturdenkmal „Landweg Kuppentin – Plau am See“ für nach ihrer Aussage „rücksichtslos auftretende Quadfahrer“ sperren zu lassen. Diese verursachten viel Schaden an Weg und Natur und belästigten Anwohner. Verfahrensunterlagen können noch bis zum 19. Februar im Amt Eldenburg Lübz, Am Markt 22, in Zimmer 2A-09 (Rathaus - Altbau) eingesehen werden.

Frank Böhm, Inhaber der Lübzer Firma „Abenteuer in Mecklenburg-Vorpommern“, veranstaltet im Sommerhalbjahr durchschnittlich zwei Quadtouren mit sechs Gästen in der Woche. Er spricht sich gegen eingangs genannte Planung aus: „Wunsch meiner Gäste ist es natürlich, möglichst unbefestigte Wege zu befahren. Selbstverständlich müssen sie aber auch dafür freigegeben sein. Es sollen möglichst wenige Anwohner tangiert werden, wir sind bemüht, ökologisch sensible Gebiete zu meiden, müssen im mittleren Drittel der Tour eine Tankstelle erreichen und es muss sich eine sinnvolle Runde ergeben.“ 

Gegebenheiten lassen nur wenige Alternativen

Unter all diesen Voraussetzungen blieben nur wenige Strecken zur Auswahl übrig. Böhm sei der Meinung, dass sich die Belästigung der Anwohner auch an genanntem Landweg wegen der Nutzungsfrequenz in Grenzen halte, zumal er Teilnehmer stets dazu anhalte, gerade in den bewohnten Bereichen langsam und rücksichtsvoll zu fahren. Beschwerden seien ihm lediglich von einem einzigen Anwohner bekannt, der sich den Fahrern schon provokativ in den Weg gestellt und sie „in ultimativem Ton“ aufgefordert habe, eine andere Route zu wählen. Der Wunsch dieses Mannes nach einer Teilsperrung des Weges habe nach Böhms Auffassung wenig mit Naturschutz zu tun: „Er dient für mich vielmehr der Kaschierung des persönlichen Anspruchs nach totaler Ruhe.“

Es gibt Schreiben des Landesverbandes des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland  (BUND) und der Landtagsfraktion der Grünen, die sich beide für eine beschränkte Nutzung aussprechen. Bei letzteren schreibt die wirtschafts- und tourismuspolitische Sprecherin Jutta Gerkan, dass sie  sich „im ständigen Kontakt mit Anwohnerinnen und Anwohnern ... ein Bild davon verschaffen“ konnte, dass die Nutzung eines „der wertvollsten ländliche Wege im Landkreis-Ludwigslust-Parchim“ durch Quads und Motorräder auch erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus habe. Sie bitte daher darum, über die Beschränkung nachzudenken.

Böhm hält beide Stellungnahmen für „ganz allgemeine Schreiben“, die offensichtlich verfasst worden seien, ohne die Örtlichkeiten zu kennen. Beim BUND spreche man beispielsweise von einem Trafohaus, in dem die Schleiereule niste. Am Wegesrand befinde sich jedoch gar kein derartiges Gebäude. Und wer die Wichtigkeit nahegelegener Sölle und Brachflächen hervorhebe, dem müsse man erwidern, dass der Weg, um den es hier geht, fast ausschließlich von intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen umgeben sei.

Trotz Empfehlung Weg nicht einbezogen

Obwohl das Landesamt für Forst- und Großschutzgebiete wie auch der  Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide schon 2005 empfohlen hätten, die Verbindung ins Radwegekonzept einzubinden, sei dies nicht geschehen. „Die angebliche Bedeutung dieses Weges für den Wander- und Radtourismus war also offensichtlich solange unerheblich, bis jetzt eine Begründung für eine Teilsperrung gesucht wurde!“, meint Böhm.

Kollegen und er hätten im Verlauf des vergangenen Jahres stichprobenweise die Verkehrsmenge auf dem Weg gezählt. Ergebnis: Nicht ein auswärtiger Geländewagen sei dort währenddessen unterwegs gewesen.

Verkehrszählung: Angaben nicht bestätigt

„Auch die angeblichen 40 anderen Offroadfahrzeuge pro Wochenende wurden selbst zu den Hauptzeiten nicht erreicht“, sagt der Geschäftsmann. Vielmehr sei es so, dass der Weg an zwei Drittel der Tage  ausschließlich von Anwohnern usw. befahren wurde. Um die Natur zu schützen, müsse man deshalb jeglichen Verkehr verbieten – ein Schritt, den jedoch Fachleute zu untermauern hätten.

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern konzentriere sich auf die Küstenregion und wenige Orte im Landesinneren. Wenn  der Rest ebenfalls an ihm teilhaben wolle, müsse er sich Nischenbereiche suchen, wie es auch „Abenteuer in Mecklenburg-Vorpommern“ gelungen sei – Erschaffenes, das bei Einschränkungen in Gefahr sei. „Natürlich sind wir auch in diesem Fall bereit, auf die Belange des Naturschutzes und der Anwohner Rücksicht zu nehmen“, so Böhm. „Wir bitten aber darum, die verschiedenen Interessen sorgfältig und sachlich richtig gegeneinander abzuwägen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen